OB verärgert

"Schutzengel" in Not: Provinzial vor Verkauf?

HAMM - Blankes Entsetzen herrscht bei Mitarbeitern und bei Vertretern der Gesellschafter der Provinzial NordWest in Hamm. Sie fühlen sich vor den Kopf geschlagen: Seit Tagen wird in den Medien über einen möglichen Verkauf an den börsennotierten Allianz-Konzern berichtet.

Die Betroffenen selbst waren bis Freitag nach eigenen Angaben bar jeder Information. Die erfolgsverwöhnte Provinzial wirbt als „Schutzengel“ in allen Medien mit dem Slogan „Immer nah, immer da!“ In eigener Sache jedoch schwiegen sich die Eigentümer auch am Freitag aus.

„Ich bin äußerst verärgert“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Sowohl als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Hamm als auch als Mitglied des Verbandsverwaltungsrates des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe hätte er als Vertreter der Eigentümerseite „zwingend und frühzeitig“ über einen derart grundlegenden Entscheidungsprozess zur Zukunft des Sparkassenversicherers unterrichtet werden müssen.

Am Freitag schrillten endgültig die Alarmglocken beim OB, als er von 60 E-Mail-Einsendern mit Hilfeersuchen regelrecht bombardiert worden war. „Es sind zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr, sowohl in Münster als auch in den Geschäftsstellen vor Ort“, heißt es darin. Den Hammer OB baten die Schreiber, seinen Einfluss in allen Entscheidungsgremien – auch beim LWL, dem 40 Prozent der Provinzial gehören – geltend zu machen.

Die Antwort kam postwendend und fiel eindeutig aus: „Mein Ziel ist es, einen Verkauf der Provinzial zu vermeiden“, schrieb Hunsteger-Petermann zurück. Ihm sei vor allem wichtig, „dass die Arbeitsplätze in unserer Region erhalten bleiben“. Alle Fakten müssten nun schnellstens auf den Tisch. Danach müsse intensiv geprüft werden, ob die mit einem Verkauf verfolgten Ziele auch auf andere Weise erreicht werden könnten.

Unterdessen wehren sich Betriebsangehörige vehement gegen Darstellungen in den Medien, die einen erhöhten Abschreibungsbedarf in der Sparte Lebensversicherung als Grund für den Verkauf nennen. Die Lebensversicherung habe am Gesamtwert des Provinzial-Konzerns einen Anteil von nur zehn Prozent. Wertschwankungen könnten durch die hohe Ertragskraft der Westfälischen Provinzial „jederzeit kompensiert werden“. Der Konzernüberschuss werde in diesem Jahr 105 Millionen Euro betragen. Selbst bei einem 15 Jahre anhaltenden Niedrigzinsniveau könne der Garantiezins in der Lebensversicherung erwirtschaftet werden. Die Provinzial Lebensversicherung verfüge zudem in Kapitalanlagen über stille Reserven von 1,2 Milliarden Euro.

In Hamm unterhält die Provinzial sechs Geschäftsstellen mit 33 Mitarbeitern. - dfb

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