Leiden im Lockdown

Schwarzarbeit aus Verzweiflung? Ein Hammer Friseur erzählt

Sollte Kai Mackowiak derzeit an einem echten Kopf herumschnippeln, dann droht ihm eine Strafe.
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Im Rahmen des Erlaubten: Sollte Kai Mackowiak derzeit an einem echten Kopf herumschnippeln, dann droht ihm eine Strafe.

Friseure leiden im Lockdown – doch schwarz schneiden kann richtig teuer werden. Wir haben uns in Hamm umgehört.

Hamm – Rausgewachsene Frisuren und ein krumm geschnittener Pony – nur wer in Zeiten des Lockdowns perfekt frisiert ist, fällt auf. Denn das Handwerk des Friseurs darf wegen der aktuell geltenden Coronaschutzverordnung nicht ausgeübt werden. Salons sind mindestens bis zum 15. Februar noch geschlossen. Doch halten sich auch alle an die Vorgaben vom Land? Andernfalls könnte es ziemlich teuer werden. (News zum Coronavirus in Hamm)

Der Friseur muss ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro zahlen, wenn er Schwarzarbeit anbietet und somit gegen die Corona-Schutzmaßnahmen verstößt. Wer sich die Haare schneiden lässt, muss zwischen 50 und 250 Euro zahlen.

Kai Mackowiak, Chef im Friseursalon „Heideschere“ in Herringen, versteht, dass Friseure aus Verzweiflung versuchten, Schwarzarbeit nachzugehen. Im Fernsehen sehe man ständig Moderatoren und Fußballprofis, „die wohl kaum von einem Metzger die Haare gemacht bekämen“. Mackowiak: „Ich habe schon von Kollegen gehört, dass ihnen dubiose Angebote gemacht wurden.“ Für den 50-Jährigen käme das aber nicht infrage. Und das, obwohl er aktuell von seinem Ersparten lebt.

Hammer Friseur im Lockdown: Hilfe komplett zurückgezahlt

Mackowiak musste wie viele andere vor Kurzem die Hilfe aus dem Frühjahr vollständig zurückzahlen. Er hatte sich – bevor Corona überhaupt ein Thema war – zusätzlich abgesichert. „Die Versicherung zahlte zum Glück im ersten Lockdown. Doch nach der Wiedereröffnung im Sommer strich mir die Versicherung die benötigte Klausel“, sagt der Friseur, der erst vor knapp einem Jahr den Salon Heideschere von Elke Hase übernahm. Das heißt, dass der Friseur in diesem Lockdown keine finanzielle Unterstützung erhält. „Es ist ein scheiß Gefühl, wenn du von deiner Mutter und deinem Partner finanziell abhängig bist.“ Zwei seiner vier Mitarbeiterinnen sind aktuell in Kurzarbeit. Die anderen beiden sind 450-Euro-Kräfte und verdienen deshalb aktuell nichts.

Er sei froh, dass der Salon im vergangenen Jahr wenigstens neun Monate habe öffnen können. Mackowiak: „Das Arbeitsamt lehnte vor ein paar Tagen meinen Antrag auf Grundsicherung ab. Nach meiner Beschwerde prüfen sie meinen Fall noch einmal.“ Nun heißt es Daumen drücken.

„Wir müssen jetzt durchhalten“, sagt Mackowiak und hofft darauf, dass Mitte Februar endlich der Föhn wieder heiß läuft.

Hammer Friseur im Lockdown: Kontrollen durchs Ordnungsamt

In Hamm sind laut Stadtsprecher Lukas Huster bisher nur wenige Friseure bei Schwarzarbeit ertappt worden. „Wir hatten im Lockdown im Frühjahr 2020 wenige Einzelfälle – etwa zwei bis drei – in denen Friseure während des Lockdowns verbotenerweise gearbeitet haben“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Während des aktuellen Lockdowns habe es bisher nur einen derartigen entdeckten Fall gegeben, der geahndet wurde.

Huster: „Die Kollegen des Ordnungsamtes kontrollieren Friseurbetriebe stichprobenartig.“ Daneben gehe die Stadt auch Hinweisen nach – sofern diese nicht anonym, sondern mit Klarnamen abgegeben werden.

Vorgehen gegen Schwarzarbeit

Um das Thema Schwarzarbeit, also steuer- und sozialversicherungsrechtlich nicht angemeldete Arbeiten kümmert sich der Zoll. Bundesweit gehen über 6700 Zöllner gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung vor. Das Ordnungsamt kontrolliert die Einhaltung des Verbots der „Erbringung von Dienstleistungen während des Lockdowns“, was laut Stadtsprecher Lukas Huster Bußgelder im Ordnungswidrigkeitsverfahren nach sich ziehen kann.

In Österreich dürfen Friseure übrigens schon bald wieder öffnen. Doch die Vorgaben sind enorm streng.

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