(Kein) Unwetter in Hamm: „Sie haben schlichtweg Glück gehabt!“

Starkregen in NRW
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Ein Anwohner in Hagen schöpft seinen überfluteten Keller leer. Selbst von Situationen wie diesen blieb Hamm in dieser Woche einmal mehr weitgehend verschont.

Ganze Städte und Landstriche versinken nach Extrem-Starkregen in Schlamm und Geröll. Und in Hamm? Nichts – oder fast nichts. Warum eigentlich?!

Hamm - 14,6 Liter Regen prasselten im Lauf des Mittwochs pro Quadratmeter auf das Stadtgebiet nieder – also ein Zehntel dessen, was im Umland gemessen wurde. Wieder einmal hatte damit eine Unwetterfront – dieses Mal das Starkregentief Bernd – einen Bogen um die Hammer Stadtgrenzen gemacht. Warum ist das so?

Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen fällt die Analyse zur augenscheinlich Insellage Hamms ziemlich unakademisch aus. „Sie haben in Ihrer Stadt schlichtweg Glück gehabt“, hieß es von den Wetterprofis. „Wäre das Band weiter nördlich gewesen, wäre Hamm genauso getroffen worden.“

Keine Theorien vom Steigungsregen, der sich vor den Höhenzügen des Haarstrangs und des Sauerlands (bei Windrichtung Nordost) entladen hatte, wurden kundgetan. Und auch die Mär von den Kraftwerken in Uentrop und Stockum, die über viele Jahre genährt wurde, wenn Hamm mal wieder von Unwettern verschont geblieben war, hat sich angesichts der Stilllegung der Kohleblöcke überholt.

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Immer wieder ziehen angekündigte Unwetter dann doch an Hamm vorbei. Ist unsere Stadt wirklich eine Wetter-Insel der Glückseligkeit? Ein DWD-Profi hat sich dieser Frage schon 2018 gestellt (hier klicken).

Die volle Tragik der Hochwasser-Folgen kommt erst nach und nach ans Licht. Was viele Hammer „nur“ übers Fernsehen schockt, bekommen Hammer Hilfskräfte vor Ort tatsächlich hautnah zu spüren.

(Kein) Unwetter in Hamm: Lage des Tiefs für Hamm günstig

Frank Beranek, ein semiprofessioneller Meteorologe aus Ahlen, der seit mehreren Jahren das Wetter im Südmünsterland analysiert (www.wetter-suedmuensterland.org), teilt die Sicht des Deutschen Wetterdienstes. „Die Lage des Tiefs Bernd war für Hamm günstig. Auch in Ahlen regnete es verhältnismäßig wenig. In Beckum hingegen schon deutlich mehr“, so Beranek. Bei Gewitterfronten, die in der Regel von Westen anrollen, hält Beranek das Zufallsprinzip hingegen für weniger zutreffend. Diese Fronten schwächten regelmäßig ab, wenn sie vom Bergischen Land ins Tiefland hineinwehen.

Die eingangs erwähnten 14,6 Liter Niederschlag wurden an der Wetterstation der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) gemessen. Seit fünf Jahren wird die Station auf dem Dach der HSHL an der Marker Allee betrieben. Allerdings sind dort keine Meteorologen tätig. Die Anlage wird vom Studiengang Energietechnik betrieben. In erster Linie werden der Wind und Solarstrahlungen untersucht.

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