Teuflisch gut: Antje Peters stellt in Mensa aus

In ihrem Atelier arbeitet Antje Peters gerade am großformatigen „Satyrentanz“.
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In ihrem Atelier arbeitet Antje Peters gerade am großformatigen „Satyrentanz“.

HAMM - Nein, schnell fertig ist Antje Peters nicht mit ihren Werken. Manchmal dauert es Wochen und Monate, bis die Hammer Künstlerin mit einem Gesichtsausdruck, einer Handhaltung oder der Haarfarbe der Protagonisten auf ihren Bildern zufrieden ist. Immer wieder wird übermalt, verbessert und an Details gearbeitet.

Auf ihrer Internetseite http://www.antjepeters.de hat sie den Entwicklungsprozess eines ihrer Werke festgehalten. „Der Ritt mit dem Teufel – Vom Teufel geritten“ heißt das fast mannshohe Ölbild, auf dem ein roter, spitzohriger Teufel mit einer blonden Schönheit Sex hat. Immer wieder hat die Mitvierzigerin den Gesichtsausdruck der Frau verändert – und damit dem Bild eine andere Aussage geben.

Ganz zu Anfang hatte die blonde Frau einen fast kindlichen Kopf, später lachte sie den Teufel an, dann hatte ihr Gesicht eindeutig orgiastische Züge. Wieder wurde das Bild übermalt, in der nächsten Fassung lag die Frau in den Armen des Teufels im Sterben. Erst die neunte Version des Gemäldes war die endgültige: Jetzt himmelt die blonde Schönheit den Teufel an. Mit strahlenden Augen blickt sie zu dem muskelbepackten Wesen empor, während unter ihr das Höllenfeuer lodert.

Antje Peters wollte immer schon malen. Sie hatte als Abiturientin ihre Mappe für die Kunsthochschule schon so gut wie fertig, als ihr Vater sie aus den Mädchenträumen riss: „Und was ist, wenn die dich nicht annehmen?“ Die Tochter war erst vor den Kopf gestoßen und ging dann auf Nummer sicher: Sie lernte „etwas Vernünftiges“ und arbeitet heute als Fallmanagerin im Jobcenter im Kreises Unna.

Trotzdem ließ sie die Liebe zur Malerei nicht los. Als sie erfuhr, dass sich ihre Tante am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie in Bochum bewerben wollte, war sie sofort Feuer und Flamme. Gemeinsam schrieben sie die beiden Frauen vor sechs Jahren ein und studierten berufsbegleitend im Fachbereich Malerei und Grafik. Hier eignete sich Peters ihr künstlerisches Handwerkszeug an: Jedes Semester lernte sie neue Maltechniken (etwa Acryl und Öl) oder Drucktechniken (Linolschnitt und Monotypie). Seit 2012 ist sie in der Meisterklasse bei Era Freidzon.

Schnell schloss Antje Peters Freundschaften mit Kommilitoninnen, gemeinsam besuchten sie Ausstellungen, nahmen an Malwochenenden teil, hatten eine erste gemeinsame Ausstellung. Im Sommer 2012 haben sich sechs Frauen zur Künstlergruppe b[ac]sART zusammengeschlossen.

Am kommenden Samstag stellen Antje Peters und ihre fünf Mitstreiterinnen Barbara Leipzig, Antje Teuber, Carmen Goeke, Carola Firgau, Sandra Frick aus Lünen, Dortmund und Münster in der Mensa im Martin-Luther-Viertel erstmals gemeinsam aus. „Emotionen“ lautet das Motto der Schau, die von der Hammer KunSToff-Gruppe auf die Beine gestellt wird. Wie immer ist die Vernissage ab 18.30 Uhr mehr als ein Stehempfang mit Sektglas vor neuen Kunstwerken: Zur Ausstellungseröffnung gibt es ein Rahmenprogramm mit Lyrik von Mario Siegesmund und Musik der Hammer Band Open Strings. Als Vorgruppe tritt zusätzlich noch die junge Hammer Band Bangkok Banquet auf.

Passend zum Motto der Ausstellung wird sie wahrscheinlich einige Portraits ihrer Emotionen-Serie zeigen. Sie spiegeln Wut, Entsetzen und Glück wider oder zeigen eine weinende Frau. Vielleicht wird auch noch der „Satyrentanz“ bis Samstag fertig. Zwei Satyren, griechische Fabelwesen mit den Hörnern und Beinen eines Ziegenbocks, vergnügen sich mit einer nackten Frau mit langen rostroten Haaren.

„Nicht schon wieder so etwas Sexistisches“, habe ihr Mann gesagt, erzählt Peters schmunzelnd, dabei interessieren sie nackte Körper vor allem künstlerisch. Seit fünf Jahren besucht sie alle 14 Tage Kurse in Aktmalerei.

Zwar hat Antje Peters gerade ein Atelier in der Kulturwerkstatt bezogen, um ohne Ablenkung von Computer und Haushalt abreiten zu können. Trotzdem sucht sie immer wieder den künstlerischen Austausch: Sie gehörte zum „Kreis der Freunde“ des Ateliers Syndicart von Norbert Matzdorf, ist Mitglied im Arbeitskreis Kunst Hamm und gehört zu den Gründern von KunSToff. Und hier schließt sich der Kreis zur Ausstellung „Emotionen“ von b[ac]sART. „Ich bin auf die Emotionen der Besucher gespannt“, sagt Antje Peters und widmet wieder sich ihren Bildern. Könnte man hier noch etwas verändern oder da etwas optimieren?

Antje Peters hat für ihre Portrait-Serie zum Thema „Emotionen“ auch ihre Freundin, die Hammer Lyrikerin Mona Hartmann, gemalt. Der Titel des Bildes lautet „Glück“

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