Dubiose Spendenkasse und „Phantom im Rathaus“

Staatsanwalt ermittelt gegen Amtsleiter der Stadt Hamm

Rathaus Hamm
+
Die Enthüllungen durch den WA haben im Hammer Rathaus viel Staub aufgewirbelt.

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den bisherigen Leiter des Amtes für soziale Integration der Stadt Hamm, Wolfgang Müller, eingeleitet.

Hamm – Presse-Staatsanwalt Börge Klepping bestätigte auf Anfrage, dass wegen der dubiosen Spendenpraxis beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein Anfangsverdacht auf eine Untreuehandlung durch Wolfgang Müller gesehen werde. Er hatte beim DRK offenbar über Jahre hinweg Zugriff auf namhafte Spenden, die (unter anderem) städtische Töchter wie die Sparkasse, die Stadtwerke und die HGB an den Wohlfahrtsverband geleistet hatten.

Allein in der Zeit zwischen 2013 und Mitte 2016 sollen Müller mehr als 130.000 Euro in bar ausgezahlt worden sein. Das hatte das DRK in der vergangenen Woche gegenüber dem WA bestätigt. Was mit dem Geld geschah, wisse man nicht, hatte das DRK zudem mitgeteilt. Anfragen des WA bei Amtsleiter Müller blieben bislang unbeantwortet.

Die Stadtverwaltung hatte Mitte vergangener Woche Kenntnis von den Ergebnissen der WA-Recherchen zum DRK-Komplex erhalten und umgehend Polizei und Staatsanwaltschaft informiert. Seitdem hatte der Fall dem Dortmunder Kriminalkommissariat 23 vorgelegen. Am Dienstag war die Prüfung nun soweit abgeschlossen, dass der Anfangsverdacht bestätigt wurde. Mehr, so hieß es aus Dortmund, könne aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht mitgeteilt werden.

Ermittlungen gegen Amtsleiter in Hamm: „Betrug und Untreue“

Gleiches gelte auch für den Ermittlungskomplex rund um das ebenfalls vom WA enthüllte „Phantom im Rathaus“. Neu ist allerdings, dass Müller nun auch hier im Fokus steht. Wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue werde gegen ihn ermittelt, so Staatsanwalt Klepping. Bislang hatte sich der Verdacht auf die städtische Vollzeitkraft P. beschränkt, die in Bulgarien lebt und zu ihren „Arbeitsbesuchen“ in Hamm mit dem Flugzeug anreiste und dann in Hotels eincheckte. Bezahlt wurde dies mit NRW-Fördermitteln; städtische Mitarbeiter hatten ihr zur Tarnung Scheinadressen in städtischen Liegenschaften verschafft.

Oberbürgermeister Marc Herter hatte daraufhin das Amt für soziale Integration zerschlagen und dessen Amtsleiter Müller vorläufig freigestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare