Grünzug an der Ludwig-Teleky-Straße

Sorge um „Fehlentwicklung“: Stadt stoppt etwaige Baupläne in Hamm-Osten

Der Grundstückseigentümer ließ im Februar alles Grün samt alter Bäume an der Ludwig-Teleky-Straße in Hamm-Osten entfernen. Das durfte er.
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Im Nu war die von Anwohnern geschätzte „Wildnis“ verschwunden: Der Grundstückseigentümer ließ im Februar alles Grün samt alter Bäume an der Ludwig-Teleky-Straße entfernen. Das durfte er. Egal was er dort vor hat, laut Freiraumplanung der Stadt soll hier ein Grünzug bleiben.

Spekulationen sollen ein Ende haben. Nach den umstrittenen Baumfällungen im Hammer Osten will die Stadt Fakten schaffen. Planungsrecht soll den Grünzug sichern, etwaige Baupläne und damit „Fehlentwicklungen“ verhindern.

Hamm-Osten/Mark – Für viel Aufsehen hat im Januar die Rodungsaktion an der Ludwig-Teleky-Straße gesorgt. Der Eigentümer der Fläche hat mit der gründlichen Beseitigung der von Anwohnern geschätzten „Wildnis“ Fakten geschaffen. Dazu geäußert hat er sich bislang nicht. Dem Vernehmen nach beabsichtigt er, die Fläche als Bauland vorzubereiten. Aber daraus wird wohl nichts. Mit Eile will die Stadt Planungsrecht schaffen, um, wie es heißt, „einer möglichen Fehlentwicklung“ vorzubeugen. Für den gefällten alten Baumbestand kommt dieser Schritt allerdings zu spät.

Der Stadt geht es nicht um das Durchkreuzen privater Pläne, sondern um größere, gesamtstädtische Zusammenhänge – wie den „Masterplan Freiraum“. Das gerodete kleine, nördliche Grundstück und die freigezogene große Fläche südlich der Ludwig-Teleky-Straße sind Details. Sie sollen nicht bebaut werden. Dazu will die Stadt ihrerseits Fakten schaffen. Sie will den Bereich über den etwa Fußballfeld großen Privatgrund hinaus als Grünzug sichern.

Insgesamt sind es rund 16.700 Quadratmeter. Der größte Teil liegt südlich der Straße. Dazu berät an diesem Dienstag der Hauptausschuss über die Aufstellung des Bebauungsplans Grünverbindung Ludwig-Teleky-Straße samt einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung.

Bisher kein Bauantrag für Fläche im Hammer Osten

Der frühe Vogel fängt den Wurm, heißt es. Gemäß der Redewendung macht die Stadtverwaltung jetzt den ersten entscheidenden Schritt. Der Eigentümer hat zwar seine Flächen beidseits der Straße von allem Grün befreit. Das ist sein gutes Recht. Ein weiterer, relevanter Schritt ist offenbar nicht passiert. „Der Verwaltung liegt derzeit kein Bauantrag vor“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage.

Die Stadt wartet nicht und nutzt die Gelegenheit, mit Planungsrecht etwaigen anderen Plänen zuvorzukommen. Sofern der Eigentümer tatsächlich eine Bebauung plant, müsste zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Den gibt es noch nicht. Das holt die Stadt mit der aktuellen Vorlage nach. Mit der Aufstellung des B-Plans solle auch einer möglichen Fehlentwicklung vorgebeugt werden, die sich aktuell mit Baumfällarbeiten auf den privaten Grundstücksflächen abzeichnet, heißt es in der Beschlussvorlage für die politischen Gremien.

Neue Aussicht an der Ludwig-Teleky-Straße: Mit schwerem Gerät erledigten die Firmen in zwei Tagen ihren Auftrag. Anwohner wurden von der Maßnahme überrascht. Sie sind „traurig“ und verärgert.

Dass nur Hauptausschuss und Stadtrat beteiligt werden, hat offenbar mit der Eile zu tun. Die Vorlage sei erst nach Ablauf der Frist für die Tagesordnung der Bezirksvertretung Uentrop erstellt worden, erklärt Huster. Die nächste Sitzungsrunde mit Beteiligung der Uentroper Bezirksvertreter ist erst wieder im Sommer. Das würde also noch sehr lange dauern.

