Der Lauf der Zeit

Seltene Drillings-Kälbchen vom Daberg schon früh getrennt

Dirk und Lorena Hacheneier mit ihren Drillings-Kälbchen.
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Noch vereint: Die Drillings-Kälbchen der Familie Hacheneier leben mittlerweile auf zwei getrennten Höfen in Lerche und auf dem Daberg.

Auf dem Hof von Landwirt Dirk Hacheneier und seiner Frau Anja wohnen derzeit gut 260 Rinder: darunter Milchkühe, drei tonnenschwere Zuchtbullen und zahlreiche Kälber. Eine von diesen „Halbstarken“ ist die sieben Monate alte Christiane – ein Wunderkind, wenn man so will. Denn Christiane ist das quicklebendige, vielleicht etwas pummelige Resultat einer seltenen Drillingsgeburt.

Pelkum - „Ich kann mich immer noch genau an diesen einen Tag erinnern. Wie unsere Lene auf der Weide ganz alleine zwei Kälbchen zur Welt bringt, wir sie dann nichts ahnend reinbringen, und kurze Zeit später liegt da auf einmal ein drittes Kalb im Stroh“, sagt Dirk Hacheneier.

Das erzählt er kopfschüttelnd. Zwillinge kommen dem Milchbauern bei 120 Geburten im Jahr häufiger unter, aber Drillinge waren und bleiben für ihn bis heute eine Ausnahmeerscheinung. Berechnungen der Bayerischen Anstalt für Landwirtschaft zufolge wird das wohl auch so bleiben: Die Wahrscheinlichkeit für Kuh-Drillinge liegt nämlich nur bei etwa 0,007 Prozent.

Warum Christiane, Joshua und Fitti (so heißen ihre beiden Brüder) alle unterschiedliche Farben haben, kann sich Hacheneier nach wie vor nicht erklären. „War wohl eine Laune der Natur“, sagt er schulterzuckend. Eigene Kälbchen zeugen (sprich Milch geben) kann Christiane aber leider nicht. „Das ist bei Mehrlingsgeburten so üblich“, erklärt der Landwirt. Deswegen müsse er sich bald wohl oder übel von ihr trennen. „Im Sommer kommt Christiane erst einmal mit auf die Wiese, danach wird sie dann verkauft und geschlachtet.“

„So ist der Lauf der Dinge“

Für Außenstehende mag das hart klingen, es ist aber nicht nur normal, sondern unvermeidbar. Hacheneier: „Meine Familie lebt von dem, was wir hier tun. Eine Kuh, die nicht kalbt, können wir uns nicht leisten.“ Christianes Zwillingsbrüder lebten bereits seit ein paar Monaten auf einem Mastbetrieb in Lerche.

„So ist der Lauf der Dinge“, sagt auch Hacheneiers Tochter Lorena. Die 20-Jährige studiert momentan Agrarwissenschaften in Soest und packt schon jetzt täglich auf dem heimischen Hof mit an. Neben ihren Online-Vorlesungen sei dafür „genug Zeit“, erklärt sie. Und dieser Einsatz lohnt sich: Die Kühe vertrauen der jungen Frau, das ist nicht zu übersehen.

Während des Gesprächs krault sie Christianes Stallkollegin „Bailey“ liebevoll den Kopf, lässt sich von ihr die Hand lecken. „Jeder Kuh, die bei uns wohnt, soll es gut gehen“, betont die 20-Jährige. Dafür steht sie jeden Tag früh auf – auch am Wochenende – bringt den Tieren ihr Futter, streut die sogenannten „Iglus“ der frisch geborenen Kälbchen mit Stroh aus und sieht nach dem Rechten. „Hier ist jeder Tag spannend.“ Und manchmal sogar dreifach.

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