Bundesnaturschutzgesetz

Brüchiges Verbot: Bäume und Hecken dürfen trotz Schutzgesetz gefällt und gestutzt werden

Baum fällt: An der Königstraße musste erst vor wenigen Tagen ein Baum weichen.
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Baum fällt: An der Königstraße musste erst vor wenigen Tagen ein Baum weichen.

Bäume zu fällen, Hecken und Gebüsch zu schneiden, ist – um nistende Vögel und Insekten zu schützen – laut Bundesnaturschutzgesetz vom 1. März bis 30. September verboten. Eigentlich.

  • Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet Bäume fällen und Hecken schneiden von März bis Oktober.
  • Aber es gibt einen "Knackpunkt" bei der Baumschutzsatzung.
  • Geschützt sind nur die Bäume und Hochgewächse, die bei der Stadt eingetragen sind.

Hamm – Ein Anwohner der Ostenallee hat zurzeit einen ganz anderen Eindruck: „Es wird wild um sich geholzt“, sagt er und bezieht sich auf ein Privatgrundstück, auf dem bis vor Kurzem ein Fitnessstudio angesiedelt war.

Dort sei ein circa 70 Jahre alter Ahornbaum abgeholzt worden, auch ein alter Holunderbusch sei „der Kettensäge zum Opfer gefallen“, zwei weitere Ahornbäume, ein Kirsch- und ein älterer Walnussbaum sollten folgen. Der Anwohner moniert nicht nur „die Schändung der Natur“, sondern auch, dass solche Aktionen „nicht zum Erhalt eines Mindestmaßes an Wohnqualität“ beitragen. Er bemängelt das Fehlen einer Baumschutzsatzung.

Bundesnaturschutzgesetz: Wenige Einträge in Schutzkataster

Doch die gibt es – sogar schon seit 1988 mit einer Aktualisierung 2002. Geschützt sind demnach Bäume und Hochgewächse, die in ein von der Stadt geführtes Baumverzeichnis (Baumkataster) eingetragen wurden. Und das ist der „Knackpunkt“: Eingetragen sind nach Auskunft von Stadtsprecher Lukas Huster aktuell gerade einmal 284 Bäume auf 95 privaten Grundstücken.

Eine Eintragung – die letzte erfolgte 2019 – können laut Huster Eigentümer, Politiker, die Verwaltung oder auch Dritte beantragen. Bevor die Bezirksvertretung über die Aufnahme in die Baumschutzsatzung entscheidet, wird der Eigentümer um eine Stellungnahme gebeten. „Öffentliche“ Bäume (an Straßen, in der freien Landschaft) sind nicht registriert, weil sie laut Huster im Schutzzeitraum „grundsätzlich Bestandsschutz genießen“.

Brüchiges Verbot: Kein Schutz trotz Schutzgesetz

Und dann gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmen: Beispielsweise dürfen Bäume auch während der Schonfrist und trotz Eintragung ins Kataster gefällt werden, wenn sie die Verkehrssicherheit gefährden. Zulässig sind zudem Form- und Pflegeschnitte zum Beispiel zur Gesunderhaltung von Bäumen oder um zu verhindern, dass Hecken Gehwege zuwuchern.

Die Rodungsmaßnahmen auf dem Grundstück an der Ostenallee waren der Stadt bekannt: Keiner der Bäume war laut Stadtsprecher in das Schutzkataster eingetragen. „Im Hinblick auf die bereits fortgeschrittene Jahreszeit“ sei nicht davon auszugehen gewesen, dass besetzte Nester betroffen waren.

Das „Zauberwort“ im Bundesnaturschutzgesetz für Rodungen heißt „gärtnerisch genutzte Flächen“: Auf ihnen gibt es keine Schonfrist für Bäume, Sträucher und Hecken. Bei solchen Flächen handelt es sich nicht nur um „Erwerbsgartenbau“ (Gärtnereien, Baumschulen), sondern auch um Haus- und Kleingärten. Huster: „Darunter fällt auch eine Baumfläche an einem Parkplatz auf privatem Grundstück wie an der Ostenallee.“

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