Selbstversuch

Ploggen fürs Klima: Klappt der Sport-Trend aus Schweden auch in Hamm?

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Laufen, bücken, sammeln, aufstehen, weiterlaufen: Ploggen ist fast wie Intervalltraining.

Hamm – Was hilft gegen Müll in der Natur? Joggen – zumindest, wenn man nach dem „Plogging“-Konzept läuft. Der Trend ist schnell erklärt: Jogger sammeln während ihres Laufs Müll und tun damit der Umwelt etwas Gutes. WA-Mitarbeiterin Alena Großkopff hat den Trend aus Schweden getestet.

In Sportklamotten, bewaffnet mit einem Müllsack und Latexhandschuhen mache ich mich auf den Weg zum Kanal. Ich habe mir diese Strecke ausgesucht, weil am Kanal oft Müll herumliegt.

Meine Route soll an der Kanalbrücke an der Münsterstraße beginnen. Schon auf dem Weg vom Allee-Center aus ist links und rechts auf dem Grünstreifen jede Menge Plastikabfall zu sehen. Ich schaue auf meinen großen gelben Müllsack und frage mich, ob er wohl reichen wird.

Schon nach wenigen Metern meiner Laufstrecke wird mir das Ausmaß der Naturverschmutzung bewusst. Wo ich auch hinsehe, überall liegt etwas herum. Chipstüten, Zigarettenschachteln, Alufolie, leere Kaffeebecher ... ich könnte noch lange weitererzählen. Sogar direkt neben den Mülleimern liegt Unrat. Als einzelne Ploggerin kann ich gar nicht alles einsammeln. Vor allem die vielen Zigarettenkippen fallen mir auf.

Nach 20 Minuten ist der Müllsack voll: Beim Plogging joggt man und sammelt dabei Unrat ein. WA-Mitarbeiterin Alena Großkopff musste ziemlich oft anhalten, weil am Kanal so viel Müll zu finden war.

Die Kippen sind ein Problem: Genau wie Plastikmüll werden sie kaum abgebaut. Ihre giftigen Bestandteile verschwinden nicht, bleiben in der Natur liegen. Wieder und wieder bücke ich mich. Nach 20 Minuten ist mein Müllsack schwer – und voll. Weil das Wetter nicht wirklich zum Joggen einlädt, bin ich so ziemlich die Einzige auf der Strecke. Gerne hätte ich Passanten gefragt, was sie von der Aktion halten.

Ich sammle noch etwas weiter, bin bald an meinem Ziel angekommen. Etwas erschöpft ziehe ich mein Fazit. Beim Plogging sollte man unbedingt immer Handschuhe tragen, da man den Müll anderer Leute wegräumt. Das kann ziemlich ekelig sein. Das permanente Stoppen, Bücken, Aufrichten und Weiterlaufen hielt mich ganz schön auf Trab. So wird Plogging quasi zum Intervalltraining.

Merkwürdig: Besonders in der Nähe von Mülleimern liegt viel Unrat herum.

Das wiederum kurbelt das Herz-Kreislauf-System an und trainiert Muskelgruppen, die beim normalen Joggen nicht beansprucht werden. Hinzu kommt das Armtraining durch die zunehmend schwerer werdende Tüte. Rein sportlich gesehen ist das also durchaus zu empfehlen. Außerdem freut es mich, dass ich den Sport mit Engagement verbinden kann. Vielleicht schließt sich ja jemand an?

Am meisten Sinn macht Plogging wahrscheinlich in der Natur, da die Innenstadt sowieso regelmäßig von der Stadtreinigung gesäubert wird. Alleine macht das Ploggen allerdings wenig Spaß. Hier würde ich empfehlen, zu zweit oder in einer Gruppe zu ploggen. Mitstreiter findet man möglicherweise im Internet. In größeren Städten gibt es bereits Plogging-Treffs, die Anzahl der Gruppen steigt. In Hamm konnte ich bei meinen Recherchen bisher keine Plogging-Gruppe finden. Aber vielleicht ändert sich das ja bald.

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