Verfrühtes Weihnachtsgeschenk

Spielhallen-Räuber mit schlechtem Gewissen: Tausende Euro Schmerzensgeld für Opfer dabei

In dieser Spielhalle in Hamm an der Wilhelmstraße kam es im Mai zu einem brutalen Überfall.
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Foto aus der Tatnacht: In dieser Spielhalle kam es im Mai zu einem brutalen Überfall.

Im Prozess um den brutalen Überfall auf eine Spielhalle an der Wilhelmstraße war schon am Mittwoch Bescherung. Die beiden Angeklagten hatten für die Opfer vom 24. Mai Bargeld mitgebracht.

Dortmund/ Hamm – Bei dem Überfall waren die Spielhallen-Aufsicht und ein zufällig anwesender Kunde von den Angeklagten brutal geschlagen und getreten worden. Vor der Flucht hatte einer der Männer die beiden Opfer auch noch im Raucherbereich der Spielhalle eingesperrt.

Zeuge schildert dramatische Momente

Der Kunde erinnerte sich in seiner Zeugenvernehmung an dramatische Momente. „Ich habe am Automaten gespielt, als ich plötzlich wahrgenommen habe, dass die Aufsicht am Boden lag“, sagte der Mann den Richtern. Er sei aufgesprungen, um zu helfen. Doch da sei ihm schon einer der Täter entgegengekommen. „Er hat mich mit einem Messer bedroht, ich hatte Angst“, sagte der Zeuge.

Auch der Mann erhielt an diesem Abend Faustschläge und einen Tritt in den Unterleib. Ärztliche Hilfe habe er aber nicht in Anspruch nehmen müssen, sagte er den Richtern. Eine Psychotherapie, um das Erlebte zu verarbeiten, sei ebenfalls nicht erforderlich gewesen.

Angeklagter: „Es tut mir total leid“

Anders als die Spielhallen-Aufsicht erlaubte es der Kunde den Angeklagten, ihn im Gerichtssaal direkt anzusprechen. „Es tut mir total leid, was ich gemacht habe“, sagte einer der geständigen Täter. Und sein mitangeklagter Freund ergänzte: „Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen und diesen Mist dann einfach nicht machen.“

Im Anschluss an die Entschuldigung gab es dann vorgezogene Weihnachtsgeschenke. „So etwas erleben wir in der Tat auch nicht oft“, sagte die Vorsitzende Richterin, als die beiden Verteidiger zwei dicke Bündel mit Bargeld aus der Tasche zogen.

7.500 Euro Schmerzensgeld für die Opfer dabei

Die Spielhallen-Aufsicht bekam insgesamt 4.500 Euro, der Kunde 3.000 Euro als Schmerzensgeld überreicht. „So was ist mir auch noch nicht passiert“, sagte der Zeuge kopfschüttelnd, steckte das Geld dann aber doch gerne in die Tasche.

An einem der nächsten Verhandlungstage sollen die Angeklagten noch von einer Psychiaterin untersucht werden. Immerhin hatten sie angegeben, vor dem Überfall Alkohol getrunken und Kokain genommen zu haben. Die Richter halten deshalb eine verminderte Schuldfähigkeit nicht für gänzlich ausgeschlossen. Auch eine Unterbringung der Angeklagten in einer geschlossenen Entziehungsklinik könnte am Ende im Urteil stehen.

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