Corona-Pandemie

Schon seit elf Monaten Stille in Kultkneipe „Alt Hamm“

Wirt Jochem Huth in seiner Gaststätte Alt Hamm
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Wo führt der Weg hin? Jochem Huth von „Alt Hamm“ hofft auf eine Entspannung der Lage im April oder Mai.

Hamm – Eigentlich hätte 2020 ein Superjahr für das „Alt Hamm“ werden können. In der Kultgaststätte an der Nordstraße treffen sich nicht nur Stammtische, Knobel- und Skatrunden sowie normale Gäste für ein paar leckere Pilsken und etwas Deftiges auf die Gabel, das „Alt Hamm“ hat sich auch einen Namen als Musikkneipe gemacht.

Dreimal im Monat gibt es feste Termine für gut besuchte Musikreihen: Immer am zweiten Freitag im Monat laden Arndt Worbis und Wolfgang „Hilly“ Hillmann mit ihrer Band und Gastmusikern zur Blues-Session, am dritten Samstag im Monat treten mutige Sänger beim Karaoke-Abend vors Mikro und an jedem vierten Samstag im Monat gibt’s Livemusik mit wechselnden Bands.

„Für 2020 hatten wir schon sämtliche Termine für die Livemusik-Abende an Bands vergeben“, sagt Jochem Huth, Besitzer des „Alt Hamm“. Doch dann kam Corona. Mehr als sechs Monate ist die Gaststätte mittlerweile geschlossen – von März bis Mai in der ersten Welle und jetzt wieder seit November.

Letztes Konzert zur „Radio City Night“

„Das letzte Konzert bei uns fand am 7. März 2020 statt“; erinnert sich Huth noch gut. Die Roots aus Hamm spielten an dem Abend im Rahmen der „Radio City Night“. Seitdem sind die Verstärker im „Alt Hamm“ verstummt. Im Herbst gab es noch zwei Karaoke-Abende im Biergarten – das war’s.

„Jede Woche bekomme ich fünf, sechs Mails von Musikern und Fans, die wissen wollen, wann es endlich wieder losgeht“, berichtet Huth. Doch der Kneipier weiß es auch nicht. „Anfangs habe ich den Musikern versprochen: Alle Bands, deren Gigs im letzten Jahr bei uns ausgefallen sind, kriegen neue Termine im Jahr 2021.“ Doch jetzt ist der zweite Monat schon bald rum, und ein Ende der Corona-Beschränkungen (mit Ausnahme der Schulen und Friseure) ist nicht in Sicht. Huth ist realistisch: „Ich glaube, vor Mitte des Sommers wird das nichts.“ Vielleicht, so seine wage Hoffnung, könne er zumindest den Biergarten ab April/Mai öffnen und dort vielleicht sogar Karaoke-Abende anbieten. Aber Konzerte drinnen in der Gaststätte?

„Livemusik lebt von der Nähe zwischen Musikern und Zuhörern“

Die Livemusik im „Alt Hamm“ lebe doch von der Nähe zwischen den Musikern und den Zuhörern. „Da stehen die Musiker und Zuhörer ganz dicht zusammen, diese besondere Atmosphäre macht die Konzerte aus“, weiß Huth aus sieben Jahren Livemusik im „Alt Hamm“. Wenn die Abrocats aus Hamm hier auftreten, drängen sich schon mal sieben Musiker auf der Bühne, und die Zuschauer stehen auf Tuchfühlung und singen natürlich mit. Jetzt in Corona-Zeiten ist daran nicht zu denken. Und selbst wenn vielleicht irgendwann wieder 20 Zuschauer erlaubt sind, komme keine Stimmung auf und es lohne sich auch finanziell kaum für den Wirt und die Musiker.

Klagen will Huth aber nicht. Er habe Hilfen beantragt und schnell bekommen. Die zwangläufige Schließung im ersten Lockdown hat er genutzt, um im „Alt Hamm“ ein wenig zu renovieren – mit Betonung auf wenig. „Wir haben gestrichen, einiges umgestellt und umgebaut, mehr nicht“, sagt Huth. Den Charakter der Gaststätte habe er ganz bewusst erhalten. „Aus dem ,Alt Hamm‘ kannst und darfst du kein modernes Bistro machen!“ Schließlich habe die „westfälische Wand“ hinter der Bühne längst Kultcharakter bei den Musikern. Die ganze Wand ist gepflastert mit Platten und Plattencovern, im Fenster steckt ein Dudelsack, unter der Decke hängen Gitarren.

Blues Sessions und Livemusik gebe es deutschlandweit in vielen Kneipen, aber solch eine Deko sei zumindest NRW-weit einzigartig, hätten ihm die Musiker bestätigt, erzählt Huth und hofft, dass man bald nicht nur nostalgisch von den Blues Sessions und Auftritten von Bands aus ganz Deutschland im „Alt Hamm“ erzählt, sondern dass hier bald auch wieder Livemusik erklingt.

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