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Skurrile Funde im Kanal: Tote Schlangen und Echsen in Paketen

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Von: Frank Lahme

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[Foto: Polizei Hamm] Hamm.  Schlangenkadaver
In dieser Plastikbox befand sich eine der toten Echsen, die Sonntag gefunden wurden. © Polizei

Hamm - Zunächst war es nur ein Mysterium, mittlerweile ist ein kleiner Kriminalfall daraus geworden: Schlangen und Echsen im Wert von mehreren 10.000 Euro schwammen am Samstag und Sonntag den Kanal herunter. Fachgerecht verpackt in zwei Luftfrachtkartons – und allesamt mausetot.

Wer der exotischen Tierchen überdrüssig geworden war, ist bislang unklar. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, ob nicht noch weiteres Treibgut in Richtung Uentrop unterwegs ist. Nur so viel steht fest: Am Samstag war wieder einmal Terraristika an den Zentralhallen... 

Rund 5000 Besucher hatten sich auf den Weg in den Hammer Süden zur nächsten Auflage der weltgrößten Reptilienbörse gemacht. Die meisten kamen aus einem Umkreis von 1500 Kilometern, aber auch von Menschen aus ganz fernen Ländern wurden an diesem Wochenende Lippe und Kanal angesteuert. Nur 15 Kilometer weit wäre der Weg bis zu den Zentralhallen für einen 67-jährigen Uentroper gewesen. Doch der Rentner drehte am Samstag lieber seine Gassirunden mit seinem Labrador entlang des Kanals. 

Vormittags entdeckte er bereits den ersten Karton am Ufer in Höhe der Ostwennemarstraße und ließ ihn da noch links liegen. Weil das Paket gegen 17

[Foto: Reiner Mroß] HammTerraristika an den Zentralhallen Menschenschlangen vor der Halle
Gewohntes Bild bei der Terraristika: Menschenschlangen bildeten sich am Samstag vor dem Eingang der Zentralhallen. © Mroß

Uhr, bei der nächsten Hunderunde, aber noch immer dort lag und sein Vierbeiner darauf reagierte, schaute sich der Mann das weit gereiste Paket dann doch genauer an. Im Innern befanden sich mehre Plastiktöpfchen mit stinkendem Inhalt – 48 tote Königspythons-Junge, 20 davon hochwertige Farbmutationen mit einem Wert von mehr als 1000 Euro, wie sich später herausstellen sollte.

Der Finder des exotischen Schatzes verständigte die Polizei, die wiederum die Feuerwehr informierte. Die Brandschützer schaltete schließlich den Reptiliennotdienst NRW ein. Der „Fall“ war damit zunächst erledigt. 

Am Sonntagmittag folgte dann die Fortsetzung der unheimliche Begegnungen am Kanal. Wieder war es der 67-jährige Rentner aus Uentrop, der dieses Mal mit seinem Hund in Höhe Haaren unterwegs war. Auch dort schwamm eine Kiste im Wasser... 

Das Prozedere vom Vortag wiederholte sich ein weiteres Mal – nur dass die Polizei jetzt auch eigene Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen einleitete. Im Innern des etwa 50x50x25 Zentimeter großen Kartons befanden sich zwei junge Echsen, die vermutlich bereits seit mehreren Tagen tot sind und entsprechende Gerüche verströmten und auch von Experten auf Anhieb nicht näher bestimmbar waren. Weitere Kästchen mit exotischen Artgenossen sind vermutlich in dem Gewässer versunken. 

Frank Izaber, Ausrichter der Terraristika, wurde vom WA über die skurrilen Funde in Kenntnis gesetzt und setzte sich sogleich mit dem Reptiliennotdienst in Verbindung. Auf den Kartons befänden sich zwar keine Hinweise auf Absender oder Empfänger der, es handele sich aber eindeutig um Luftfrachtkisten, teilte er anschließend unserer Zeitung mit. Die Tiere seien artgerecht verpackt gewesen. Styropor-Böden und Wärmekissen (Heatpacks) ließen vermuten, dass der Absender solch eine Fracht nicht zum ersten Mal versendet habe. 

Wegen der nach den Terroranschlägen von Paris drastisch erhöhten Sicherheitskontrollen sei es bei vielen Terraristika-Händlern zu Problemen bei der Einfuhr ihre Tiere gekommen. Izaber vermutete gestern, dass die im Kanal gefunden Tiere zu lange an einem Flughafen in der Abfertigung herumgestanden hätten und dort verendet seien. Der vermutlich von weither angereiste Eigentümer habe dies bei seiner Ankunft in Hamm – möglicherweise in einem Hotel – entdeckt und die Tiere anschließend – vielleicht aus Unwissenheit – illegal im Kanal entsorgt.

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