Immer mehr Unternehmen haben mehr als den Profit im Sinn

Sozial und nachhaltig zum Erfolg

Hamm Luftaufnahme
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Hamm Luftaufnahme

Das Thema „social entrepreuneurship“ wird auch in Hamm zunehmend wichtig: Anika Braun und Sangeetha Sivakumar von der Wirtschaftsförderung erklären, was es damit auf sich hat – und warum „Nachhaltigkeit“ in neuen Geschäftsmodellen zunehmend eine Rolle spielt.

Frage: Immer mehr Unternehmen achten auf Nachhaltigkeit, faire Löhne und verantwortungsvolle Produktionsbedingungen. Ist diese Entwicklung auch in Hamm zu spüren?

Anika Braun: Auf jeden Fall. Das Thema „Nachhaltigkeit“ wird uns als Gesellschaft insgesamt immer wichtiger. Dadurch ergibt sich auch eine größere Erwartungshaltung an die Unternehmen. Heute wollen die Leute wissen, unter welchen Voraussetzungen die Ware produziert wird und wie die Arbeitsbedingungen vor Ort sind. Nachhaltigkeit wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Ein weiterer Aspekt ist der Fachkräftemangel. Gerade die Besten können immer häufiger zwischen mehreren Angeboten wählen. Früher hat meist das höchste Gehalt den Ausschlag gegeben. Das ist heute nicht mehr zwangsläufig so. Gerade junge Menschen wollen in Unternehmen arbeiten, bei denen es die größtmögliche Schnittmenge zu den eigenen Werten und Zielen gibt. Sangeetha Sivakumar: Gerade in der aktuellen CoronaKrise sind viele Unternehmen auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen: In vielen Überlegungen spielt „Nachhaltigkeit“ eine Rolle, weil man an dem Thema kaum noch vorbei kommt. Durch die Pandemie ist das Bewusstsein für weltweite Zusammenhänge zusätzlich geschärft worden. Deshalb machen sich immer mehr Menschen Gedanken darüber, was der Klimawandel für andere Teile der Welt bedeutet – und was wir vor Ort dagegen tun können. Auch die Politik sorgt mit den entsprechenden Gesetzen dafür, dass sich die Unternehmen mit Themen beschäftigen müssen, die früher eher nachrangig waren.

Sangeetha Sivakumar

Frage: Inwieweit sind Ökologie und Ökonomie ein Gegensatz?

Sangeetha Sivakumar: Das muss überhaupt kein Gegensatz sein. Ein Beispiel zeigt das Projekt Projekte „Ökoprofit“, das in der Wirtschaftsförderung mein Kollege Christian Jürgenliemke betreut. Vielfach lässt sich mit Nachhaltigkeit sogar Geld sparen. Meist rechnen sich die Investitionen in Dämmung, Photovoltaik und vergleichbare Maßnahmen schon nach vergleichsweise kurzer Zeit – zumal es für etliche Schritte zu mehr Nachhaltigkeit die entsprechenden Förderprogramme von Bund und Land gibt. Klar ist aber auch, dass die Verantwortung nicht nur bei den Unternehmen liegt, sondern auch bei den Verbrauchern: Insbesondere in der Landwirtschaft zeigt sich, dass die Kunden durchaus bereitet sind, für gute Ware einen höheren Preis bezahlen. Dieses Beispiel muss sich auch auf andere Bereiche übertragen.

Anika Braun

Frage: Gerade in der Gründerszene sehen immer Unternehmen ihre Vorbilder im Bereich „social entrepreneunirship“. Was hat es damit auf sich?

Anika Braun: Es fällt mir schwer, auf diese Frage eine pauschale Antwort zu geben. Dafür ist das Thema zu komplex und vielschichtig. Grundsätzlich kann man sagen, dass „social entrepreneure“ in allen Unternehmensbereichen höchste Anforderungen an sich selbst stellen, um möglichst nachhaltig und sozial zu agieren. Dabei haben die Unternehmen durchaus wirtschaftliche Interessen. Dabei ist es ihnen wichtig, dass der eigene Erfolg nicht darauf beruht, dass andere Gruppen unfair behandelt oder gar ausgebeutet werden. Hinzu kommen bei vielen Unternehmen die Nachhaltigkeitsaspekte, über die wir eben schon einmal gesprochen haben.

Frage: Die Wirtschaftsförderung Hamm hat vor kurzem eine erste Veranstaltung zum Thema „social entrepreneurship“ durchgeführt: Wie waren die Erfahrungen?

Sangeetha Sivakumar: Zunächst einmal muss man sagen, dass das Thema „social entrepreneurship“ in Hamm noch ein vergleichsweise zartes Pflänzchen ist. Aber auch ein zartes Pflänzchen kann in der passenden Umgebung schnell wachsen und dementsprechend groß werden. Beim ersten Treffen ging es erst einmal um das gegenseitige Kennenlernen: Wir wollten wissen, wie diese Unternehmer ticken, welche Themen sie beschäftigen, welche Vorbilder sie haben und welche Unterstützung wir als Wirtschaftsförderung leisten können. Beim „social entrepreneurship“ bewegen wir uns in einem Bereich, der auch für uns ein Stück Neuland ist. Wir sind uns bewusst, dass es in Teilen völlig neue Konzepte braucht. Dafür leisten wir gerne unseren Beitrag. Anika Braun: Als Wirtschaftsförderung müssen wir uns den Herausforderungen stellen, die an unsere Unternehmen herangetragen werden. Im Idealfall sind wir der Entwicklung sogar einen Schritt voraus, damit wir mit Beratungs und Workshopangeboten einen Mehrwert bieten können.

Mehr Informationen unter www.wf-hamm.de

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