Geburtsurkunde nach 10 Wochen

Stadt Ahlen hat Einsehen: Odyssee einer Hammer Mutter endlich beendet

Klaudie und Alexander Schrutek aus Hamm warten auf die Geburtsurkunde.
+
Der kleine Alexander ist schon viel größer – und seine Mutter Klaudie Schrutek hat nun endlich seine Geburtsurkunde.

Zehn Wochen nach seiner Geburt im Ahlener Krankenhaus hat der kleine Alexander Schrutek seine Geburtsurkunde vom Ahlener Standesamt erhalten.

Hamm - Für Mutter Klaudie Schrutek geht damit eine nervenaufreibende Ämter-Odyssee zu Ende. Zum Verhängnis geworden ist der 41-Jährigen die eigene Geburtsurkunde. Die wurde einst in Tschechien ausgestellt auf den Namen „Klaudie Schrutková“, in Tschechien ist es Usus, den Nachnamen von Frauen um ein „-ková“ zu ergänzen (der WA berichtete). Klaudie Schrutek kam kurz nach ihrer Geburt nach Hamm, wurde hier ordentlich angemeldet und hat einen Personalausweis, der sie als Deutsche und Klaudie Schrutek ausweist. Doch das wollte das Ahlener Standesamt nicht gelten lassen. Im Laufe des Verfahrens wurde sogar angezweifelt, ob Schrutek, die kein Tschechisch spricht und hier Schule und Universität besucht hat, überhaupt die deutsche Staatsbürgerschaft besitze.

Im Zuge des immer absurder werdenden Verfahrens reiste Schruteks Vater nach Tschechien, um dort eine neue Geburtsurkunde für seine Tochter zu beantragen. Die bekam er – und drin stand wieder „Schrutková“. Der Aufenthalt des Vaters in Tschechien verlängerte sich ob der sich zuspitzenden Corona-Lage um mehrere Wochen – er musste in Tschechien in Quarantäne, ist aber in der vergangenen Woche wohlbehalten bei seiner Familie eingetroffen.

Ahlen beharrte auf weitere Beweise

Auch nachdem Schrutek die Situation öffentlich gemacht und sich an den Ahlener Bürgermeister gewandt hatte, beharrte das Amt auf der Erbringung von Beweisen für Schruteks Identität, so dass Schrutek schließlich einen Anwalt einschaltete.

„Im dritten und letzten Schreiben meines Anwalts verwies er auf die Gesetzgebung nach §3 Abs. 2 StAG, wonach spätestens seit 1993 meine deutsche Staatsangehörigkeit bewiesen ist. Der Personalausweis, den ich seit über vierzig Jahren besitze, hatte ja nicht ausgereicht. Zudem war eine Kopie der Urkunde der Stadt Hamm dabei, die mir nochmals meinen Nachnamen bestätigte.“

In Hamm hätte es keine Probleme gegeben

Ob dieses Schreiben das Zünglein an er Waage gewesen ist, kann Schrutek nur vermuten. Die Geburtsurkunde für Alexander sei ohne Erklärung in ihrem Briefkasten gelandet. Die 41-Jährige fühlt sich als Opfer von Ämterwillkür. Zum einen sah sie sich mit Forderungen konfrontiert, die sie nicht erfüllen konnte, zum anderen signalisierte man ihr beim ebenfalls eingeschalteten Standesamt in Hamm, dass man mit den vorhandenen Dokumenten ohne Weiteres eine Urkunde für Klein-Alexander erstellen könne, aber den Hammern eben die Hände gebunden seien, weil die Urkunde im Geburtsort ausgestellt werden müsse.

„Wie kann es sein, dass ich nun zehn Wochen nach der Geburt meines Kindes ganz plötzlich eine Geburtsurkunde bekomme, obwohl ich keine der Forderungen des Standesamtes Ahlen erfüllt habe? Wie kann es sein, dass das eine Standesamt mir sagt, ich hätte schon längst eine Geburtsurkunde bekommen mit den vorhandenen Unterlagen, und das andere Standesamt so ein Theater veranstaltet?“, fragt sich Schrutek, die nun endlich den Antrag auf Kindergeld stellen kann.

„Ich bleibe nun auf den ganzen Kosten sitzen für Übersetzungen, überflüssige Urkundenausstellungen, Rechtsanwalt und unzählige Telefonate nach Tschechien – von der Reise meines Vater nach Tschechien ganz zu schweigen“, ärgert sie sich. „Das war mit Sicherheit das erste und das letzte Kind, das ich in Ahlen auf die Welt gebracht habe!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare