Unsere Serie „Was braucht Heessen?“

Schule im Bezirk: Heessen trumpft vor allem mit den Hauptschulen auf - Was sagen Sie?

Ein Ziel, verschiedene Wege: Dieter Lohmann stärkt seine Schüler auch im Distanzunterricht über die Problemlösungskompetenz (links). Die Martin-Luther-Schule setzt auf Theater, Musik und andere Formen der Kultur.
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Ein Ziel, verschiedene Wege: Dieter Lohmann stärkt seine Schüler auch im Distanzunterricht über die Problemlösungskompetenz (links). Die Martin-Luther-Schule setzt auf Theater, Musik und andere Formen der Kultur.

Heessen hat schulisch eine Besonderheit: Zwei Hauptschulen haben hier ihren Sitz – die Schule der Abgehängten, wie manch einer zuspitzt. Unzulässig zuspitzt. Was aber ist am Schulstandort noch besonders und wo gibt es Nachholbedarf? Diskutieren Sie mit! (Formular unten im Artikel)

Heessen – Beide Hauptschulen haben ihr Konzept, den Schülern ins Leben zu helfen. Die eine Schule bricht Schubladen auf, die andere stärkt die Persönlichkeit der Schüler durch Kunst und Kultur. Wir stellen beide stellvertretend für die Schulen im Bezirk mal genauer vor.

Karlschule: Kinder werden zu selbstbewussten Problemlösern

Dieter Lohmann aus der erweiterten Schulleitung der Karlschule erläutert Konzept und die Ideen: Im Kern geht es um fächerübergreifende Praxis und das Vermitteln der Erfahrung, wie man Probleme lösen kann. Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet sollen die Schüler die Karlschule selbstbewusst verlassen.

Wie es geht, beschreibt Lohmann am Beispiel der MINT-Fächer – die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, einem Schwerpunkt der Schule. „Klassisch sind die naturwissenschaftlichen Fächer getrennt in Physik, Chemie und Biologie“, sagt er, „wir brechen diese Schubladen auf und suchen nach den Funktionszusammenhängen zwischen den Fächern.“

Fächer aufgebrochen: Ein Projekt, viele Fächer

Zu theoretisch? Lohmann bringt ein Beispiel. „Wenn wir uns im Unterricht mit Solarenergie befassen, kommen da alle MINT-Fächer und noch mehr vor“, sagt Lohmann. In die Physik fällt die Frage, wie Energie von Wärme in Strom umgewandelt wird. Die Chemie erklärt, was in den Solarzellen passiert. Und die Biologie steuert die Photosynthese bei. „Und in der Gesellschaftslehre sprechen wir über den Klimawandel“, so der Lehrer. Ein Projekt, viele Fächer.

Und das kommt dabei heraus – Lohmann: „Die Schüler lernen, wie sie sich ein komplexes Problem erschließen und erwerben Problemlösungskompetenz.“ Diese Erfahrung mache sie stark. Auch für die Zukunft. Lohmann: „Die Welt ist in schnellem Wandel, sodass die Frage ist, welches Wissen wir vermitteln wollen.“ Alle sechs bis zehn Jahre ändere sich die Technik in den Berufen. „Was wir vermitteln, hat über die Zeit hinweg Bedeutung.“ Und es macht die Schüler selbstbewusst.

Theater, Musik und viel Kultur an der Martin-Luther-Schule

An der Martin-Luther-Schule heißt das Mittel zur Stärkung: Kultur. Schulleiter Daniel Tümmers zählt auf: Die Schule biete Theater, unter anderem mit Matthias Dambergs „Treibkraft“, freiwilligen Musikunterricht mit dem Erlernen von Instrumenten und führe Projekte durch – zum Beispiel mit der Entwicklung von Apps, die zunächst den Geschichtspfad auf dem Gelände der früheren Zeche Sachsen und später die gesamte Route Industriekultur erfahrbar machen.

Und das ging so: Lehrer Selcuk Avci bereiste mit den Schülern die Ankerpunkte der Route, ließ seine Schüler recherchieren und filmen, die Szenen schneiden und erstellte so kurze, informative Filme, die über die App mit dem Smartphone abrufbar waren. Schulleiter Tümmers: „Da haben unsere Schüler etwas geschaffen, das bleibt.“

Viele Fähigkeiten im Vorbeigehen erlernt

Auf dem Weg dahin haben die Schüler im Vorbeigehen Verhandlungsgeschick, den Umgang mit Videokonferenzen, die Sprache Englisch im Gespräch mit dem App-Entwickler aus London sowie den Umgang mit Zahlen gelernt. Und das Logo haben sie auch gestaltet. Alles ohne Notendruck, alles mit Begeisterung und Engagement.

Das sind die Schulen in Heessen

Diese Schulen hat Heessen, in Klammern die jeweilige Zahl der Schüler, Schuljahr 2019/20. Grundschulen: Kappenbuschschule (300), Gutenbergschule (126), Josefschule (132), Stephanusschule (181), Ludgerischule (202). Weiterführende Schulen: Realschule (491), Martin-Luther-Schule (214), Karlschule (357) und Schloss Heessen – Gymnasium und Internat (252).

Und so funktioniert es auch auf der Bühne oder am Instrument. Ohne Notendruck erarbeiten sie sich auf der Bühne Szenen, erwerben Selbstbewusstsein und ein besseres Gemeinschaftsgefühl. Und das Sahnehäubchen, auch wenn das wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht möglich ist: Die Eltern kommen in die Schule und schauen sich stolz das Erarbeitete an. Das macht den Schülern breite Schultern.

Stärken erkennen und darauf aufbauen

Damit hat Tümmers zwei Ziele erreicht. Zum einen erkennt jeder Schüler seine Stärken und kann darauf aufbauen. Und zum anderen wird Schule positiv wahrgenommen, von den Schülern, den Eltern und dem Umfeld. „Das zeigen auch die aktuellen Anmeldezahlen, wir sind wieder zweizügig.“

Auch Tümmers weiß wie sein Kollege Peter Hillebrand von der Karlschule: Hauptschüler fühlen sich stigmatisiert und als Bildungsverlierer wahrgenommen, und das brechen beide Schulen auf. Und beide haben dasselbe Ziel, ihren Schülern die Teilhabe an Gesellschaft, Berufsleben und Kultur zu ermöglichen. Mit breiten Schultern kann das funktionieren.

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Mehr zum Thema lesen Sie in der Print- und E-Paper-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 30. April. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Heessen?“ erscheint voraussichtlich am 15. Mai. Dann geht es um das Thema Einzelhandel.

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