Neue Beschlüsse

Shopping mit Termin: So bereiten sich Hammer Händler vor

Schon der Sommer war problematisch: Andreas Dellwig sitzt auf Koffern, die in Zeiten der Urlaubsabsagen keiner kauft.
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Schon der Sommer war problematisch: Andreas Dellwig sitzt auf Koffern, die in Zeiten der Urlaubsabsagen keiner kauft.

Endlich wieder shoppen gehen – darauf freuen sich viele. Am kommenden Montag sollen die Geschäfte wieder öffnen, wenn auch unter strengen Auflagen.

Hamm – Wer in den Laden will, muss vorher einen Termin ausmachen. Die Hammer Einzelhändler kennen die Bedingungen noch nicht so ganz genau, bereiten sich aber schon auf die ersten Kunden nach dreimonatiger Unterbrechung vor. Die ersten Kunden haben sich schon gemeldet.

Der Modehändler

Am Donnerstagmorgen hat bei Mode Grabitz bereits das Telefon geklingelt, es sei nach Terminen gefragt worden, sagt Eigentümer Matthias Grabitz. Dabei wisse er noch gar nicht, ob er am Montag überhaupt öffnen dürfe. Er kenne die genauen Vorgaben des Landes noch nicht, und ob der Inzidenzwert unter 100 bleibe, wisse man ja auch noch nicht. Trotzdem, die Vorbereitungen für eine Öffnung laufen auch bei Grabitz, wenn es losgehen sollte, will man gewappnet sein.

„Click and Meet“ heißt das neue Prinzip, man meldet sich an und kann im Laden auswählen. Etwas mehr als das bisher praktizierte „Click and Collect“ ist das, anmelden und abholen. Für die Modebranche sei das schon ein Fortschritt, meint Grabitz: Zuletzt hätten Kunden die Kleider ja nur abholen und zuhause anprobieren können. Von einen Shopping-Erlebnis möchte er aber lieber nicht sprechen.

Die Lederhändlerin

„Wir leben hauptsächlich von der Laufkundschaft hier in der Innenstadt“, sagt Michaela Dellwig, Geschäftsführerin von Lederwaren Dellwig. Die „Click-and-Meet“-Variante bringe ihrer Meinung nach deshalb nichts. Zudem wisse sie sowieso noch nicht, ob ihr Geschäft wirklich bald öffnen könne, des stabilen Inzidenzwerts wegen. „Die Geschäfte müssen komplett geöffnet werden. Dass nur einzelne Läden öffnen dürfen, ist eine Vollkatastrophe“, sagt sie. „Ein Vollversagen der Regierung.“

Die Buchhändlerin

Für Margret Holota von der gleichnamigen Buchhandlung ist es zumindest relativ sicher, dass sie am Montag wieder öffnen darf. Sie sei froh, dass sie dann hoffentlich überhaupt wieder Kunden in den Laden lassen könne. „Wir brauchen nur noch die Türen öffnen, dann kann es endlich losgehen“, sagt Holota. Denn die benötigten Sicherheitsvorkehrungen wurden hier schon seit Monaten umgesetzt.

Um während der Schließung über die Runden zu kommen, wurde die Ware nach dem „Click-and-Collect“-Prinzip von Kunden bestellt und am Laden abgeholt. Bis zu 50 Kunden am Tag habe sie so bedient, so Holota. Dass die Öffnung mit möglichen Terminvereinbarungen geknüpft sein könnte, stört Holota nicht: „Viele würden sich ein Bein ausreißen, wenn dann endlich wieder Kunden ins Geschäft kommen können.“

Magret Holota in ihrem Laden an der Weststraße: Buchhandlungen dürfen ab dem 8. März wieder öffnen. Bei Holota müssen quasi nur noch die Türen aufgeschlossen werden.

Der Elektrohändler

Eigentlich lief es für Torsten Raschka mit „Click and Collect“ gar nicht so schlecht. Und mit „Click and Meet“ könnte es noch besser werden. Bis zu vier Kunden könnten nach den bisher bekannten Vorgaben in den Laden an der Oststraße kommen, hat der Elektrohändler ausgerechnet, und dort Fernseher, Stereoanlagen und Kühlschränke in Augenschein nehmen. Auf Kundenwunsch hat er bestimmte Geräte immer wieder ins Schaufenster stellen lassen, doch die Waren wirklich anfassen zu können, sei noch ein ganz anderes Erlebnis. Vieles erschließe sich durch die Haptik, sagte Raschka. Und es mache eben einen Unterschied, ob ein Griff aus Metall oder aus Kunststoff sei.

Die Center-Managerin

Auch im Allee-Center laufen die Vorbereitungen für den kommenden Montag. Sie sei froh, dass es jetzt eine Perspektive für den Handel gebe, sagte Center-Managerin Cornelia Ludlei, und freue sich besonders über die Öffnung von Buch- und Blumenläden. Aber: „Wir hätten uns weitreichendere Lockerungen gewünscht, die es allen Händlern möglich machen, schneller und gemeinsam wiederzueröffnen und das geringe Infektionsrisiko im Handel noch stärker berücksichtigen.“

Auch Ludlei will nun erstmal die Verordnungen des Landes und der Stadt abwarten und dann mit den Händlern im Center beraten, wie sie umgesetzt werden könnten. Entscheidend sei eine pragmatische Umsetzung der Regierungsbeschlüsse, um keine unnötigen zusätzlichen Kontakte in den Läden zu erzwingen und weil gerade viele kleinere Geschäfte technisch nicht auf „Click and Meet“ vorbereitet sind. Es wäre daher zum Beispiel hilfreich, wenn die Kontakterfassung sowohl schriftlich als auch digital erfolgen dürfte.

Der Fahrschullehrer

Sollten die Regierungsbeschlüsse so umgesetzt werden, dürfen auch Fahrschulen wieder ihren regulären Betrieb aufnehmen. Bei Fahrschullehrer Jürgen Hoffmann, der mehrere Fahrschulen über die Stadt verteilt besitzt, stand am Donnerstag das Telefon kaum noch still: „Alle wollen Termine für Fahrstunden haben.“ So gehe es auch vielen anderen Kollegen, schildert der Unterbezirksvorsitzende des Fahrlehrerverbandes.

Insgesamt werde es jedoch einen großen Rückstau geben, da viele Fahrschüler auf den Re-Start des praktischen Unterrichts gewartet haben. Ob und in wie weit der Theorieunterricht dann auch wieder in den Fahrschulräumen starten kann, da ist sich Hoffmann noch nicht ganz sicher. „Wir unterrichten die Fahrschüler in der Theorie bereits seit November. Auf ein paar Tage mehr kommt es dann auch nicht mehr an“, so Hoffmann. Wichtiger sei es, dass überhaupt Bewegung in das Ganze komme.

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