Videoanrufe bei Angehörigen

Menschenraub, Körperverletzung, Erpressung: Hammer (42) vor Gericht

Das Opfer soll massiv geschlagen worden sein.
+
Das Opfer soll massiv geschlagen worden sein.

Erpresserischer Menschenraub, besonders schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung werden einem 42-jährigen Angeklagten aus Hamm und einem 32-Jährigen aus Lünen vorgeworfen.

Hamm/Hagen – Vor dem Landgericht Hagen müssen sich zwei Männer aus Hamm und Lünen für eine Tat verantworten, die sich in Hagen abgespielt haben soll. Laut Anklage bedrohten sie den 43-jährigen Geschädigten am 21. Juli 2020 und zwangen ihn, zu ihnen ins Auto zu steigen. In einer Autowerkstatt sollen sie das Opfer auf einen Stuhl gesetzt und massiv geschlagen und „mit beschuhtem Fuß“ getreten haben. Der 43-Jährige soll dadurch einen Nasenbeinbruch sowie Prellungen des Brustkorbs und des rechten Unterschenkels erlitten haben.

Während dieser Misshandlungen sollen die Täter Videoanrufe bei seinen Angehörigen getätigt haben, um mit den Bildern des Verletzten die Zahlung von 25.000 Euro zu erzwingen.

An einem weiteren unbekannten Tatort innerhalb des rund zweistündigen Tatgeschehens sollen sie das Opfer weiter geschlagen und sogar eine Scheinhinrichtung inszeniert haben. Schließlich sollen sie seine EC-Karte und die dazugehörige Pin-Nummer an sich genommen haben, bevor sie ihn aus dem Auto warfen und zurückließen. Die Abhebung von 1000 Euro scheiterte jedoch, weil das Opfer die Karte bereits hatte sperren lassen.

„Panik“: Opfer im Gericht zusammengebrochen

Einen dramatischen Verlauf nahm auch der Prozessauftakt: Der 43-Jährige brach vor Verhandlungsbeginn auf dem Flur des Landgerichts buchstäblich zusammen und musste von Rettungskräften versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden. Sein Rechtsbeistand sprach gegenüber unserer Zeitung von einer „Panik“, die sein Mandant vor seiner Vernehmung gehabt habe.

Hintergrund der Tat soll angeblich eine Entschädigungszahlung gewesen sein, die die beiden Angeklagten vom Opfer verlangt hätten. Diesbezüglich und hinsichtlich der Geschehnisse am 21. Juli gibt es offenbar erheblichen Aufklärungsbedarf. Die beiden Angeklagten äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen und die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen musste verschoben werden. Zu einem internen Verständigungsgespräch zwischen Richtern, Staatsanwaltschaft und den drei Verteidigern kam es ebenfalls nicht.

Der Vorsitzende Richter bezeichnete die Beweislage als noch sehr unübersichtlich. Es sei deshalb nicht möglich, ein mögliches Strafmaß für den Fall eines Geständnisses zu nennen: „Die Kammer kann überhaupt nichts in Aussicht stellen.“ Daraufhin verzichteten die Verteidiger auf ein Rechtsgespräch. Fünf Verhandlungstage haben sich die Richter zunächst für die Aufklärung der schweren Vorwürfe gegeben. Das Strafgesetzbuch sieht für erpresserischen Menschenraub und besonders schweren Raub jeweils Freiheitsstrafen von 5 bis zu 15 Jahren vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare