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Bekämpfung mit Wolle: Stadt startet Versuchsprojekt gegen fiese Raupe

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Von: Ulrich Wille

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Eichenprozessionsspinner
Die kleine, giftige Raupe: der Eichenprozessionsspinner. © dpa

Der Eichenprozessionsspinner belagert jedes Jahr aufs Neue die Bäume in der Stadt. Jetzt will die Stadt mit einem natürlichen Bekämpfungsmittel dagegen vorgehen.

Hamm – Den Eichenprozessionsspinner (EPS) zu bekämpfen, ist in den vergangenen Jahren vor allem für die Stadt zu einer echten Sisyphos-Aufgabe geworden. Auch wenn sie jedes Jahr bekämpft werden, kehren die Lästlinge im nächsten Jahr in voller Stärke zurück. Jetzt will die Stadt Hamm – zunächst versuchsweise – einen neuen Weg in der Bekämpfung der hochallergischen Raupen gehen – mit dem System Woll-Ex.

ESP: Woll-Ex-Entwicklung aus Telgte

Woll-Ex ist eine Entwicklung von Andreas Hill aus Telgte, seit 1997 Schäfer und Herr über 200 Schafe und Lämmer. Und die Wolle der Schafe brachte ihn vergangenes Jahr auf die Idee. Er hat in Versuchen festgestellt, dass die Wolle ein wirksames Hindernis für die Raupen darstellt. Sie meiden Wolle und damit ist das Naturmaterial sozusagen eine natürliche Sperre für die wandernden Insekten. Entsprechend an den Eichen angebracht, könnten die Raupen auch (um-)geleitet werden, sagt Hill. Die Raupen fallen dann durch ein glattes Plastikröhrchen in eigens dafür hergestellte Beutel, aus denen es für den Spinner kein Zurück mehr gibt. „Die Beutel können später abgenommen und fachgerecht entsorgt werden“, sagt Hill. Erste Versuche dazu gab es auch schon in Drensteinfurt.

Bekämpfung des ESP zunächst in Uentrop

Die Stadt hat jetzt für die Bezirksvertretung Uentrop sowie für den Ausschuss Klima-, Umwelt- und Naturschutz eine Mitteilungsvorlage herausgegeben. Darin heißt es: „Das für die Beseitigung zuständige Fachamt hat sich in dem Bestreben, zusätzliche ökologische Bekämpfungsmaßnahmen zu etablieren, mit alternativen Methoden zur Beseitigung des EPS beschäftigt. Der Einsatz von Bioziden betrifft und schädigt auch andere Insekten. Von daher ist eine natürliche Methode, die weder Insekten noch Vögel gefährdet, vorzuziehen. Die Fachverwaltung ist bei der diesbezüglichen Recherche auf das Woll-Ex-System gestoßen und möchte die Praktikabilität und Wirksamkeit 2022 überprüfen.“

Ein Wollring gegen den EPS.
Ein Wollring soll es richten: So sieht die Falle für die EPS aus. © Alexander Soufiah

Die Bezirksvertretung Uentrop ist insofern betroffen, weil die Testphase für Woll-Ex an drei Eichenbeständen im Stadtbezirk Uentrop umgesetzt werden soll. Diese sind aus Sicht des Fachamtes besonders geeignet, da es sich um Standorte handele, die bisher jedes Jahr Hotspots im Befall mit dem Eichenprozessionsspinner waren.

Der erste Testbereich soll der Spielplatz mit angrenzender Grünanlage an der Hülshoffstraße/Ludwigstraße sein. Dort stehen 34 Eichen, in die die Fallen eingebaut werden sollen. Zudem sollen 14 Eichen an der Uentroper Dorfstraße im Bereich der Hausnummern 23 bis 42, sowie 18 Eichen an der Heithofer Allee im Bereich der Hausnummern 76 bis 104b mit Fallen bestückt werden. Diese drei Bereiche wurden ausgewählt, da hier jedes Jahr ein hoher Befallsdruck herrsche, so die Stadt.

Wann genau die Fallen angebracht werden steht noch nicht genau fest. „Wir installieren sie meist im April, Mai oder Juni“, erklärt Hill. Dann fangen die Raupen mit ihrer „Prozession“ an.

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