Darum klappt bei den Jüngsten in Hamm vieles besser

Mit Spielzeugwaffen und viel Spaß zur Kinderkönigswürde

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Norddinker – Von wegen, beim Schützenverein Norddinker, Vöckinghausen, Frielinghausen gibt es dieses Jahr keinen neuen Regenten. Der aktuelle und ehemalige Nachwuchs lieferte Majestäten – ermittelt mit bunten Spielzeugpistolen und bei bester Stimmung. Grund dafür, mal genauer hinzuschauen, auch auf die Geschichte.

Das Kinderkönigsschießen hat in Norddinker seit 1964 eine Tradition. Dazugekommen ist erst 2009 das Kaiserschießen, bei dem alle ehemaligen Kinderkönige und Königinnen im fünfjährigen Turnus teilnehmen können. In diesem Jahr zeigte sich einmal mehr die besondere Verbundenheit, die vom Kaiserschießen ausgeht: Bevor Rüdiger Niggemann, der Kinderkönig des Jahres 1996/97, den finalen Treffer setzte, lieferten sich – im Gegensatz zum Vogelschießen des Hauptvereins am Donnerstag – 26 Kandidaten jeden Alters einen spannenden Wettkampf. Nun tragen er und seine Verlobte Jennifer Schriek für fünf Jahre den Titel.

Die gerade frisch gekürte Kinderkönigin Naemi Karzelek schoss ebenso mit Feuereifer mit. Die Sechsjährige hatte kurz zuvor mit dem 284. Schuss das letzte Holzstäbchen beim Kinderkönigsschießen abgeschossen. Sie erkor sich ihre gleichaltrige Freundin Luna Huffelmann zur Mitregentin.

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Allererster Kinderkönig auch dabei

Auch der allererste Kinderkönig, Harald Fink, der im Jahr 1964 den Titel errang und mit Ilse Heimann die Kinderschar regierte, beteiligte sich am Wettbewerb um den Kaisertitel. Um die Ausrichtung des Kinderschützenfestes und des Kaiserschießens kümmert sich eine eigene Kinderschützenfest-Abteilung innerhalb des Vereins, doch mit den Jahren hat auch diese Veranstaltung manche Veränderung erlebt.

Naemi Karzelek (links) schoss beim Kinderkönigsschießen den Vogel ab und regiert mit Luna Huffelmann.

Einige „Jungs der ersten Stunde“ erinnern sich gerne zurück: „Wir Kinder hatten Anfang der 1960er Jahre gespannt das Kinderschützenfest in Uentrop beobachtet“, erinnert sich Fink. So seien sie kurz darauf Zuhause an ihre Eltern und andere Vereinsmitglieder herangetreten und haben ein eigenes Fest erbeten. „Das stieß nicht überall auf offene Ohren“, erinnert sich Mitstreiter Werner Ebel. Sein Vater habe ihn lachend gefragt, wie die 12- und 13-Jährigen das denn organisieren wollten.

Beim Kaiserschießen der ehemaligen Kinderkönige (Foto rechts) sicherte sich Rüdiger Niggemann (Kinderregent von 1996/97) den Titel. Zur Kaiserin erwählte er Jennifer Schriek.

Ein aus der Rübe geschnitzter Rumpf

Die Kinder blieben hart, gaben nicht auf und fanden einige Unterstützer. „Wir waren ja alle auf der zwei-klassigen Volksschule in Norddinker und die Idee verbreitete sich sofort“, sagt Fink. Die Familien Hartleif, Richter und Holthoff seien einige der Unterstützer der ersten Stunde gewesen und inzwischen setze sich dieses Fest dank vieler Ehrenamtler über 55 Jahre immer weiter fort.

Während heute ein großes Kinderfest mit Spielständen, Kettenkarussell und Hüpfburg das Kinderschützenfest begleitet, stand für die Kinder der 1960er-Jahre die Kopie der „Großen“ im Vordergrund. „Um auch auf einen Vogel schießen zu können, mussten wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Ebel. So wurde der Rumpf aus einer Rübe geschnitzt, zwei Brettchen wurden als Flügel seitlich hineingesteckt und schon konnte im Garten der Familie Holthoff das Schießen mit dem Luftgewehr stattfinden. Das ist heute nicht mehr so einfach möglich (siehe Infos unten im Artikel).

Kinderschützenfest des Schützenvereins Norddinker, Frielinghausen, Vöckinghausen

Auch Erwachsene haben viel Freude

Für eine Blaskapelle sei natürlich kein Geld da gewesen, doch durch gute Freunde und Förderer habe man wenigstens eine richtige „Knüppelmusik“-Kapelle gehabt. So seien die Kinder stolz durch das Dorf gezogen und hätten im Saal der Gaststätte Richter gefeiert. Bei Limonade, Kakao und Kuchen habe über zwei Tage eine wunderbare, ausgelassene Stimmung geherrscht, sagt Fink.

Inzwischen wurde das Kinderschützenfest auf den Schützenfestsonntag gelegt. Passend zum neuen Millennium schrieb Sarah Vedder Schützengeschichte, indem sie 2000 als erstes Mädchen den Vogel abschoss. Durch den Einsatz der vielen Unterstützer wird immer mehr Spiel und Spaß geboten und so haben auch Erwachsene viel Freude an der Veranstaltung: „Wir sind einige Familien im Verein, die sich reihum um das Fest kümmern“, sagt Andreas Hartleif, der an diesem Tag die Moderation übernahm.

Wiedersehen und alte Geschichten erzählen

Gerade das Kaiserschießen habe auch deshalb eine gewisse Sonderstellung, weil sich viele, die nicht mehr am Ort wohnen, zum Schützenfest wieder einfinden und bei dieser Gelegenheit in Erinnerungen schwelgen, erklärt Hartleif. Das sagt auch die Majestät: „Ja sicherlich, ich wohne heute in Werl, aber das Schützenfest ist nach wie vor ein Pflichttermin“, sagt der frisch gebackene Kaiser Niggemann.

Auch wenn sein Königsschuss aus dem Jahr 1996 mehr als 20 Jahre her sei, so mache es ihm und den Gleichaltrigen viel Spaß, sich wiederzusehen und die alten Geschichten zu erzählen. Bei aller Nostalgie sei es aber am schönsten zu sehen, wie viel Freude die Kinder auch heute noch daran haben.

Schaumstoff statt Kugeln

Die jüngsten Regenten werden mit Spielzeugpistolen ermittelt.

Um den Auflagen im Schießsport zu entgehen und den Kindern trotzdem einen spannenden Wettkampf zu bieten, hatten sich die Organisatoren der Kinderschützenverein-Abteilung etwas einfallen lassen: Die Kinder schossen mit Schaumstoff-Geschossen aus „Nerf-Pistolen“ auf ein Adlerbild aus Holzstäbchen. Das war schwieriger als gedacht.

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