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"Peinlich": Darum fiel der Sonderzug zum BVB-Spiel aus

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Von: Markus Hanneken

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Durch die Bahnpleite ließen sich die BVB-Fans den Abend nicht verderben.
Durch die Bahnpleite ließen sich die BVB-Fans den Abend nicht verderben. © picture alliance / Paul Zinken/dpa (Symbolbild)

Mit einem Sonderzug wollte der private Anbieter TRI Fußballfans zum Spiel des BVB gegen Köln direkt und exklusiv zum Stadion bringen. Das wurde unter anderem von WA.de groß verkündet. Doch der Zug kam nicht. Und auch die Rückfahrt lief nicht wie sollte. Jetzt ist klar warum.

Hamm/Dortmund/Bönen - Für den privaten Bahnanbieter aus Köln wurde die "Jungfernfahrt" in einem neuen Vertrag zur peinlichen Pleite. Verkündet war die Abfahrt am vergangenen Freitag für 18.06 Uhr ab Hamm/Hauptbahnhof mit weiteren Haltepunkten in Bönen und Unna; die Rückfahrt sollte am Signal-Iduna-Park um 22.45 Uhr beginnen. Doch ein Lok-Schaden ließ die Planung platzen und viele Fußballfans ratlos und genervt am Bahnsteig warten. Als Tobias Richter, Geschäftsführer von Train Rental International (TRI), davon hörte, wollte er "im Boden versinken". Immerhin wolle man den Fahrgästen doch die "gute Bahn" vorleben. "Das ist uns furchtbar peinlich."

Die Lok des geplanten Sonderzuges sei mit einem Schaden in der Einfahrt des Dortmunder Hauptbahnhofs liegengeblieben, erklärt Richter das Dilemma. Die E-Lok der Baureihe E10 gelte als außerordentlich zuverlässig und "hat uns bisher noch nie im Stich gelassen". Sie werde von DB Regio in Dortmund gewartet. Richter verweist darauf, dass von den vielen Fußballsonderzügen, die TRI seit Betriebsstart in NRW im Dezember 2018 gefahren habe, bisher kein einziger ausgefallen sei.

Auch Rückfahrt mit Nöten

Den Frust konnte man den Fans am Bahnhof natürlich nicht nehmen; sie mussten sich spontan Alternativen einfallen lassen. Beim Anbieter selbst sah das Notfallmanagement dann so aus: "Unsere Jungs sind sofort los und haben eine Ersatz-Lok aus Köln geholt, um wenigstens die Rückfahrt Dortmund-Hamm zu retten", erklärt Richter. Das sei auch gelungen, und diese Lok sei pünktlich zur Bereitstellungszeit in der Dortmunder Abstellgruppe gewesen. Doch "leider ließ die DB Netz uns dort ohne Begründung warten, so dass wir eine Viertelstunde zu spät den Iduna-Park erreichten".

Dort war der Bahnsteig inzwischen (gelb-) schwarz von heimreisenden Fans. Die meisten von ihnen - laut Richter rund 1000 - habe der TRI-Zug dann sicher in Richtung Hamm nach Hause bringen können. Allerdings hätten die Kilometer bis zum ersten Aussteigehalt der Fahrt in einer "Sardinenbüchse" geglichen. Für manche Fans zuviel des Schlechten - sie stiegen auf den nächsten Zug um, der kurz darauf kam.

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Vor allem mit Blick auf unschöne Szenen westlich von Dortmund zeigt sich der TRI-Chef trotz der Enttäuschung erfreut über das gute Benehmen der heimischen BVB-Fans, die auf die Situation und andere Mitreisende Rücksicht genommen hätten. Eben das könne man von den Kölner Fans nicht behaupten.

TRI habe auch diese am Freitag nach Dortmund gefahren. Der Zug war mit rund 1100 Fans übervoll, und einige Hooligans hätten zahlreiche Beschädigungen in den Wagen verursacht. Für die Rückfahrt habe man diese Wagen sperren müssen, was die Sitzplatzkapazität auf rund 400 reduzierte - "sehr zum Leidwesen der vielen friedlichen Fans".

Die Bundespolizei leitete Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung ein.

TRI und die Fußballzüge:

Bis Ende 2018 fuhren bei BVB-Heimspielen regelmäßig jeweils zwei Sonderzüge der Deutschen Bahn (DB) zum Dortmunder Stadion. Weil Personal und Wagen knapp wurden, schränkte die DB damals ihren Service ein; teilweise fuhr ein Sonderzug zum Dortmunder Stadion, zuletzt gar keiner mehr.

Mit TRI gab es nun eine Vereinbarung für den vergangenen Freitag. Wie es weitergeht, soll nach Angaben des zuständigen Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) von Spieltag zu Spieltag entschieden werden.

Die TRI (Train Rental International) ist ein privates mittelständisches Eisenbahnunternehmen, das sich auf Not-, Ersatz- und Sonderverkehre spezialisiert hat. Die Flotte wurde schrittweise von der Deutschen Bahn erworben und vollständig aufgearbeitet. Die gesamte Instandhaltung der TRI-Lokomotiven und -Wagen in NRW findet weiterhin durch die Deutsche Bahn (DB) nach ihren Vorschriften statt.

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