Hammer Lokalgeschichten im Gustav-Lübcke-Museum

„Treffpunkt Kneipe“: So macht das Gustav-Lübcke-Museum Hammer Geschichte lebendig

Ingrid Brede im Blauen Affen
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Ingrid Brede im Blauen Affen

Ist die Kneipe schon museumsreif? In Hamm sicherlich, gibt es hier doch viel Geschichte und noch mehr Geschichten rund um diese spezielle Form der Gastronomie. Das Gustav-Lübcke-Museum hat dazu viele spannende Ausstellungsstück für die Sonderausstellung „Treffpunkt Kneipe – Hammer Lokalgeschichten“ zusammengetragen. 

Die Zeitreise vom früher in Hamm gebrauten Keut bis hin zum Pils geht bis zum 20. März 2022. Der Begriff „Kneipe“ stammt aus der Studentensprache des 18. Jahrhunderts und bedeutete eine einfache, enge Schenkwirtschaft. Ursprünglich war der Ausschank dort, wo auch gebraut wurde.

Schankraum der Gaststätte Lohsträter, um 1920

Die Ausgabe von Getränken war zunächst Sache derjenigen, die Bier brauten, und zwar mehr, als sie für den eigenen Bedarf benötigten. Klöster in und um Hamm verfügten selbstverständlich über Braukeller, zahlreiche Bäcker in der Stadt verschrieben sich der Brauerei und schenkten das Bier – den sogenannten Hammschen Keut – auch an Gäste aus. Dabei diente die Küche oder eine schlichte Bank vor der Tür als „Kneipe“. Bier war neben Leinwand lange Zeit der Exportartikel der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt Hamm, die mit der Ausfuhr dieses Produkts sogar in der Hansevereinigung aktiv war. Der Rat der Stadt Hamm richtete für eher gehobenen Bedarf ein Stadtweinhaus ein. Ab dem 18. Jahrhundert nahm die Brennerei von Branntwein – ursprünglich nur als Medikament genutzt – so sehr zu, dass man im folgenden Jahrhundert eine „Branntwein-Pest“ beklagen musste. In einem Konzentrationsprozess während des 18. und 19. Jahrhunderts ging die Vielfalt der Hausbrauereien in Hamm zurück, während die Brauerei der Familie Pröpsting (Kloster) und die Isenbeckbrauerei ihre Kapazitäten professionell ausbauten und bis ins 20. Jahrhundert produzierten.

Bergleute von Radbod beim Umtrunk, 1913

Die Ausstellung beleuchtet wie im 19. Jahrhundert das Bürgertum, später dann die Arbeiterschaft die Kneipenlandschaft geprägt haben. Einen breiten Raum nimmt die Kneipe auch als Treffpunkt von Vereinen, Verbänden und Parteien ein. Auf alten Bildern werden legendäre Hammer Kneipen und bekannte Wirte wieder lebendig. Auch Werbung spielte immer eine Rolle, wie eine Isenbeck-Anzeige von 1914 zeigt.

Der Katalog „Treffpunkt Kneipe – Hammer Lokalgeschichten“ zur gleichnamigen Sonderausstellung im Gustav-Lübcke-Museum bietet auf 269 Seiten auch einen umfassenden bebilderten Einblick in die Kneipengeschichte.

Treffpunkt Kneipe - Hammer Lokalgeschichten

Kontakt

Gustav-Lübcke-Museum
Neue Bahnhofstr. 9 · 59065 Hamm
Tel.: 02381 / 17 5714 
Öffnungszeiten: Di–Sa 10–17 Uhr · So 10–18 Uhr · Mo geschlossen
https://www.museum-hamm.de/ausstellungen/aktuell/treffpunkt-kneipe/

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