Überraschung am Stadtrand

Viele Gäste, aber nicht nur nette: Aus für das „Sleeperoo“ in Hamm

Der Schlafwürfel wird abgebaut: Thorsten Sonntag möchte diese Art der Beherbergung nicht mehr anbieten.
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Der Schlafwürfel „Sleeperoo“ wird abgebaut: Thorsten Sonntag möchte diese Art der Beherbergung nicht mehr anbieten.

Überraschend gut war die Resonanz auf das „Sleeperoo“ am Stadtrand von Hamm. 72 Übernachtungen zählten Hofbetreiber Diana und Thorsten Sonntag. Und doch sind die Tage für das ungewöhnliche Angebot gezählt.

Hamm – Das „Sleeperoo“ hatte den Besuchern der Nutztier-Arche in Uentrop-Schmehausen eine ungewöhnliche Schlafmöglichkeit inmitten einer Streuobstwiese geboten - umgeben von den Eseln Joshi und Paul. „Wir haben uns dazu entschlossen, dass wir das Sleeperoo nächstes Jahr nicht mehr anbieten“, erklärt Thorsten Sonntag. Dabei gibt es nicht den einen Grund, vielmehr sind es mehrere Aspekte, die zum Aus führten.

StadtHamm
StadtteilUentrop
Eingemeindung1. Januar 1975
Einwohner27.242 (Stand: 31. Dezember 2017)

Aus für Sleeperoo: Alternative für Urlaub in Corona-Zeiten zwar sehr beliebt - aber Erwartungshaltung der Touristen manchmal falsch

Erst Ende Mai hatte die Firma Sleeperoo den zeltartigen Würfel für bis zu vier Personen auf dem landwirtschaftlichen Hof der Nutztier-Arche-Sonntag aufgebaut. Angelockt hatte das Konzept mit dem Sleeperoo auf der Streuobstwiese im Juni auch Corona-bedingt allerdings nur wenige Personen. Mit etwas mehr Lockerheit in der Coronavirus-Pandemie und der Reisezeit änderte sich das aber schnell: So kamen im Juli und August jeweils 30 Übernachtungen zusammen.

„Wir hatten gedacht, es sind vielleicht vier oder fünf pro Monat“, war Thorsten Sonntag von so viel Zulauf überrascht. Im September gab es dann noch acht Übernachtungen, im Oktober nur noch eine. Die letzte erlebten drei jungen Frauen aus Düsseldorf am 14. Oktober; seit dem 31. Oktober ist Schluss.

Aus fürs „Sleeperoo“ in Hamm: „Richten uns nach den Tieren!“

Das Problem: Der Aufwand mit der täglichen Reinigung des Sleeperoos, der Müllentsorgung und vor allem der Gästebetreuung stand für Diana und Thorsten Sonntag nicht mehr im Verhältnis. „Wir richten uns nach den Tieren und nicht nach den Gästen“, sagt Thorsten Sonntag ganz deutlich. Denn für ihn und seine Frau stehe schließlich der landwirtschaftliche Betrieb mit Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind, im Vordergrund. Viele Gäste seien aber mit einer anderen Erwartungshaltung nach Uentrop-Schmehausen gekommen.

Aus für das "Sleeperoo" in Hamm Uentrop

Aus für das "Sleeperoo" in Hamm Uentrop

„Die Hälfte der Gäste konnte sich mit unserem Konzept des Hofes identifizieren, die andere nicht“, so Sonntag. Immer wieder sei erwartet worden, dass die Hofbetreiber eine Art „Animateur“ für die Sleeperoo-Gäste spielen sollten. Für die steht das Tierwohl und die Arbeit auf dem Hof aber an erster Stelle. Dass das Sleeperoo „nur“ die Übernachtung selbst und zwar inmitten einer Streuobstwiese und umgeben von zwei zutraulichen Eseln enthält, hatte manch Gast offenbar unterschätzt und deshalb mehr eingefordert – angefangen vom Grillen bis hin zur Hofführung.

Woran die falsche Erwartungshaltung lag? „Oft sind es Ausweichler“, sagt Thorsten Sonntag. Heißt: Die, die normalerweise einen Pauschalurlaub mitsamt Bespaßungsprogramm buchen, weichen nun auf Alternativen aus – so wie Bauernhöfe. Das scheint aber nicht jedermanns Sache zu sein, wie die Sonntags in den vergangenen Monaten spüren mussten. Auch deshalb haben sie sich dazu entschlossen, das Sleeperoo nächste Saison nicht mehr anzubieten.

Aus fürs „Sleeperoo“ in Hamm: Auch „Landvergnügen“ auf der Kippe

Ähnliche Erfahrungen haben die beiden Betreiber der Nutztier-Arche, die im Rahmen der RTL-Sendung „Das Jenke-Experiment“ deutschlandweit bekannt wurde, auch bei einer anderen Übernachtungsform gemacht. Denn neben dem Sleeperoo bietet der Hof Sonntag schon seit 2017 auch die Teilnahme am „Landvergnügen“ an. Damit ist er einer von rund 800 Höfen in Deutschland, die für 24 Stunden einen kostenlosen Stellplatz für Wohnwagen zur Verfügung stellen. Auch hier seien die Erfahrungen mit Gästen zuletzt nicht immer nur schön gewesen. „Deshalb überlegen wir, 2021 mit dem Landvergnügen auszusetzen“, so Thorsten Sonntag.

Neben Gästen, die wohl lieber am Strand von „Malle“ liegen würden, als auf einem Bauernhof zu übernachten, hatten die Sonntags in den vergangenen Monaten aber auch viele schöne Erlebnisse mit Gästen. „Einmal waren Gäste hier, die Angst vor Eseln hatten“, erzählt Thorsten Sonntag – obwohl die Esel eigentlich zum Konzept dazugehören. „Wir mussten sie dann im Stall unterbringen“, sagt Sonntag. Auch Geburtstage mit 18-Jährigen seien im Sleeperoo gefeiert worden, genauso wie eine vierköpfige Familie darin übernachtete, oder auch die Großeltern mit einem Enkel. Das Fazit: „Es war eine coole Geschichte, und wir haben auch nette Leute kennengelernt.“

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