Hinter der Sicherung des ganzen Bereichs als Grünzug stecken die Ziele und Inhalte des vom Rat beschlossenen Klimaaktionsplans, des Klimafolgenanpassungskonzeptes und des Masterplans Freiraum. Letzterer ist Thema der laufenden Sitzungsrunde. Das Grün beidseits der Ludwig-Teleky-Straße gehört zu der so genannten „übergeordneten Grünverbindung Nummer sechs“ (siehe Text rechts). Sie führt von Rhynern durch die Mark und Hamm-Osten nach Heessen (siehe auch Text weiter unten).

B-Plan für Fläche an Ludwig-Teleky-Straße in Hamm-Osten

Der Masterplan ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Die Planungs- und Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung der städtischen Freiräume liegt dem Rat am 23. März zum Beschluss vor. Baupläne an der Teleky-Straße könnten das Detail gefährden. „Um in jeder Situation als Kommune stadtplanerisch handlungsfähig zu sein und zu bleiben, ist die Vorlage kurzfristig erstellt worden“, erklärt Huster die Eile.

Denn mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan kann die Stadt gegebenenfalls einen Bauantrag zurückstellen, „der nicht mit den städtischen Zielsetzungen vereinbar ist“. Im konkreten Fall heißt das: Auf der Fläche an der Ludwig-Teleky-Straße wird nicht gebaut werden können.

Flächen in Hamm-Osten und Mark in Privatbesitz

Das könnte für Konflikte sorgen. „Grundsätzlich streben wir dabei immer einvernehmliche Lösungen mit den Eigentümern für die Entwicklung beplan- und bebaubarer Flächen an“, sagt der Stadtsprecher. Einvernehmen wird noch eine Rolle spielen. Nur ein Teil der Flächen der bezirksübergreifenden Grünverbindung ist in städtischem Besitz. Die Grundstücksflächen an der Ludwig-Teleky-Straße befinden sich „zu einem größeren Teil ... jedoch im privaten Eigentum“.

Masterplan Freiraum mit „Grünen Straße“ in Uentrop

Was ist eigentlich der Masterplan Freiraum? Die Stadt Hamm verfügt im Siedlungsbereich über viel Grün. Nach Jahren ist es Zeit, die Pläne zur Sicherung und Vernetzung zu aktualisieren. Dazu beauftragte sie ein Berliner Unternehmen mit der Erstellung einer gesamtstädtischen Konzeption. Der „Masterplan Freiraum“ ist nach zwei Jahren fertig. Er soll für die kommenden 15 Jahre Leitlinie sein.

Ein Leitthema ist das Grün-Blaue Netz mit „übergeordneten Grünverbindungen“. Sechs „Grüne Straßen“ sollen entstehen. Sie fördern die umweltfreundliche Mobilität, vier führen durch den Stadtbezirk Uentrop.

  • Nummer 1 „Durch die Mitte“ führt von der Herringer Heide über Lippepark, Ringanlagen zum Burghügel Mark bis Maxipark.
  • Nummer 2 „An Lippe und Kanal“ führt über die Römer-Lippe-Route, den künftigen Radschnellweg über die neue Kanakante, weiter am Kurpark und Kanal entlang bis ins Uentroper Dorf.
  • Nummer 3 „Bockum – Haarener Baggersee“ liegt vor allem nördlich der Lippe. Am Schloss Oberwerries geht es mit der Fähre Lupia über die Lippe bis Haaren.
  • Nummer 6 „Rhynern – Heessen“ beginnt im Gewerbepark Rhynern. Durch das Pilsholz geht es zum Burghügel, von dort zum Lisenkamp und parallel zum Huckenholz, weiter über den Grünzug (siehe Text links) bis zur Ludwig-Teleky-Straße, Hasenstraße, über die Ostenallee zum Kurpark.

Teils müssen für die „Grünen Straßen“ noch Wege gebaut, Flächen begrünt und Grundstücke gekauft werden. So fehlen die Wege von Huckenholz bis Teleky-Straße, weiter bis Hasenstraße und Kurpark. Im Bereich Hasenstraße gehören einzelne Grundstücke der Stadt. Nebenan entsteht aktuell ein Baugebiet.

Für die Anlage der „Grünen Straße“ zwischen Teleky-Straße und Ostenallee gebe es noch keinen Zeitplan, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Ein Ausbau von Grünflächen erfolge in der Regel erst, wenn zusammenhängende Teilabschnitte gebildet werden könnten und Geld zur Verfügung stehe.

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