Landwirtschaft

Kalt, heiß, nass: Schwieriges Ernte-Jahr in Hamm

Ein Erdbeerfeld unter Wasser
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Land unter auf dem Erdbeerfeld: Hier konnte nicht mehr geerntet werden, die Früchte sind teilweise verfault.

Die Gersten-Ernte ist in vollem Gange, für den Weizen stehen die Landwirte „in den Startlöchern“. Dafür ist die heimische Erdbeer-Ernte weitgehend beendet, die roten Verkaufsbuden werden wohl in den nächsten Tagen abgebaut. Eine Landwirtschafts-Wetter-Zwischenbilanz.

Hamm – Auf den Erdbeer-Feldern von Annette und Hilmar Kötter aus Wiescherhöfen wurden am Wochenende die Reste gepflückt. Richtig zufrieden ist Annette Kötter mit der Ernte nicht, das Wetter sei insgesamt recht schwierig gewesen. Es sei lange ins Jahr hinein so kalt gewesen, dass das Wachstum reduziert war – mit dem laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kältesten April in NRW (12 Frost-Tage) seit über 40 Jahren.

Auch nicht gut: Gleich Anfang Mai „explodierten“ die Temperaturen auf 30 Grad. „Das bekommt Erdbeeren nicht gut, da mussten wir schauen, dass die Pflanzen nicht vertrocknen“, sagt die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin, die meint, dass die Erdbeeren in diesem Jahr ziemlich „malträtiert“ wurden. Denn: „Dann kam der große Regen.“

Dem Regen hilflos ausgesetzt

Während Landwirte sich bei Hitze behelfen und Wasser spritzen können, sind sie dem Regen hilflos ausgesetzt. Beispiel Erdbeeren: „Die Pflanzen wurden nicht mehr richtig trocken, viele Erdbeeren sind verfault, andere nicht reif geworden“, sagt Kötter. Sie weiß, dass Kartoffeln jetzt dasselbe Schicksal droht, die Ernte entsprechend schlecht ausfallen könne. Für Himbeeren dagegen, die jetzt reif werden, sei viel Regen gut.

Fruchtwechsel von Erd- auf Himbeeren: Wolfgang Köppler kaufte bei Annette Kötter noch schnell ein Paket Erdbeeren, bevor die Saison endet.

Die ersten Erdbeerpflanzen, die im nächsten Jahr geerntet werden sollen, sind bei Kötters bereits gesetzt – und zwar auf dem Feld, auf dem Anfang vergangener Woche die Gerste abgeerntet worden ist. „Das war ein gewaltiger Kraftakt“, sagt Annette Kötter, weil der Blick bereits auf die Wetterprognosen mit extrem viel Regen ging. Es sei teilweise sogar noch vorher gelungen, Strohballen zu pressen. Denn dafür muss es natürlich trocken sein, „Nässe legt uns ziemlich lahm“, sagt die Landwirtin. Und davon hat es auch in Hamm in der vergangenen Woche reichlich gegeben – wenn auch lange nicht in den extremen Ausmaßen wie wenige Kilometer weiter westlich.

Je nach Bodenbeschaffenheit müsse man abwarten, bevor man wieder mit dem schweren Gerät zur Ernte auf die Felder kann. Kötter: „Bei sandigen Böden dauert es nur ein paar Tage, bis sie abgetrocknet sind, bei lehmigen entsprechend länger. Da kommt man kaum mit Gummistiefeln durch.“ Stroh, das bereits gedroschen ist, müssen jetzt weiter liegen bleiben, bis es getrocknet ist und gepresst werden kann.

Backgetreide wird nicht die Qualität des Vorjahres haben

Und die Qualität der Gerste selbst? „Ich gehe davon aus, dass das Backgetreide nicht die Qualität wie in den Vorjahren haben wird“, sagt Annette Kötter. Dieser Meinung ist auch Burkhard Schröer, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest: „Die Gersten-Ernte wird wohl knapp befriedigend ausfallen.“ Sie habe anfangs besser ausgesehen, als sie dann tatsächlich war. Schröer sieht die Spätfröste und sehr heiße Tage in der Wachstumsphase als Gründe.

Die lang anhaltende Kälte Anfang des Jahres habe dafür gesorgt, dass die Ernte rund zwei Wochen später stattfindet. Der Regen vor allem der vergangenen Woche und die dadurch teils aufgeweichten Böden würden zu weiteren Verzögerungen führen. Starker Regen führe außerdem dazu, dass das Getreide nicht mehr aufrecht stehe, sondern zusammenfalle: „Das macht die Ernte nochmals schwieriger“, sagt Schröer. Dabei stehe ab nächster Woche die Weizen-Ernte an.

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