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Scoperty verspricht Hausbewertung: Zweifel bei Fachleuten

Ein Haus im Grünen
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Was ist das Haus des Nachbarn wert? Scoperty verspricht Aufklärung.

Was würde mein Traumhaus kosten? Und wie viel bekomme ich für die eigene Immobilie? Antworten will das Immobilienportal Scoperty geben. Das Münchner Start-Up hat mehr als 30 Millionen Bewertungen für deutsche Wohngebäude ins Internet gestellt. Auch Hamm ist dabei. Wie genau und wie hilfreich die Daten sind, ist allerdings umstritten.

Hamm - Scoperty nimmt für sich in Anspruch, einen undurchsichtigen Markt für jedermann zugänglich zu machen. Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Haus zu kaufen oder zu verkaufen, soll einen ersten Überblick über die örtlichen Preise gewinnen können. Potenzielle Verkäufer werden allerdings aufgefordert, die meist dürftigen Informationen zu ihren Häuser zu vervollständigen. Das Unternehmen bietet Unterstützung an und arbeitet auch mit dem Finanzierungsvermittler Interhyp zusammen.

Praktisch funktioniert Scoperty so: Auf der Homepage kann man sich per Landkarte quer durch die Republik klicken, einzelne Häuser anklicken und den Schätzwert der Immobilie abrufen – alles kostenlos. Die Daten kommen nach Unternehmensangaben aus im Internet frei verfügbaren Quellen wie Immobilienanzeigen, Bodenrichtwerten und Grundstücksmarktberichten. Scoperty greift dafür auf die Dienste von Marktforschern zurück, die wiederum eigens entwickelte Algorithmen einsetzen.

Stadt gibt keine Daten an Scoperty heraus

Was Scoperty über Hamm weiß, kommt nicht zuletzt vom Land. Weitreichende Katasterangaben seien als „open data“ über das Landesportal „Boris NRW“ frei verfügbar, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Daneben könnten auch kostenpflichtige Auszüge aus dem Liegenschaftskataster angefordert werden. Eine konkrete Datenherausgabe seitens der Stadt an Scoperty habe es aber nicht gegeben. Wie genau die Scoperty-Angaben seien, könne die Stadt nicht beurteilen.

Dabei sind die Preise, die auf scoperty.de genannt werden, wohl mehr als grobe Annäherung zu verstehen. Bei einem virtuellen Streifzug durch die Hammer Straßen fallen zuerst die Häuser auf, mit denen Scoperty deutlich daneben liegt: Eine mehr als 100 Jahre alte Jugendstilvilla beispielsweise, die im Portal als Mehrfamilienhaus, Baujahr 1975, erscheint. Eine Schule, Baujahr 1913, die heute für soziale Zwecke genutzt wird, taucht bei Scoperty als 1950 errichtetes Wohngebäude auf. Vollständigkeit der Angaben: sieben Prozent.

Skepsis bei Maklern

An anderer Stelle ist das System dann doch recht genau: Eine Villa mit Sanierunsbedarf im Hammer Osten wird in etwa mit dem Preis belegt, zu dem sie im vergangenen Jahr auf einem Immobilienportal angeboten wurde – mit leichtem Aufschlag, der allgemeinen Preisentwicklung im Stadtteil folgend, wie aus einer Tabelle hervorgeht, die Scoperty der Bewertung angehängt hat.

Auf Skepsis stößt Scoperty vor allem bei Maklern, in deren Geschäftsfeld der Internetanbieter hineindrängt. Martin Wiesendahl (Peko Immobilien) betont denn auch einen eher oberflächlichen Eindruck, den man bei Scoperty von einem Gebäude bekomme. „Man hat das Haus ja nicht von innen gesehen“, sagt er. Auch sein Kollege Guido Voß (Zoeger Immobilien) sieht es auch so: „Der einzige, der den Markt beherrscht, ist der Makler vor Ort“, sagt er. Ohne Kenntnis des Umfeldes zu agieren, sei unseriös; er selbst würde ja beispielsweise auch keine Wohnungen in Berlin anbieten.

Das Ganze, sagt Voß, sei wohl nicht mehr als ein Versuch, an die Adressen von Immobilieneigentümern zu kommen. 800 Objekte habe man in Nordrhein-Westfalen zuletzt neu an den Markt gebracht, teilte Scoperty im April mit. Der Reiz für die meisten Besucher der Homepage dürfe vielleicht gar nicht darin liegen, die eigene Immobilie bewerten zu wollen, sondern nachzusehen, was das Haus der Nachbarn wert sein könnte.

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