Serie: Was braucht Heessen?

So grün wird Heessen: Wie Hamms größte Baustelle den Bezirk verändert

Umbau: Im Erlebensraum Lippeaue entsteht eine neue Hochwasserschutzanlage. Hier schaut man in Richtung Westen und sieht rechts die neue Schutzanlage, hinten links den alten Mitteldamm.
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Umbau: Im Erlebensraum Lippeaue entsteht eine neue Hochwasserschutzanlage. Hier schaut man in Richtung Westen und sieht rechts die neue Schutzanlage, hinten links den alten Mitteldamm.

Auf Heessener Gebiet entsteht gerade der Erlebensraum Lippeaue. Bei der größten Baumaßnahme der Region steht der Umweltschutz im Vordergrund. Doch wie ist der aktuelle Stand - und was braucht es für Umweltschutz im Bezirk wirklich? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Heessen – „Grüner als Heessen ist kein Stadtteil“, sagt Umweltdezernent Volker Burgard. Er steht am Rande des Erlebensraums Lippeaue in Hamm. Vor ihm entsteht der neue Deich, der streng genommen keiner ist, hinter ihm das Flora-Fauna-Schutzgebiet an der Schlossmühle. Gemeinsam mit Dr. Oliver Schmidt-Formann, Leiter des Umweltamtes, beschreibt Burgard die Pläne an der südlichen Heessener Grenze.

StadtbezirkHeessen
Einwohner23.944 (Stand: 31.12.2020)
Fläche29,2 Quadratkilometer
davon bewaldet16,5 Prozent

Erlebensraum Lippeaue: Artenschutz durch Auenlandschaft

Hier entsteht der Erlebensraum Lippeaue: Für 34,5 Millionen Euro wird das Gelände im Umfeld von Münster- und Fährstraße komplett umgearbeitet, die Lippe soll dort wieder einen natürlicheren Verlauf haben, einen Auenland entstehen. Der Erlebensraum werde zu erwartende Klimaveränderungen abmildern, sagen Burgard und Schmidt-Formann, für Natur- und Umweltschutz sorgen - und die Natur für Menschen erlebbar machen.

Größte Baustelle der Region: Umweltamtschef Dr. Oliver Schmidt-Formann und Umweltdezernent Volker Burgard erläutern verschiedene Aspekte des Projekts.

Die naturnahe Umgestaltung der Aue soll dafür sorgen, dass Feuchtwiesen entstehen. Durch Staunässe herrscht auf diesen Wiesen eine sehr hohe Bodenfeuchtigkeit vor, sie sind arten- und blütenreich. So findet man hier häufig die Gruppe der Sumpfdotterblumenwiesen, Süß- und Sauergräser, Sumpf-Vergissmeinnicht, den kleinen Baldrian und die Kuckucks-Lichtnelke.

Dieser Lebensraum kann auch verschiedenen Vogelarten als Nahrungs- und Brutraum dienen. Erwartet werden beispielsweise Bekassine, Uferschnepfe und Kiebitz. „Mit viel Glück sehen wir vielleicht auch den Wachtelkönig oder das Braunkehlchen“, sagt Schmidt-Formann. Auch der Storch findet Futter auf feuchten Wiesen.

Baustelle zum Erlebensraum soll Beitrag zum Klimaschutz leisten

Den Folgen der zu erwartenden heißeren und trockeneren Sommern wirke man mit dem Erlebensraum auch entgegen, sagt Dezernent Burgard: „Wasser in der Stadt tut den Menschen gut.“ Denn nach der Umgestaltung wird die Wasserfläche größer sein. Die Tiere haben dann zusätzliche Rückzugsgebiete, die noch feucht sind.

Auch Starkregenereignisse hat Burgard auf dem Schirm. Die neue Hochwasserschutzanlage sei für ein 250-jähriges Ereignis ausgerichtet: Statistisch gesehen findet nur alle 250 Jahre ein Regen statt, der den Schutz an seine Grenzen bringen könnte. Dafür sorgen etwa 21 zusätzliche Hektar Überflutungsfläche.

Klimaschutzprojekt zum Anschauen: Heessener können Ausflüge machen

Damit die Heessener – und natürlich auch die Ausflügler aus anderen Bezirken – das auch erleben können, sollen an zwei Stellen Aussichtspunkte errichtet werden, und zwar an dem Weg zwischen dem Bootshaus an der Fährstraße und dem Ruderclub am Wehr Hamm – so wie an anderen Stellen auch, zum Beispiel beim „Archäologischen Infopunkt“ in der Kornmersch.

Es wird weiterhin einen Fuß- und Radweg zwischen Fähr- und Münsterstraße geben. Diese Verbindung zwischen Heessen und der Innenstadt soll direkt verlaufen. Es soll dort Vogelbeobachtungshütten geben, Mülleimer, Bänke. Der neue Weg wird etwa 2,1 Kilometer lang sein.

Östlich der Fährstraße – also nahe der Schlossmühle – sind neue Wege auf Grundlage bisheriger Pfade geplant: Etwa 450 Meter Strecke werden es sein mit einer wassergebundenen Decke. Es könnte für Fußgänger und Radfahrer einfacher werden, die Fährstraße zu überqueren, so dass sie die Gebiete auf beiden Seiten der Straße anschauen können. Dazu könnte ein Übergang samt Verkehrsinsel entstehen – sicher ist das noch nicht.

Unser Kommentar: Die Lippeaue allein reicht nicht, um den Umweltschutz zu verbessern

Der Heessener Wald mit seinen 441 Hektar, das Flora-Fauna-Habitat-(FFH)Gebiet, die Halden, der Kappenbusch und die Lippeauen: Heessen ist gefühlt ein grüner Bezirk. Und auch in Sachen Natur- und Umweltschutz gehörte er an die Spitze – als in den 1990er Jahren das Ökozentrum gegründet, die Ökosiedlung gebaut, und das heutige Baugebiet Heimshof-Ost ökologisch bebaut werden sollte.

Das ist Geschichte und zeigt: Der Stadtbezirk ist nicht mehr führend in Sachen Ökologie. Die Vorgärten sind wie anderswo auch oft Stein- und keine Grüngärten, die Halde wird nicht weiter beachtet, und auf dem alten Zechengelände rund ums Ökozentrum siedeln ganz normale Betriebe. Der Schwung ist weg.

Neuer Schwung sollte nicht nur aus dem Umweltdezernat Hamms kommen. Heessen hat alle Voraussetzungen, wieder an die Spitze des Umweltschutzes zu kommen. Oder was meinen Sie? Kommentar von Michael Girkens

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Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 17. April. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Heessen?“ erscheint am 30. April im Print und Online. Dann geht es um Bildung. Bereits erschienen ist der erste Serienteil zum Thema Integration.

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