Wegen Corona

SMT Scharf AG kehrt zurück an die Römerstraße

Willkommen an Bord: Wilhelm Einhaus (von links) freut sich, dass Hans Joachim Theiß und Wolfgang Embert den Sitz der SMT Scharf AG wieder ganz nach Bockum-Hövel verlegt haben. Die Einhaus-Gruppe hatte das Gebäude (im Hintergrund) 2016 von Scharf erworben.
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Willkommen an Bord: Wilhelm Einhaus (von links) freut sich, dass Hans Joachim Theiß und Wolfgang Embert den Sitz der SMT Scharf AG wieder ganz nach Bockum-Hövel verlegt haben. Die Einhaus-Gruppe hatte das Gebäude (im Hintergrund) 2016 von Scharf erworben.

Zurück zu den Wurzeln geht die SMT Scharf AG. Das Bockum-Höveler Bergbauunternehmen hat seinen Standort im Öko-Zentrum aufgegeben und alle Büros wieder an die Römerstraße verlagert.

Bockum-Hövel - An der Römerstraße sitzen die Mitarbeiter der SMT Scharf AG jetzt im Stammgebäude, jedoch in angemieteten Räumen. Denn die SMT Scharf AG hatte den Bürokomplex im Jahr 2016 an die Einhaus Gruppe verkauft. Produktion und Technik waren an der Römerstraße geblieben. Möglich geworden ist die Rückkehr nach Bockum-Hövel durch Corona. Eigentlich wollte Wilhelm Einhaus sein Callcenter erweitern. Doch durch die Pandemie sind viele Mitarbeiter ins Homeoffice gegangen – und dortgeblieben. So benötigte die Einhaus Gruppe große Teile der Bürofläche plötzlich nicht mehr. Und bei Scharf habe man seit Mai die Möglichkeiten erkundet, wieder zurückzuziehen. Denn viel Zeit sei durch die Wege zwischen Bockum-Hövel und Heessen verloren gegangen, berichtet Hans Joachim Theiß, Vorstandsvorsitzender der SMT Scharf AG.

Durch ein eher zufälliges Gespräch mit Einhaus habe er dann von den Leerständen erfahren. Anfangs sei noch nicht klar gewesen, ob der Platz ausreiche. „Aber jetzt sind wir wieder hier, und wir sind sehr froh darüber“, so Theiß.

Wilhelm Einhaus freut sich, dass die Firma Scharf „wieder an Bord ist“. Rund 60 Prozent seines Geschäfts sind Callcenter-Leistungen, die eben nicht an einem bestimmten Arbeitsplatz erbracht werden müssen. Die Qualität der Gespräche aus dem Homeoffice habe sogar zugenommen, so Einhaus. Der Krankenstand sei gesunken.

Und weil er mit Versicherung, Verkauf und Reparatur insbesondere von Handys und Tablets sein Geld verdient, hat Corona seinem Geschäft sogar einen Schub versetzt. In diesen Zeiten sei die digitale Kommunikation noch wichtiger geworden und die Menschen wollten nicht darauf verzichten. „Wir haben den Umsatz des vergangenen Jahres schon jetzt erreicht“, sagt Einhaus.

Wolfgang Embert, Vorstand der SMT Scharf AG, berichtet, dass Scharf drei Etagen für die Rückkehr durchrenoviert habe. Auch auf dem Scharf-Gelände selbst sei einiges „umgestrickt“ worden. „Das haben wir alles mit lokalen Handwerkern gemacht“, so Embert.

20 Millionen Euro weniger Umsatz

Corona hat auch geschäftlich Spuren bei Scharf hinterlassen. Betrug der Umsatz laut Theiß im vergangenen Jahr noch rund 75 Millionen Euro, so rechnet er für dieses Jahr mit etwa 55 Millionen Euro. Scharf werde am Ende voraussichtlich 1,5 Millionen Euro Verlust gegenüber einem Vorjahresgewinn von 6,8 Millionen Euro machen.

Angesichts der Corona-Pandemie habe man auch den Finanzplan für den Fall überarbeitet, dass Kunden verspätet zahlen könnten. Dies hätte man gegebenenfalls über Banken finanzieren müssen. Doch das sei bisher zum Glück nicht eingetreten, so Theiß. Aufgrund des Rückgangs der Auslieferungen habe man nur im Juni 50 Prozent Kurzarbeit machen müssen.

Aber er blickt zuversichtlich in die Zukunft. China, wo Scharf sehr stark engagiert ist, sei aufgrund von Corona als erstes Land vom Markt gegangen und komme jetzt als erstes wieder zurück. Parallel zu Corona seien die Bücher mit Aufträgen aus China voller geworden. Das liege an den Abgasbestimmungen für die Maschinen, die gerade geändert worden seien. Auftragsrückgänge habe es wegen der Corona-bedingten Schließung von Bergwerken weiterhin in Russland gegeben. Doch auch dort ziehe das Geschäft wieder an.

Firma Scharf in Hamm Bockum-Hövel

Firma Scharf in Hamm Bockum-Hövel
Firma Scharf in Hamm Bockum-Hövel
Firma Scharf in Hamm Bockum-Hövel
Firma Scharf in Hamm Bockum-Hövel
Firma Scharf in Hamm Bockum-Hövel

Die Kohle, so schätzt Theiß, werde noch bis in die 2040er Jahre weltweit wie heute einen wesentlichen Anteil am Energiemix haben. Schon seit mehr als zehn Jahren gebe es ein Mengenwachstum von rund 1,5 Prozent jährlich. Das werde aus heutiger Sicht noch fünf bis zehn Jahre anhalten. Ab 2030 rechnet er mit einem stabilen Produktionsniveau. Aktuell würden in China noch sehr viele Kohlekraftwerke gebaut. Daher werde Scharf mit dem Stammproduktsortiment auch in Zukunft noch Geld verdienen. Und für die neuen Energien würden ebenso Maschinen aus dem Bergbau gebraucht.

Ein Beispiel dafür nannte Embert. So stelle Scharf Sesselliftsysteme zur Beförderung von Bergleuten her. In den Gold- und Platinminen Südafrikas laufen 180 dieser Systeme. Sie beförderten eine große Zahl von Bergleuten über weite Strecken und starke Steigungen. Embert ist überzeugt, dass Scharf sich aufgrund der hohen Qualität am Markt behaupten werde. „Unsere Maschinen sind ein Traum für gute Schlosser und ein Albtraum für schlechte Schlosser“, sagt er.

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