Auswirkung der Corona-Pandemie

Schulbeginn ohne Arztbesuch: Ausgefallene Eingangsuntersuchungen werden nicht nachgeholt

Bei 800 der 1750 Erstklässer in Hamm wurde keine Einschulungsuntersuchung gemacht.
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Bei 800 der 1.750 Erstklässer in Hamm wurde keine Einschulungsuntersuchung gemacht.

Für bis zu 800 Erstklässler fallen die Schuleingangsuntersuchungen ersatzlos aus, weil alle Amtsärzte im Corona-Einsatz sind.

Hamm – Betroffen sind Schüler, die bereits im August eingeschult wurden. Für die i-Dötzchen des kommenden Schuljahres will die Stadt im Januar mit den Untersuchungen beginnen – sofern dann wieder medizinisches Personal verfügbar ist. Die ausgefallenen Sprachstandsuntersuchungen für Vierjährige sollen dagegen bis Januar nachgeholt werden. (News zum Coronavirus.)

Förderbedarfe häufig festgestellt

Bei der gesetzlich vorgeschriebenen Schuleingangsuntersuchung stellen Amtskinderärzte fest, ob ein Kind schulfähig ist. Dazu gehören Hör- und Sehtest, Untersuchungen auf chronische, übertragbare und allergische Krankheiten, zum Entwicklungsstand und zur seelischen Gesundheit. Auch der Impfstatus wird überprüft. Gerade bei Kindern, die nicht im Kindergarten waren, stellen Ärzte dabei häufig Förderbedarfe fest.

Bisher haben nach Stadtangaben vier Kinderärzte des Gesundheitsamtes diese Untersuchungen durchgeführt. Die sind aber seit dem Frühjahr im Corona-Einsatz; die Stadt hatte die Einschulungsuntersuchungen für das Schuljahr 2020/21 deshalb im Mai ausgesetzt. Rund 850 Schüler waren da noch nicht untersucht, etwa 50 Untersuchungen wurden später nachgeholt.

Stadt sieht sich rechtlich auf sicherer Seite

Rund 800 Schüler sind dann im August ohne Untersuchung eingeschult worden. Nachgeholt werden sollen die Termine beim Amtsarzt nicht im vollen Umfang, sagte ein Stadtsprecher. Vielmehr solle zeitnah gemeinsam mit Schulaufsicht und Schulleitern geklärt werden, wie das Gesundheitsamt bei aktuellen Fragen der Eltern und Lehrer beratend und unterstützend tätig sein kann.

Die Stadt sieht sich damit rechtlich auf der sicheren Seite. Die ausgefallenen Untersuchungen nachzuholen, sei gesetzlich nicht vorgesehen, so der Stadtsprecher. Aus dem Schulministerium hieß es lediglich, für die Untersuchungstermine sei die Stadt zuständig; es gebe dafür keine zeitliche Eingrenzung.

„Kleine Diagnostik“ beim Aufnahmegespräch

Die Schulen versuchen, sich so gut es geht mit der Situation zu arrangieren. Sie habe sich jedes Kind beim Aufnahmegespräch für eine „kleine Diagnostik“ angeschaut, sagt Viola Wagner, Rektorin der Wilhelm-Busch-Schule. Die Eingangsuntersuchung sei wichtig, doch durch Routine und gute Zusammenarbeit mit den Kitas könne man so eine Ausnahmesituation bewältigen.

Aus Elternsicht habe die Untersuchung häufig nicht so einen hohen Stellenwert, sagt Ricarda Müller, Vorsitzende des Jugendamtselternbeirates. Entwicklungsrückstände seien in der Regel bereits im Kindergarten bekannt. Für die personelle Notlage der Stadt habe sie durchaus Verständnis.

Zusätzliches Personal im Januar verfügbar

Im Januar will die Stadt die Schuleingangsuntersuchungen wieder aufnehmen – für die Erstklässler des Schuljahres 2021/22. Bis dahin werde zusätzliches ärztliches Personal zur Verfügung stehen, so der Stadtsprecher. Wie viele zusätzliche Kräfte es sein werden, lasst sich wegen laufender Ausschreibungen noch nicht sagen.

Anders sieht es bei der Sprachstandsfeststellung („Delfin 4“) aus. Die Untersuchung findet üblicherweise zwei Jahre vor der Einschulung statt. Das Ministerium hatte den Kommunen zwar im Frühjahr eine Aussetzung erlaubt, besteht jetzt aber auf Nachholterminen. Kinder des Jahrgangs 2015/16 werden bis Ende Januar getestet.

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