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Schwangere erstochen: Täter muss wahrscheinlich lange ins Gefängnis

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Von: Martin von Braunschweig

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Die tote Frau wurde an der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Hamm aufgefunden.
Die tote Frau wurde an der Johann-Sebastian-Bach-Straße aufgefunden. © Zimmermann (Archiv)

Der mutmaßliche Messerstecher vom Schillerplatz in Hamm muss sich auf viele Jahre im Gefängnis einstellen. Die Staatsanwaltschaft hat für den 24-jährigen Bergkamener, der im Januar seine Freundin erstochen hat, zwölfeinhalb Jahre Haft beantragt.

Dortmund/ Hamm – Dass der Angeklagte der Täter ist, hat er im Laufe des Prozesses vor dem Dortmunder Schwurgericht zugegeben. Das ist aber auch schon so gut wie alles. Zu wenig weiß man weiterhin darüber, wie genau es zu dieser schrecklichen Bluttat kam. „Das ist für die Hinterbliebenen der Getöteten natürlich äußerst unbefriedigend“, sagte Opfer-Anwalt Ralph Reckmann am Mittwoch in seinem Plädoyer.

Wie alle Beteiligten in ihren Schlussvorträgen vor und nach ihm zeichnete auch Reckmann noch einmal die Geschichte der Beziehung zwischen Täter und Opfer nach. Ständig habe es zwischen dem Bergkamener und seiner auf den Philippinen geborenen Freundin Streit gegeben. Mal habe man sich getrennt, dann wieder leidenschaftlich versöhnt.

Reckmann sagte: „Der Angeklagte ist hochgradig eifersüchtig.“ Dass sich der 24-Jährige jedoch bei der Tat in einer psychischen Ausnahmesituation befunden habe, in einer Art „Affektsturm“, das glaubt der Anwalt der Hinterbliebenen nicht. „Aus meiner Sicht und ja auch aus Sicht des psychiatrischen Sachverständigen war er zur Tatzeit voll schuldfähig.“

Knappes Geständnis, aber viele Fragezeichen bleiben

Rechtsanwalt Reckmann hätte sich von dem Angeklagten neben dem knappen Geständnis viel mehr erhofft. Denn klar ist, dass der Angeklagte seine Schwester schon eine Stunde vor dem Notruf bei der Polizei informiert hatte.

Und offenbar hatte sich der 24-Jährige an jenem Abend Ende Januar zunächst nicht nur allein mit seiner Freundin, sondern innerhalb einer größeren Gruppe auf dem Schillerplatz aufgehalten. Wer die anderen Personen waren? Was genau dabei besprochen wurde? „Wir wissen es nicht“, sagte der Opfer-Anwalt. Das Gleiche gelte für die Frage, was der Angeklagte mit seiner Schwester besprach, ehe die Polizei geholt wurde.

Verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen

Verteidiger Peter Wehn hält eine verminderte Schuldfähigkeit seines Mandanten dagegen nicht für ausgeschlossen. Das sei allein aus der hohen Anzahl der Messerstiche herauszulesen. An jenem Abend sei ein rasender Mann nicht vollständig Herr seiner Sinne gewesen. Die Leiche wies über 70 Stichverletzungen auf.

Einen konkreten Strafantrag wollte Wehn in seinem Plädoyer nicht stellen. Wie das Gericht den Fall bewertet und welche Strafe es für den Angeklagten für angemessen und erforderlich hält, soll sich bereits am Donnerstag zeigen. Dann soll das Urteil gesprochen werden.

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