Corona trifft den Karneval besonders hart

So ergeht es echten Vollblut-Jecken in diesen Tagen

Karneval am Strand: Auch am Timmendorfer Strand hatten Lena Langenhorst (links) und Nadine Sanner bereits Auftritte mit den blauen Funken.
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Karneval am Strand: Auch am Timmendorfer Strand hatten Lena Langenhorst (links) und Nadine Sanner bereits Auftritte mit den blauen Funken.

Rhynern – Schweißtreibende Trainingseinheiten, Lampenfieber vor den Auftritten, ausgelassene Freude auf der Bühne und stimmungsvolle Kontakte bei der After-Show-Party – die Liste der Momente, die Nadine Sanner und Lena Langenhorst aktuell fehlen, ist lang. Die beiden Rhyneranerinnen sind Karnevalistinnen durch und durch. Eigentlich dreht sich das ganze Jahr über vieles im Leben der beiden um den närrischen Spaß, in diesen Tagen hätte das Treiben seinen Höhepunkt erreicht. So ganz verderben lassen sich die Vollblut-Jecken ihre Leidenschaft aber nicht.

Ihre karnevalistische Familie haben sie bei der KG Blaue Funken gefunden. Dort trainieren sie gemeinsam die Juniorengarde (elf bis 14 Jahre). Selbst tanzen sie bei den Ü15-Mädels mit. Nadine ist zudem noch das Gesicht der Showtanzgruppe „Be Happy Dancers“, die sie trainiert und bei der sie selbst mittanzt. Aktuell würden sich die Auftritte nahtlos aneinanderreihen. Verschiedene vereinseigene Sitzungen wären schon gelaufen, andere stünden noch an. Dazu kommen die Gastauftritte beim TBM in Uentrop, beim Liboriuskarneval, beim Festkommitee Hammer Karneval und natürlich beim Heimspiel in Rhynern.

Beim Kinderkarneval in Rhynern fing alles an

In der dortigen Rhynernhalle haben die beiden auch die Liebe zum Gardetanz entdeckt, nämlich beim Kinderkarneval. Die Karnevalsgemeinschaft St. Regina Rhynern hatte schon immer eine eigene Kinderfunkengarde, in der die Mädchen aus dem Dorf Tänze einstudierten. Drei Jahre lang gehörten Lena und Nadine zu dieser Gruppe, ehe sie aus Altersgründen ausschieden. „Doch das Hobby beenden wollten wir auf keinen Fall“, sagt Lena Langenhorst. Und so landeten die beiden bei den Blauen Funken, die für alle Altersklassen Gardetanzgruppen haben.

Den Karnevalsvirus haben die beiden Tänzerinnen quasi in die Wiege gelegt bekommen. Beide Elternpaare sind seit vielen Jahren aktiv beim Rhyneraner Karneval. Und wenn das große Wochenende in der Rhynernhalle anstand, schleppten sie ihre Töchter selbstverständlich mit, zu Hause war ja niemand, der aufpassen konnte. Und so standen sie schon als Kindergarten-Kinder auf der Bühne, beim Kinderkarneval versteht sich.

Gefeiert wird online

Ein Leben ohne Karneval scheint für die beiden kaum vorstellbar zu sein. Doch ein Leben ohne Karneval müssen sie in diesem Jahr ertragen, zumindest ohne die großen Karnevalsfeiern. Denn der Karnevalsvirus der beiden Frohnaturen aus Rhynern lässt sich ja nicht von einem anderen Virus so einfach vertreiben. „Ich höre zu Hause ganz laut Karnevalsmusik und singe mit“, berichtet Nadine Sanner. Es komme auch vor, dass sie alleine im Wohnzimmer einen Karnevalstanz hinlegt. So ganz ohne gehe eben nicht. Und über Online-Plattformen könne sie auch mit ihren Gruppen etwas Karneval feiern.

Ohnehin halten die Mädels seit nunmehr zehn Monaten über das Internet so intensiv wie es geht Kontakt zu ihren Gruppen. „Wir führen unser Training trotzdem fort, als Onlinetraining“, erklärt Lena Langenhorst. Und das zu den festen Trainingszeiten. „Darüber hinaus bekommen wir Wochenaufgaben, welche wir per Foto oder Video an die Trainer schicken sollen“, ergänzt Sanner.

Überhaupt habe es in der ganzen Corona-Zeit auch positive Erlebnisse gegeben. Die Karnevalisten haben sich nie unterkriegen lassen und immer das Beste aus der Situation gemacht. Als Outdoor-Training möglich war, tanzte die Gruppe – auch zur Belustigung der Menschen – im Park. Im Training wurden auch neue Dinge ausprobiert, für die ansonsten in der laufenden Turniersaison wenig Zeit ist. „Wir finden, dass wir als Team in dieser Zeit durchaus zusammengewachsen sind“, sagen die beiden.

Dennoch: In erster Linie beschere die Corona-Entwicklung vor allem dies: Absagen. „Nach dem Sommer haben wir in den Garden noch auf eine Turniersaison gehofft, sodass wir das Training daraufhin ausgerichtet haben. Im Oktober folgte aber auch hier die Absage“, schildert Langenhorst.

Kontakte pflegen

Die Showtanzgruppe „Be Happy Dancers“ hat nach der frühzeitigen Absage der Veranstaltungen Mitte des vergangenen Jahres das Training eingestellt. Und dennoch halte die Gruppe Kontakt, berichtet die Trainerin. In der Phase im Spätsommer und Herbst, als Treffen möglich waren, seien immerhin gemeinsame Bastel- oder Grillabende durchgeführt worden. Bei dieser Gruppe steht das Gesellige besonders im Vordergrund.

Auch der Vereinsvorstand versuche stets, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten. So gab es auch eine Überraschung per Post zum 11. November, dem in dieser Session etwas traurigen Startschuss.

Auch wenn die Online-Treffen eine Menge Spaß bringen, so schmerzen die Distanz zu den Freunden und der Ausfall der bunten Veranstaltungen doch sehr. „Gerade jetzt in der Hauptkampfzeit“, geben Lena und Nadine zu. „Die Gemeinschaft mit der Gruppe, das Training, die Auftritte, die Turniere zu erleben. Das Feeling an den Karnevalsauftritten, die Motivation, einfach nur das gemeinsame Tanzen in der Halle oder auf der Bühne – das alles fehlt uns so sehr.“

Session 2021/22 schon in Planung

Doch der Blick richtet sich nach vorne. Voller Optimismus werden bereits die ersten Planungen für die Session 21/22 in Angriff genommen. Denn dass es weitergehen wird, steht für sie außer Frage. Für den Karnevalsvirus von Nadine und Lena ist nämlich noch kein Impfstoff entwickelt worden.

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