Prozess nach Vorfall auf Viktoriastraße in Hamm

Schüsse auf SEK-Kräfte: „Nur durch Zufall niemand getötet“

SEK-Einsatz: Beamte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei
+
SEK-Beamte waren im Sommer 2020 im Hammer Westen im Einsatz. (Symbolbild)

Bei einem SEK-Einsatz in der Viktoriastraße soll ein 43-jähriger Waffennarr aus Hamm Ende Juni auf mehrere Polizisten geschossen haben. Im klassischen Sinne bestraft werden kann er dafür aber wohl nicht.

Dortmund/Hamm – Schon zu Beginn des Prozesses vor dem Dortmunder Schwurgericht stand fest: Der Beschuldigte litt zur Tatzeit an einer so schweren psychischen Erkrankung, dass er mindestens als eingeschränkt schuldfähig, möglicherweise sogar als komplett schuldunfähig gilt.

Die Richter müssen in der Verhandlung deshalb eigentlich nur noch zwei Fragen klären: Hat der Mann wirklich absichtlich mit einer zur scharfen Waffe umgebauten Schreckschusspistole auf Polizeibeamte geschossen? Und wenn ja: Ist er deshalb eine so große Gefahr für die Allgemeinheit, dass er zu deren Schutz für unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss?

Seit seiner Festnahme am frühen Morgen des 24. Juni ist der Beschuldigte bereits vorläufig in einer solchen Einrichtung untergebracht. In Lippstadt-Eickelborn kümmern sich Ärzte und Therapeuten um seine Erkrankung – und verzeichnen dabei anscheinend auch schon erste Erfolge.

Antworten wie von einem gesunden Mann - aber...

Als der 43-Jährige zu Prozessbeginn von zwei Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt wurde, machte er einen ruhigen und besonnenen Eindruck. Und auch, als der Vorsitzende Richter Thomas Kelm später die biographischen Eckdaten abfragte, kamen die Antworten wie von einem gesunden Mann.

Noch im Frühjahr soll der 43-Jährige dagegen ganz anders drauf gewesen sein. Und spätestens, als sich herumsprach, dass er offenbar mindestens eine scharfe Waffe in seiner Wohnung an der Viktoriastraße aufbewahrte, entschloss sich die Polizei, einzugreifen.

Am Tattag stürmte ein Spezial-Einsatzkommando aus Dortmund die Erdgeschoss-Wohnung des Beschuldigten, indem die Beamten von außen sämtliche Fenster aufbrachen.

Im Amtsdeutsch der Antragsschrift, die von der Staatsanwaltschaft verlesen wurde, hörte sich das so an: „Kaum hatten die SEK-Beamten die Fenster entglast, eröffnete der Beschuldigte aus wenigen Metern das Feuer. Nur durch Zufall wurde niemand getroffen und getötet.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare