Ex-Bundeswehrfeldwebel sollen zahlen

Söldner für Somalia: Langer juristischer Kampf hat für Asgaard ein Ende

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Hamm/Dolberg/Telgte/Münster – Söldnerdienste aus dem Münsterland für einen Warlord in Somalia: Dieses Thema hat zehn Richter zehn Jahre lang beschäftigt. Am Donnerstag kam der Prozess gegen zwei ehemalige Bundeswehrfeldwebel in Münster endlich zum Abschluss.

Gegen Zahlung von Geldauflagen stellte das Amtsgericht das Verfahren gegen die aus Telgte beziehungsweise Hamm stammenden Angeklagten ein. Einer muss 7.800 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund zahlen, der andere 6.000 Euro an eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Knochenmarkspenden. Damit ging still und leise zu Ende, was im Jahr 2009 lautstark und medienwirksam begonnen hatte. 

Damals gründeten die heute 49 und 50 Jahre alten Ex-Soldaten in Telgte die Sicherheitsfirma „Asgaard Security Group“. Der klangvolle Name erinnert an den germanischen Götterhimmel und schaffte es bis in die Tagesschau.

Westfälische Söldner angefordert 

Im Oktober 2009 saßen die Asgaard-Leute mit dem somalischen Clanchef Abdinur Darmann zusammen und besiegelten einen millionenschweren Deal: Die westfälischen Söldner sollten Darmann auf den Präsidentenstuhl hieven. Zu einem Einsatz in Somalia kam es nicht. Doch schon der Abschluss des Vertrages verstieß gegen ein über Somalia verhängtes UN-Embargo und gegen das deutsche Außenwirtschaftsgesetz. Das juristische Verfahren zog sich in die Länge. Es kam zu Einsprüchen, Abbrüchen, zu einem Freispruch, den das Oberlandesgericht Hamm aufhob und nach Münster zurückverwies.

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Erst der aktuelle Richter schlug den gordischen Knoten mit Verweis auf neue rechtliche Bewertungen des Sachverhalts durch. Erfolgreich bewegte er alle Beteiligten dazu, seinem Vorschlag auf vorläufige Einstellung des Verfahrens zuzustimmen. Sobald die Geldauflagen bezahlt sind, wird die Sache dann endgültig eingestellt.

Und das ist aus Asgaard geworden?

Der ältere der beiden Angeklagten arbeitet jetzt als Malermeister, sein ein Jahr jüngerer Ex-Kamerad ist hingegen nach wie vor im Sicherheitsgeschäft tätig und tritt immer noch wort- und bildgewaltig auf. Seine „Asgaard German Security Guards – Consulting GmbH“ hat ihren Sitz nunmehr ganz an der Kranstraße in Uentrop. 2016 wurde dort zunächst eine Dependance aufgemacht. 

Der 49-Jährige ist Gesellschafter und wird im Impressum der Firmenhomepage auch als CEO (Geschäftsführer) geführt. Dort preist sich Asgaard „als deutsches Sicherheitsunternehmen mit Schwerpunkt auf Hochrisikogebieten“ an.

Made in Drensteinfurt: Die riesigen Schwerter stehen in Bagdad und wurden von H+H Metalform gefertigt.

Derzeit sei man vor allem im Irak engagiert. Und so hat sich das Unternehmen für seinen Internetauftritt eine ganz spezielle Fotomontage einfallen lassen: Dort stehen die gepanzerten Asgaard-Limousinen unter den „Schwertern von Kadesia“ auf einem Prachtboulevard in Bagdad. Über den ließ Irak-Diktator Saddam Hussein seinerzeit die Panzer seiner Militärparaden rollen. Die riesigen, als Triumphbögen gebauten Schwerter hatte die frühere Drensteinfurter Firma H + H Metalform für Saddam bauen lassen. Außerdem lieferte das Unternehmen Atomtechnologie in den Irak. Vor 25 Jahren wurden die beiden H + H-Geschäftsführer zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Anklage lautete damals: Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz. 

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