Wichtigste Verbindung für Gewerbegebiet Uentrop

Alte Brücken in Uentrop: Angst vor noch mehr Einschränkungen

CDU-Ortstermin in Hamm-Uentrop an der Zollstraße und Dolberger Straße an den Brücken über die Lippe und die Lippeumflut
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Zum Ortstermin eine Belastungsprobe: Die CDU-Politiker hält die Brücke über die Lippeumflut aus, aber Schwerlastverkehr nicht mehr. Diese Brücke und eine weitere, kleinere sind bereits stärker in die Jahre gekommen und lösten die Neubaupläne aus. Beide befinden sich bereits auf Lippetaler Gebiet.

Die Lippebrücken am Rande des Uentroper Dorfes sind in die Jahre gekommen. Trotz der begonnenen Planungen für den Neubau ist die Sorge vor weiteren Beschränkungen vor allem für den Lkw-Verkehr groß. Die Zollstraße ist die Verbindung schlechthin für das Gewerbegebiet Uentrop.

Uentrop – Die Stadt plant und das Land zahlt. Nach bedrohlichen Szenarien zu einem möglichen Ausfall der in die Jahre gekommenen drei Brücken der Zollstraße in Uentrop und Dolberger Straße in Lippetal hatten sich die Stadt Hamm und das Land auf das Vorgehen geeinigt. Beim Landesbetrieb fehlten schlichtweg die Planungskapazitäten. Höchste Eile schien zu bestehen.

Fünf Jahre nach dem sogenannten „ersten Schritt“ zu den neuen Brücken kommt aber der Eindruck auf: Schnell sieht anders aus. Die Planungen sind längst noch nicht abgeschlossen, auch wenn die Fertigstellung schon mal für das Jahr 2021 grob anvisiert war. Der hohe Druck scheint raus zu sein.

„Die Planungen für den Neubau laufen aktuell in enger Abstimmung mit dem Landesbetrieb“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage. „Einige Vorarbeiten wie Vermessungen sind schon durchgeführt und weitere notwendige Gutachten und Kartierungen sind derzeit beauftragt.“

Drastische Tonnagen-Begrenzungen, Teil- oder Komplettsperrungen sind bislang nur Szenarien von Verkehrskatastrophen geblieben. Die Tatsache, dass zumindest zwei von den drei Brückenbauwerken stark in die Jahre gekommen sind, sorgen dafür, dass solche Annahmen nicht unrealistisch sind. Die Uhr läuft, der Zahn der Zeit nagt weiter.

Brückensperrung wäre Katastrophe für Gewerbegebiet Uentrop

Das Thema Brückenerneuerung kochte vor Jahren hoch. Dabei ging es zunächst um die Westumgehung Dolberg und den Neubau der Brücke Haarener Weg. Sie ist nur ein Provisorium mit Tonnagenbegrenzung. Wird sie irgendwann mal erneuert, belastet der Verkehr zusätzlich die Zollstraße.

Schon zu der Zeit war klar, dass die Brücken am Haus Uentrop sanierungsbedürftig sind und erst einmal instandgesetzt oder ersetzt werden müssen. Sollten sie noch vor dem Neubau auf dem Haarener Weg gesperrt werden, wäre das eine Katastrophe für das Gewerbegebiet Uentrop. Sie sind die wichtigste Verbindung für den Industriestandort. Lokalpolitiker und Unternehmen waren in Alarmstimmung.

Vor fünf Jahren schätzte der städtische Verkehrsplaner Carsten Gniot die Planungszeit zunächst auf etwa zwölf Monate. Sofern Geld vorhanden sei, könne dann gebaut werden. Wenige Wochen später bremste Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch (heute Bezirksbürgermeister) die Erwartungen und kündigte zumindest bis 2021 einen baureifen Plan an.

