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Westfleisch will 300 Arbeiter in Herringen unterbringen

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Von: Detlef Burrichter

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Blick auf die Herringer Hochhäuser am Mittwochabend während des "Hausbesuchs" des Ordnungsamts. © Wiemer

[UPDATE 14.20 Uhr] HAMM - Die schlimmsten Befürchtungen der Herringer Anwohner rund um die Hochhäuser der Waldenburger Straße könnten wahr werden. Offenbar ist geplant, dass bis zu 300 Arbeiter aus Rumänien in die weitgehend leerstehenden Wohnblocks einziehen.

Das sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann am Donnerstagmittag auf WA-Anfrage. Der Verwaltungschef hatte kurz zuvor einen

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Anruf der Firma Westfleisch eG aus Münster erhalten. Dabei sei ihm avisiert worden, dass weitere Arbeiter aus Rumänien erwartet werden, die ebenfalls an der Waldenburger Straße in Hamm einziehen sollen.

Dabei handelt es sich offenbar um ein neues Modell zur Anwerbung von Mitarbeitern aus dem benachbarten EU-

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Dienstleister-Fahrzeuge vor den Hochhäusern in Herringen lassen auf eine rege Bautätigkeit im Innern schließen. © Tiggemann

Staat: Ein in Münster ansässiges Personaldienstleistungsunternehmen, die Westfleisch gehört, wirbt die Arbeitskräfte in Rumänien an und stellt sie mit deutschen Arbeitsverträgen für zunächst ein halbes Jahr ein. Dabei steht von vornherein fest, wo diese zu einem günstigen Tarif wohnen werden.

Ihr Wohnquartier sollen die in Münster in der Fleischindustrie arbeitenden "Leiharbeiter" aber nicht etwa in der Westfalenmetropole beziehen, sondern im benachbarten Hamm. Der Ortsteil Herringen liegt zudem verkehrstechnisch günstig an der Autobahn A1, sodass die rumänischen Arbeiter ihren Arbeitsplatz in weniger als eine Stunde erreichen können.

Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann hat die Westfleisch eG aufgefordert, die Zuweisung von rumänischen Arbeitern in Wohnungen an der Waldenburger Straße in Herringen sofort zu stoppen. Andernfalls werde er politisch und rechtlich alle Hebel gegen den Münsterschen Fleischkonzern in Bewegung setzen, hieß es aus dem Verwaltungsvorstand.

"Hausbesuch" des Ordnungsamts in dem Hochhäusern

Bei einem Hausbesuch hatte der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) der Stadt Hamm am Mittwochabend 16 Einzelpersonen aus Rumänien in den

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Das Ordnungsamt führte Mittwochabend Kontrollen in den Hochhäusern an der Waldenburger Straße in Herringen durch. Zum Vergrößern des Fotos hier klicken! © Wiemer

Hochhäusern an der Waldenburger Straße in Herringen angetroffen. Zuvor hatte die Stadt ein Kaufangebot für die Immobilien abgegeben.

"Die Atmosphäre war ausgesprochen freundlich und konstruktiv", sagte Theo Hesse, Fachbereichsleiter Soziales bei der Stadt Hamm, am Donnerstagvormittag. Alle 16 Zuwanderer hätten Arbeit bei Westfleisch in Münster. Sie seien über dessen Personaldienstleister eingestellt worden und hätten einen deutschen Arbeitsvertrag für die nächsten sechs Monate.

"Die Arbeiter sind zwischen 20 und Anfang 30 Jahre alt. Sie verdienen über dem Mindestlohn. Auch die Mieten, die sie zahlen, sind im ortsüblichen Rahmen", sagte Hesse. Der Ordnungsdienst habe den Rumänen Hilfe angeboten, etwa bei Behördengängen, und eindringlich vor dubiosen Dienstleistern gewarnt. Im Hammer Westen seien Bulgaren von Beratern um größere Geldbeträge erleichtert worden, sagte Hesse.

Die rumänischen Arbeiter seien auch über Sitten und Bräuche vor Ort informiert worden, zum Beispiel über die Müllentsorgung in Deutschland und über die Einhaltung der Nachtruhe nach 22 Uhr.

Bilder von der Aktion in Herringen:

Stadt gibt Kaufangebot für Hochhäuser ab

Völlig überrascht worden war die Stadtspitze zuvor von der Verkaufsmeldung der Hochhäuser und dem Einzug der ersten rumänischen Zuwanderer in die weitgehend leerstehenden Immobilien. Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann reagierte sofort. Ergebnis: Die Stadt will die Häuser selbst erwerben und dann abreißen. Das Kaufangebot liegt nach WA-Informationen in wettbewerbsfähiger Höhe im niedrigen siebenstelligen Bereich.

Bei Erfolg sollen die Baugrundstücke dann verkauft werden, um einen Teil der Kosten zu refinanzieren. „Dort können Einfamilienhäuser entstehen“, so der OB.

Die Stadt will parallel auch alle Möglichkeiten ausloten, um Fördermittel vom Land zu bekommen. Vor einigen Jahren hatte die seinerzeit schwarz-gelbe Landesregierung ein Programm aufgelegt, das den Rückbau hochverdichteter Wohnbereiche in sozialen Brennpunkten ermöglichte..

In den vergangenen Tagen war zu beobachten, dass Zuwanderer aus Rumänien in die Hochhäuser einzogen. Nun wird befürchtet, dass sämtliche 96 Wohneinheiten mit Rumänen und Bulgaren belegt werden sollen, die im Zuge der Freizügigkeit seit Januar 2014 EU-weit die freie Wohnortwahl haben.

Stellungnahme aus dem Hammer OB-Büro:

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann hat zu diesem Artikel eine Stellungnahme verfassen und als Kommentar posten lassen, die wir hier auch als Wortlauf widergeben:

"Die Stadt Hamm hat nie beabsichtigt an der Waldenburger Straße ein Asylbewerberheim einzurichten.

Anbei der Wortlaut des Schreibens von Herrn Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann vom 29. November 2013 an alle Unterzeichner der Unterschriftensammlung zur Belegung in der Waldenburger Straße 1,3 und 5:

„Sehr geehrte Damen und Herren!

In diesen Tagen wurde mir eine Unterschriftenliste überreicht. Die Unterzeichner sprechen sich gegen ein angebliches geplantes Asylbewerberheim an der Waldenburger Straße aus. Ich kann Ihnen verbindlich zusagen, dass die Stadt Hamm ein solches Heim definitiv nicht plant. An der Waldenburger Straße wird durch die Stadt Hamm ausdrücklich kein Asylantenheim errichtet und ich bitte Sie, diese Botschaft auch zu verbreiten. Die Stadt wird alles tun, um mit einem zukünftigen Besitzer ins Gespräch zu kommen, um den Brennpunkt Waldenburger Straße nicht erneut entstehen zu lassen. Entsprechende Gespräche wurden mit dem zuständigen Immobilienverwalter bereits geführt.

Mit freundlichen Grüßen

gez.

Thomas Hunsteger-Petermann

Mitbürger der europäischen Union und das sind auch Rumänen und Bulgaren können ihren Wohnsitz frei wählen. Die Stadt Hamm hat hier keine Einflussmöglichkeiten. Deshalb hat der Oberbürgermeister mit Zustimmung aller Fraktionsvorsitzenden ein Kaufangebot abgegeben, um über das Eigentumsrecht steuernd eingreifen zu können.

Die Stadt Hamm tut gegenwärtig alles, um hier keinen neuen sozialen Brennpunkt entstehen zu lassen."

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