Eine ziemlich faule Nummer

Wahl-Schummelvorwürfe gegen Pro Hamm - Was wusste Gürle?

Jetzt auch auf ganz großen Plakaten: Dr. Cevdet Gürle will in Hamm Oberbürgermeister werden.
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Jetzt auch auf ganz großen Plakaten: Dr. Cevdet Gürle will in Hamm Oberbürgermeister werden.

Dr. Cevdet Gürle will Oberbürgermeister werden und mit seiner Wählergemeinschaft „Pro Hamm“ wieder in den Rat einziehen. Um möglichst viele Stimmen zu erhalten, scheinen im „Pro-Hamm“-Umfeld auch unlautere Mittel recht zu sein.

Hamm – Dr. Cevdet Gürle will Oberbürgermeister werden und mit seiner Wählergemeinschaft „Pro Hamm“ zum zweiten Mal nach 2014 wieder in den Rat einziehen. Dafür bedarf es möglichst vieler Stimmen, und um diese zu erhalten, scheinen im „Pro-Hamm“-Umfeld auch unlautere Mittel recht zu sein. Es geht um Erstwähler und gerade um solche, die am 13. September nicht zur Wahl gehen wollen. Deren Wahlunterlagen sollten offenbar abgegriffen werden. Die Spur führt dabei in Gürles Sportverein „Taekwondo Herringen“, in dem er als Vorsitzender und Trainer aktiv ist.

Schummel-Vorwürfe gegen Pro Hamm: Der Trick mit der Wahl

Auf diesen „Trick“ muss man erst Mal kommen – zumal als 15-jährige Teenagerin, die bei der Kommunalwahl noch gar nicht wahlberechtigt ist: Briefwahlunterlagen können auch online beantragt und an eine andere Wohnanschrift als die des Wahlberechtigten versandt werden. Hierzu benötigt man dessen persönliche Daten und dessen Nummer im Wählerverzeichnis, welche wiederum auf der Wahlbenachrichtigung abgedruckt ist.

Sind die Wahlunterlagen dann an der Zieladresse eingetroffen, fehlt für die Stimmabgabe lediglich noch die Unterschrift des Wahlberechtigten auf einem beiliegenden Formular, mit der quasi an Eides statt versichert wird, dass die Stimmabgabe vom Wahlberechtigten beziehungsweise in seinem Sinne erfolgt – Alles ziemlich kompliziert, aber zum Beispiel sinnvoll, wenn Angehörige im Krankenhaus liegen.

Schummel-Vorwürfe gegen Pro Hamm: 15-jährige Initiatorin

Im vorliegenden Fall ist nun folgendes geschehen: Junge Leute – wie viele ist unklar – haben sich in eine Liste eingetragen, die von Gürles Taekwondo-Nachwuchs in Umlauf gebracht wurde. Eine Initiatorin war besagte 15-Jährige.

Die Jungwähler trugen sich mit Namen, Geburtsdatum etc. in die Liste ein – und hielten dies für so etwas wie eine Wahlumfrage. Später erhielten sie dann einen Anruf und wurden gebeten, ihre Wahlscheinnummer durchzugeben. Auch dies geschah in mindestens mehreren Fällen. Die Daten wurden dann genutzt, um die Briefwahlunterlagen anzufordern – sie landeten bei einer Adresse aus dem „Pro-Hamm“-Umfeld.

Schummel-Vorwürfe gegen Pro Hamm: Jungwähler alarmiert

Mindestens zwei Jungwähler wurden hier nun hellhörig und witterten eine ziemlich faule Nummer, wenn nicht gar Wahlbetrug. Sie hatten mit Datum vom 26. August einen Brief vom Wahlamt bekommen, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass ihre Wahlunterlagen nun wunschgemäß an eine Anschrift in Herringen verschickt worden waren. Den Namen und die Adresse, die dort standen, kannten sie nicht. Sie schalteten ihre Eltern ein und meldeten sich am Montag beim Wahlamt.

Zwischenzeitlich hatten sie zudem erfahren, dass mit der Aktion den „Leuten von ,Pro Hamm’“ geholfen werden solle und dass sie demnächst noch einen „Zettel“ für „die Wahl“ zu unterschreiben hätten. Sie selbst wollten doch gar nicht wählen gehen...

Schummel-Vorwürfe gegen Pro Hamm: Gürle reagiert schnell

Wahlleiter Markus Kreuz wurde daraufhin tätig und informierte Cevdet Gürle als Vorsitzenden der Wählergemeinschaft über diese „Irritationen“. Namen, so sagt Kreuz, habe er nicht an Gürle weitergegeben.

Der „Pro-Hamm“-Spitzenkandidat wurde daraufhin sofort tätig. Er benötigte lediglich zwei Stunden, um die in Rede stehenden Wahlunterlagen einzukassieren, den beiden Jungwählern in einem Fall persönlich zurückzubringen und im anderem im Wahlamt abzugeben.

Für Kreuz war der Fall daraufhin erledigt. Die Stimmzettel waren nicht ausgefüllt, weitergehende Recherchen dürfe er nicht durchführen. Die Polizei werde er deshalb nicht einschalten, erklärte er dem WA. Wenn, dann müssten das die Betroffenen tun. Bei der Polizei lag bis Mittwoch keine Anzeige vor.

Schummel-Vorwürfe gegen Pro Hamm: Gürle bleibt vage

Gürle selbst erklärte dem WA, dass er am Montag von der 15-Jährigen in Kenntnis gesetzt worden sei und deshalb gewusst habe, wo er die Unterlagen habe abholen können. Das Mädchen habe eine „große Dummheit“ begangen, wofür es auch zur Rede gestellt worden sei. Sie sei bestürzt. Von weiteren Fällen habe er keine Kenntnis. Die Frage, ob er in die Aktion eingeweiht oder sie selbst in die Wege geleitet habe, gab er keine konkrete Antwort.

In einem Telefonat mit dem WA hatte er zudem eingeräumt, dass „das doch jeder so macht“. Auch er habe Briefwahlunterlagen für seinen Vater und drei Kollegen angefordert. Auf WA-Nachfrage, was er damit meine, antwortete Gürle: „Jeder politische Mitbewerber kämpft in einem demokratischen Wettstreit um die Stimme des Wählers. Mein Vater und die befreundete Familie haben mich darum gebeten, Briefwahlunterlagen für sie zu beantragen.“

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