Lippebrücke in Uentrop standsicher

Dass die Eile dann doch nicht ganz so groß sein muss, dafür sprachen später Brückenprüfungen, die zunächst abgewartet werden sollten. Die bislang jüngste und alle sechs Jahre stattfindende Hauptprüfung für die große Lippebrücke (Zollstraße) fand 2018 statt. Das Bauwerk aus dem Jahr 1953 befand sich zu der Zeit „in keinem standsicherheitsgefährdenden Zustand“, wie es von dem für die Landesstraße 667 zuständigen Landesbetrieb hieß.

Die Schwachpunkte in der dreigliedrigen Brückenkette sind die beiden nur ein Jahr jüngeren Bauwerke, die sich bereits auf Lippetaler Gebiet (Dolberger Straße) befinden. Wegen ihres Zustandes können zumindest keine Schwertransporte die wichtige Straße zwischen Autobahn 2 und Gewerbegebiet Uentrop passieren.

Rund 2,9 Millionen Euro für neue Brücken in Uentrop

Zu den Kosten für den Neubau der Brücken liegen bislang nur grobe Kostenschätzungen des Landes vor. Laut einer Antwort des Landtags im Februar auf eine Kleine Anfrage der AfD zum „Zustand der Straßenbrücken in NRW“ ist für den Neubau auf der Zollstraße mit 1,459 Millionen Euro zu rechnen, für den Ersatz auf Lippetaler Gebiet mit 806 000 Euro und 604 000 Euro. Macht insgesamt 2,869 Millionen Euro.

In einigen Unternehmen wird nach wie vor befürchtet, dass es in nächster Zeit zu weiteren Tonnagenbeschränkungen kommen könnte. „Wir sorgen uns, dass man uns diese Brücken irgendwann sperren könnte“, sagte Christian Renfert, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Uentrop bei einem Ortstermin in Uentrop. Eine Gefährdung bestehe aber derzeit nicht, meinte CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Arnd Hilwig und machte Hoffnung darauf, dass die Landesregierung Mittel für die Straßensanierung erhöhe und Brücken mehr in den Fokus nehme.

CDU: Rad- und Fußweg für neue Brücken in Uentrop

Zur nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Uentrop im kommenden Monat wollen CDU-Bezirks- und Ratsvertreter das Thema Brücken auf die Tagesordnung setzen und den Sachstand erfahren. Die Christdemokraten fordern, dass die neuen Brücken und Straßen „den Verkehrsanforderungen unserer Zeit entsprechen“, sagt Hilwig, „das heißt, einen Fuß- und Radweg bekommen.“ Der fehlt in der Tat. Immer wieder weisen Bürger auf den Mangel hin.

Sei es, um, aus Uentrop kommend, zum Hofladen Tante Malchen zu kommen oder weiter zum Uentroper Wald und darüber hinaus. Auch wenn die Zollstraße und Dolberger Straße durch ein geschütztes, „hochsensibles“ FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) führen, halten die Christdemokraten die vorhandene Straßenbreite für ausreichend, um auch eine Rad- und Fußweg anzulegen.

Gedanken machen sie sich über die Zeit der Bauphase, in der die wichtige Verbindung voraussichtlich gesperrt sein wird. Es stellt sich ihnen die Frage, ob es für die Dauer der Bauarbeiten eine Ersatzroute für den Schwerlastverkehr vorgesehen ist oder es in Absprache mit dem Landesbetrieb eine Behelfsausfahrt in Höhe des Gewerbegebietes auf die Autobahn 2 gebe könne? Antworten erwarten sie zur kommenden Sitzung der Bezirksvertretung.

Vorplanung für neue Brücken dauert noch Monate

Ob die Planungen allerdings dann schon so weit gediehen sein werden? Wohl kaum, wie eine Antwort der Stadtverwaltung zum Zeitplan annehmen lässt. „Als Zeitachse gehen wir davon aus, dass die Vorplanungen nach aktuellem Plan bis Ende 2021/Anfang 2022 abgeschlossen sein werden“, sagt der Stadtsprecher. Erst dann könne Konkreteres zum weiteren Verlauf und Zeitplan der eigentlichen Arbeiten gesagt werden.

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