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Verein fragt: Warum will keiner Schützenkönig sein?

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Von: Jörg Beuning

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Mit Jürgen Erling hatten die Schützen in Berge-Weetfeld-Freiske in diesem Jahr noch einen König, der gerne unter die Vogelstange trat. Ob dies auf Dauer der Fall sein wird, will der Vorstand nicht dem Zufall überlassen. © Schleimer

BERGE - „Schießpause!“ Kaum ein Vogelschießen der Schützenvereine verläuft noch ohne die vom Schießwart ausgegebene Unterbrechung. Nicht selten stecken die Vorstandsmitglieder in dieser Pause die Köpfe zusammen und schmieden einen Plan B, da einmal mehr die Königsanwärter fehlen.

Auch in der gerade abgelaufenen Saison hatten die Vereine mal größere, mal kleinere Sorgen, einen Regenten zu finden. Aber wo liegt eigentlich das Problem? Das wollte nun der Schützenverein Berge-Weetfeld-Freiske (BWF) in Erfahrung bringen und startete eine bemerkenswerte Aktion.

„Wir wollten eine Meinung der Vereinsmitglieder haben, wie wir das Königsschießen wieder attraktiver gestalten können“, erklärt der Vorsitzende Ralf Steinhaus. Daher setzten er und seine Mitstreiter im Vorstand einen Fragebogen auf, der an die Mitglieder verteilt wurde und anonym abgegeben werden sollte. Trotz der ländlichen Struktur im „Dreiländereck“ mit den kleinen Orten Weetfeld, Freiske und Berge zählt der emsige Vereine 550 Mitglieder. „Rund 20 Prozent der Fragebögen sind zurückgekommen“, so Steinhaus nicht unzufrieden. „Es hätten vielleicht mehr sein können, aber die Zahl ermöglicht durchaus eine repräsentative Einschätzung des Vereins“, meint Steinhaus.

Die Auswertung der Fragebögen soll in den kommenden Wochen erfolgen, zum Ende des Jahres werde der Verein die Ergebnisse präsentieren und womöglich erste Schlüsse daraus ziehen. „Wir wollen entsprechende Weichenstellungen vornehmen, um für die Zukunft das Königsein in unserem Schützenverein wieder begehrter zu machen“, sollen laut Steinhaus dann auch Taten folgen, sei es durch eventuelle Satzungsänderungen oder einfach nur durch organisatorische Veränderungen. „Das hängt vom Auswertungsergebnis ab“, so Steinhaus, der sich gut vorstellen kann, dass auch andere Vereine gespannt sind auf die Umfrageergebnisse. „Denn letztlich haben wir ja alle das gleiche Problem“, so der Schützenchef, der selbst noch 2010 König war.

Einst wurde sie als Kindheitstraum jedes Schützenbruders deklariert, heute scheint es, als wolle niemand mehr die Königskette tragen. Aber was könnte die Schützen abschrecken, König ihres Vereins zu werden? Die Fragen der BWF-Schützen drehten sich um die Kosten und um die anfallenden Termine (siehe Kasten). „Bei einer ersten Übersicht habe ich auch zusätzliche Anregungen unserer Mitglieder auf der Rückseite der Bögen entdeckt. Auch da sind interessante Vorschläge bei“, so Steinhaus, der nun hofft, dass sein Verein nicht unvorbereitet in die Zukunft geht.

Ohnehin müsse ein Schützenverein zu allen Seiten offen sein, „egal ob Frau, Mann oder ein gleichgeschlechtliches Königspaar“, so Steinhaus. „Denn eins ist doch klar: Wenn dauerhaft kein Schießen mehr stattfindet, wird auch das Schützenfest seine Berechtigung verlieren“, hieß es vielsagend im Vorwort des Fragebogens. - jb

Der Fragebogen der BWF-Schützen:

1. Bezogen auf die Kosten des Königs: a) zu teuer; b) zu günstig; c) angemessen.

2. Wenn Sie den Königsadler abschießen würden, welche Kosten würden Sie übernehmen bzw. bei welchem Betrag würden Sie die Kosten begrenzen? a) maximal 500 Euro; b) 500 bis 1 000 Euro; c) 1 000 bis 2 000 Euro.

3. Wenn es eine Beteiligung für das Kleid der Königin gebe, wie hoch sollte diese ausfallen? a) 200 Euro; b) 300 Euro; c) 400 Euro.

4. Wenn man die Kosten deckelt, müssen die anfallenden Kosten anders aufgebracht werden. a) durch Erhöhung der Königsprämie; b) durch Reduzierung der Biermarkenrabttierung.

5. Das Gratulieren bei den Gastvereinen und auch das Entgegennehmen der Gratulationen sollte man a) abschaffen; b) reduzieren; c) nur freiwillig machen.

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