„ComTS“ beschäftigt Hunderte ohne Tarifvertrag

Streichkonzert der Commerzbank: Sorgen auch am Standort Hamm

Die einzige Commerzbank-Filiale Hamms liegt im Schatten des Mercure-Hotels.
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Die einzige Commerzbank-Filiale Hamms liegt im Schatten des Mercure-Hotels.

Die Commerzbank plant eine tief greifende Restrukturierung – 10.000 Vollzeitstellen sollen wegfallen, von bundesweit 790 Filialen 340 geschlossen werden. Hinter dem Standort Hamm stehen gleich mehrere Fragezeichen.

Frankfurt/Hamm - Auswirkungen werden die Pläne auf die „ComTS“ haben: Der Commerzbank Transaction Services unterhält einen Standort in Hamm. Dort werden Bankdienstleistungen im Back Office Bereich erbracht. Dazu gehören Prüfungen von Kreditverträgen oder Abwicklung von Zahlungsverkehrsprozessen. Rund 400 Personen arbeiten unweit des Bahnhofs. 350 von ihnen haben keinen Tarifvertrag und arbeiten für „Hungerlöhne“ von knapp über zehn Euro.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet nun, dass die Commerzbank Tarifflucht betreiben möchte und auf der einen Seite Stellen streicht und gleichzeitig die Zahl der Beschäftigten in den tariflosen Tochtergesellschaften aufstocken möchte. „Das geht gar nicht“, sagt Stefan Wittmann. Er ist der für die Commerzbank zuständige Gewerkschaftssekretär bei Verdi und in dieser Funktion auch Mitglied des Aufsichtsrats. Daher fordert die Gewerkschaft nun einen Tarifvertrag für die Mitarbeiter der ComTS. „Das werden wir mit großem Nachdruck forcieren“, sagte Wittmann unserer Redaktion.

Der Gewerkschaftsfunktionär schloss auch einen Arbeitskampf nicht aus: „Wenn nötig, dann rufen wir die Beschäftigten zum Streik auf.“ Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat der Bank.

„Moralische Verpflichtung“ für ComTS-Mitarbeiter

Bereits in der Finanzkrise 2008/2009 habe der Staat mit Steuermilliarden die Commerzbank subventioniert und ist inzwischen größter Aktionär des Geldhauses, erklärt Wittmann. Auch der Aufbau der ComTS West in Hamm sei von der öffentlichen Hand gefördert worden. Daraus ergebe sich auch eine moralische Verpflichtung. Wittmann: „Es darf doch nicht sein, dass der Arbeitgeber seinen Angestellten nur sowenig Gehalt zahlt, dass es für eine spätere Rente nicht reicht und sie mit weiteren zusätzlichen Mitteln vom Staat unterstützt werden müssen.“

ComTS-Beschäftigte verdienten rund 1700 Euro brutto im Monat. Bankkaufleute bei Banken würden bereits mit einem Gehalt von 2500 Euro anfangen. Diese Diskrepanz sei frappierend und habe mit Wertschätzung der Mitarbeiter wenig zu tun, beklagt Wittmann. Da helfe es auch nicht, wenn die ComTS behaupte, Urlaubs- und Weihnachtsgehalt zu zahlen: „Das war ein Zuschlag von 150 Euro.“

„Nur Tarifvertrag“ bringt faire Bezahlung

Aus Sicht der Gewerkschaft könne nur ein Tarifvertrag an dieser Situation etwas ändern, der vor allem eine faire Bezahlung beinhaltet. Mit dieser Forderung wolle er erneut den Vorstand der Commerzbank konfrontieren. „Lenkt er nicht ein, dann stehen die Zeichen auf Arbeitskampf“, so Wittmann.

Inhaltlich könne er die Restrukturierung der Bank weitgehend mittragen, allerdings nicht in der Kürze der vorgesehenen Zeit und auf dem Rücken der Mitarbeiter.

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