Züge rund um Hamm wieder voller

Bahn sicher: „Nahverkehr kein Corona-Infektionsherd“

Zugbegleiter Thorsten Grenz hat derzeit nur wenige Passagiere in der Eurobahn auf dem Weg zwischen Dortmund und Hamm.
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Zugbegleiter Thorsten Grenz hat derzeit nur wenige Passagiere in der Eurobahn auf dem Weg zwischen Dortmund und Hamm.

Verwaiste Bahnsteige, Geister-Züge, Abteile manchmal ganz für sich allein: So dürften viele Pendler den Schienenverkehr während des ersten Lockdowns ab März erlebt haben. Im aktuellen, zweiten Lockdown sind die Züge voller, wenn auch längst nicht ausgelastet. Sind die Menschen sorgloser geworden?

Hamm - Dafür gebe es keine Anzeichen, heißt es übereinstimmend von mehreren Unternehmen, deren Züge über oder ab Hamm fahren. Vielmehr spricht einiges für ein besseres Sicherheitsgefühl im Zugverkehr. (News zum Coronavirus in Hamm)

Lediglich ein Fünftel der zuvor üblichen Kapazitäten und zeitweise noch deutlich weniger seien ab März im ersten Lockdown erreicht worden, sagt Nicole Pizzuti, Unternehmenssprecherin der Keolis Deutschland GmbH. Keolis betreibt die Eurobahn, die von Hamm aus die RE 3 (Ziel Düsseldorf), RE 13 (Venlo) sowie die RB 69/89 (Münster und Bielefeld bzw. Paderborn) auf den Weg schickt.

Nur selten Maskenmuffel

Es sei nicht Sorglosigkeit oder mangelnde Vorsicht, die zu gestiegenen Fahrgastzahlen im aktuellen Lockdown führe, sagt Pizzuti. „Inzwischen haben sich die Reisenden an die Situation und an die Einhaltung der Schutzmaßnahmen gewöhnt“, so die Sprecherin. „Wir müssen die Fahrgäste loben. Auch auf die jetzt noch einmal verschärfte Maskenpflicht mit OP- oder alternativ FFP2-Masken haben sie schnell reagiert.“ Maskenmuffel treffe das Personal selten an, der Einsatz der Bundespolizei sei nur in Einzelfällen nötig.

Auf etwa 35 bis 40 Prozent gemessen an der üblichen Auslastung beziffert die Keolis-Sprecherin das aktuelle Fahrgastaufkommen. Schulschließungen und Homeoffice-Regelungen seien zwei wesentliche Gründe, warum die Züge immer noch leer seien, vor allem tagsüber, wenn weniger Pendler unterwegs seien. Tatsächlich überlege sich wohl auch mancher genau, welche Fahrt notwendig sei und welche verzichtbar.

Auslastung von 35 Prozent

Ähnlich beurteilt Cansu Erdogan, Pressesprecherin von National Express, die Situation. Hamm ist Haltepunkt für den RE7, der zwischen Krefeld und Rheine verkehrt. Auch sie spricht aktuell von einer Auslastung von etwa 35 Prozent verglichen mit dem Regelbetrieb. Auch in den Zügen von National Express habe es im zweiten Lockdown keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben. Maximal der eine oder andere Hinweis sei erfolgt. „Die Botschaft ist angekommen“, sagt Erdogan.

Davon ist auch Julia Limia y Campos, Pressesprecherin der Abellio Rail GmbH, überzeugt. Hamm ist RRX-Haltepunkt der Abellio-Linien RE1 (Aachen) und RE11 (Düsseldorf – Kassel-Wilhelmshöhe). „Unsere Mitarbeiter agieren bei Auffälligkeiten mit großem Feingefühl. In der Regel zeigen sich die Fahrgäste dann auch sehr einsichtig.“

Keine Infektionen nachgewiesen

„Inzwischen hat sich gezeigt, dass der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) kein Infektionsherd ist.“ Das sagen die drei Sprecherinnen übereinstimmend. Das belegten nationale und internationale Studien. Es seien keine Corona-Infektionen in Zügen nachgewiesen worden, weder beim Personal noch unter den Fahrgästen. Die Hygienekonzepte hätten sich bewährt und würden konsequent umgesetzt. Das schaffe Vertrauen unter den Reisenden.

Hygienemaßnahmen seien verstärkt worden, es werde stets intensiv gereinigt, heißt es aus den drei Häusern. „Weniger Reisende bedeutet daher nicht weniger Arbeit“, so Keolis-Sprecherin Nicole Pizzuti. „Neben einer guten Durchlüftung unserer Nahverkehrszüge haben wir seit Anbeginn der Pandemie die Reinigungsintervalle der Fahrzeuge erhöht“, sagt Abellio-Sprecherin Julia Limia y Campos.

Auch bei weniger Fahrgästen führen die Züge in voller Wagenstärke. Dazu seien die Unternehmen verpflichtet, so die Sprecherinnen. Und das sei auch richtig so: Selbst bei höherer Auslastung als im ersten Lockdown bleibe immer noch genug Freiraum, um Abstand zu anderen Reisenden zu wahren. Im Gegensatz zum ersten Lockdown seien die Taktungen beibehalten und keine Fahrten ausgesetzt worden. Bis Anfang Mai 2020 sei das NRW-weite Fahrplanangebot um circa 50 Prozent, in Westfalen-Lippe um 75 Prozent zurückgefahren worden.

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