„Es wird Blut fließen, aber nicht meins“

SEK-Einsatz im Hammer Westen: Schüsse nur aus Notwehr?

SEK-Einsatz: Beamte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei
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In voller Montur waren SEK-Beamte im Sommer 2020 im Hammer Westen im Einsatz. (Symbolbild)

Im Prozess um einen gefährlichen Schusswechsel bei einem SEK-Einsatz in Hamm hat sich der Beschuldigte erstmals zu dem Vorfall geäußert. Den Vorwurf, absichtlich auf Polizeibeamte geschossen zu haben, wies der 43-Jährige dabei zurück.

Dortmund/ Hamm – Bei der Erstürmung der Wohnung des Mannes in der Viktoriastraße am frühen Morgen des 24. Juni waren mehrere Schüsse gefallen. Der Beschuldigte feuerte aus einer zur scharfen Waffe umgebauten Schreckschusspistole, die Polizisten des Spezial-Einsatzkommandos erwiderten die Schüsse aus ihren Dienstwaffen. (Der Prozess in Dortmund startete im Dezember.)

„Ich kann ihnen versichern, dass es nicht meine Absicht war, auf Polizisten zu schießen“, sagte der 43-Jährige den Richtern am Dortmunder Schwurgericht. „Ich bin aus dem Tiefschlaf hochgeschreckt, als von außen alle Glasscheiben zerbrochen wurden. Ich habe gedacht, ich werde angegriffen.“

Auf einem Video, das während des Einsatzes gedreht wurde, ist zu sehen, dass der Beschuldigte mindestens einen Schuss in Richtung der Fenster abgibt. Dabei soll es sich nach seinen Angaben jedoch um einen Warnschuss gehandelt haben. Das Video belegt außerdem, dass sich die SEK-Beamten erst nach diesem Schuss deutlich hörbar als Polizisten ausgaben. Möglicherweise wähnte sich der 43-Jährige also tatsächlich in einer erlaubten Notwehrsituation.

Beschuldigte erleidet Durchschüsse

Bei dem nur wenige Sekunden dauernden Schusswechsel wurde kein Polizist getroffen. Der Beschuldigte erlitt dagegen Durchschüsse am Oberschenkel und am Sprunggelenk. Bis heute kann er nicht wieder schmerzfrei laufen.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Mann zur Tatzeit an einer so schweren psychischen Erkrankung litt, dass er auf jeden Fall nur vermindert schuldfähig war. Im Prozess geht es daher nicht um die Frage einer Bestrafung, sondern um die unbefristete Unterbringung des Mannes in der geschlossenen Psychiatrie.

„Es wird Blut fließen, aber nicht meins“

Die Polizei hatte sich zu dem SEK-Einsatz entschlossen, nachdem sich ein Bekannter des 43-Jährigen gemeldet und dabei Hinweise auf verdächtige Facebook-Videos gegeben hatte. In diesen Beiträgen schwadronierte der Waffennarr von einer vermeintlichen Bedrohung durch die türkische Regierung sowie Rocker der Hells Angels und kündigte an: „Es wird Blut fließen, aber nicht meins.“

Als der Zeuge dann auch noch berichtete, dass der Beschuldigte mindestens eine scharfe Waffe besitze, entschied die Einsatzleitung, die Wohnung durch Spezialisten stürmen zu lassen. Später fanden sich neben der scharfen Waffe auch eine Machete und Pfefferspray bei dem Beschuldigten.

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