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Stadt Hamm legt Konzept gegen Vorurteile und Ausgrenzung vor

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Von: Alexander Schäfer

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Vertreter der Stadt, der Politik und des Runden Tisches gegen Radikalismus und Gewalt stellten das Konzept vor.
Vertreter der Stadt, der Politik und des Runden Tisches gegen Radikalismus und Gewalt stellten das Konzept vor. © Szkudlarek

Hamm -  Die Stadt Hamm will ihr Engagement gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt verstärken. In dieser Woche legte die Verwaltung ein Konzept vor, das 30 Handlungsempfehlungen beinhaltet und das der Rat Ende des Monats beschließen soll. Unter anderem soll eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden. Die Stadt hofft auf Fördergelder von Bund und Land in Höhe von jährlich 150 000 Euro.

Im März 2015 hatte der Rat als Ergebnis der Radikalismus-Studie „Hammer Verhältnisse“ ein Handlungskonzept gegen Radikalismus und Gewalt gefordert, herausgekommen ist nun ein „Handlungskonzept gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Das Konzept orientiert sich laut Stadt nicht ausschließlich an konkreten Problemgruppen wie die rechte Szene, sondern es soll tief in der Gesellschaft verankert sein und wirken. Vorurteile, strukturelle und institutionelle Diskriminierung sowie soziale Ausgrenzung fänden immer und überall statt.

So stellte die damals vorgelegte Studie aus Sicht von Jugendamtsleiter Raoul Termath auch nur einen kleinen Teil der Analyse dar. Nun lege man sehr konkrete Ansätze vor, um für Demokratie und Toleranz zu werben. „Aus- und Abgrenzung hilft niemandem und bringt auch nichts“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Er schätzt das Problem in der Gesellschaft als „relativ groß“ ein und sieht es nicht nur bei den „klassischen Rechten“.

„Wir wollen den Blick stärker auf die Gesamtbevölkerung richten, nicht nur auf die Rechten“, erklärte Justus Moor, SPD-Ratsherr und Mitglied des Runden Tisches gegen Radikalismus und Gewalt, der an dem Konzept beteiligt war und der nun die Handlungsempfehlungen umsetzen soll. Prävention und Interkulturalität sollen, so Moor, gestärkt werden. Eine Lehre aus dem Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern müsse es sein, die Bildungspolitik zu überdenken, und nicht die Flüchtlingspolitik.

So ist „die politische Bildung und die gewaltfreie Erziehung“ ein Schwerpunkt des Handlungskonzepts. „Die Toleranzarbeit muss früh ansetzen“, so Hunsteger. In den Kitas und Grundschulen soll den Kindern eine vorurteilsbewusste Pädagogik vermittelt werden. An den Schulen sollen, wenn noch nicht geschehen, Mediations- und Streitschlichtungsprogramme eingeführt werden und pädagogische Programme zur Deeskalation von Gewalt und Mobbing erprobt werden. Zudem soll Kommunalpolitik für Schüler mit konkreten Beteiligungsprojekten erlebbar werden. Was die Schulen betrifft, sei das Angebot zur Mitarbeit natürlich freiwillig, sagte Hunsteger auf Nachfrage.

Weitere Punkte im Konzept, zu deren Umsetzung die Stadt einen Eigenanteil von 32 500 Euro jährlich vorhält, sind unter anderem die Stärkung der Stadtteilzentren, die Arbeit mit gewaltaffinen Jugendlichen und der Ausbau des interkulturellen Dialogs. Welche Person die Koordinierung ab dem 1. Januar 2017 übernehmen wird, dazu habe man, so Hunsteger, noch keine Vorstellung.

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