Schutzprogramm des Landes

Immer weniger Kiebitze in Hamm: Bestand sinkt rapide

Der Kiebitz wird immer seltener in Hamm. Bei der letzten Kartierung gab es gerade noch 51 Brutpaare in der Lippestadt, 2006 waren es noch rund 190.
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Der Kiebitz wird immer seltener in Hamm. Bei der letzten Kartierung gab es gerade noch 51 Brutpaare in der Lippestadt, 2006 waren es noch rund 190.

Noch vor 50 Jahren war der Kiebitz ein häufiger Gast auf den Feldern und Wiesen rund um Hamm. Inzwischen ist der Bestand rapide gesunken, die Art bedroht. Klaus Klinger von der Biologischen Station Unna/Dortmund bewertet die Bestandsentwicklung des heimischen Brutbestandes als „besorgniserregend“.

Hamm - Seit 2018 dokumentiert die Biologische Station Kreis Unna/Dortmund in enger Kooperation mit der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Hamm (OAG), dem Nabu Hamm sowie der ABU Soest die aktuellen Bestände des Kiebitz im gesamten Bereich der Stadt Hamm. Die Synchronzählung der Kiebitze erfolgte in diesem Jahr am 4. April. „

Waren es im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme durch die OAG Hamm im Jahr 2006 noch rund 190 Brutpaare, konnten 2018 nur noch 75, 2019 noch 71 und in diesem Jahr sogar nur noch 51 Kiebitzpaare erfasst werden. Das entspricht einem Rückgang um 73 Prozent in 14 Jahren“, so Wolfgang Pott von der OAG Hamm.

Kiebitz passt sich an und brütet auf Feldern

Vor 50 Jahren brütete der Kiebitz vor allem auf feuchten Wiesen. Dann setzte in den 70er Jahren die große Flurbereinigung ein, viele Wiesen wurden in Äcker umgewandelt. Der Kiebitz passte sich an und nutzte auch die Felder.

Die gut getarnten Eier legt das Weibchen in eine flache Bodenmulde – vor allem auf noch nicht bewachsenen Äckern, in erster Linie noch unbestellte Maisflächen. „Natürliche Feinde wie Füchse und Waschbären setzen ihm zu – und der Mensch“, weiß Wolfgang Pott von der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft. Denn die Brutzeit komme zeitgleich mit der Frühjahrsbestellung der Landwirte zusammen.

Zum Schutz der Vögel und ihrer Jungen

Sobald die Kiebitze „fest auf ihren Gelegen sitzen“, suchen Mitarbeiter der Biologischen Stationen daher die betreffenden Landwirte auf, um über Fördermöglichkeiten zum Schutz der Bruten zu informieren.

Einige Landwirte markieren die Nester und sparen die Stellen bei der Bewirtschaftung aus. „Der reine Gelegeschutz reicht aber nicht aus, um die letzten Kiebitzbestände zu stabilisieren. Sinnvoll ist ein begrenzter Nutzungsverzicht auf besetzten Teilflächen. Der so geschützte Lebensraum bietet den Kiebitzküken beste Aufwuchsmöglichkeiten, kommt aber auch anderen Feldvogelarten zugute“, weiß Carolin Schreer von der Biologischen Station. Diese Brachflächen könnten zudem eine Rückzugsfläche für Niederwild sein.

Landwirte erhalten Entschädigung

„Dazu bietet das Land neben einem fünfjährigen Schutzprogramm für Feldvögel auch die Anlagemöglichkeit einer einjährigen sogenannten Feldvogelinsel. Bei mindestens drei festgestellten Feldvogelbruten wird hierbei eine Teilfläche zwischen 0,5 und maximal zwei Hektar von der Bewirtschaftung ausgenommen.

Der Landwirt erhält dafür eine Entschädigung je nach entgangenem Nutzen bis zu 1050 Euro pro Hektar“, berichtet ihre Kollegin Anke Bienengräber. Allerdings konnten sich im vergangenen Jahr nur wenige Landwirte zu einem Vertragsabschluss entschließen. „Zu wenig, um den negativen Bestandstrend aufzuhalten, geschweige denn umzukehren“, so Bienengräber angesichts der neuen Zahlen.

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