Im Westen viel Neues

Zottelmähne und Knuddeloptik: Darum weiden Hochlandrinder im „Erlebensraum“

Große und kleine Hochlandrinder wie dieser werden schon bald im Hammer Westen heimisch sein.
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Mit Zottelmähne und Knuddeloptik: Große und kleine Hochlandrinder wie diese werden schon bald im Hammer Westen heimisch sein.

Im Westen viel Neues: Stand der so genannte Teilabschnitt 3 des „Erlebensraums Lippeaue“ bislang außerhalb der allgemeinen Wahrnehmung des riesigen Ökoprojekts, so ändert sich das in diesem Sommer. Denn dort kehrt ebenso besonderes wie wichtiges Leben ein.

Hamm - Auf einer neu definierten riesigen Weide wird bis Ende Juli – noch wird am Zaun gebaut – eine Herde schottischer Hochlandrinder angesiedelt, die sicherlich auch neue menschliche Besucher anlocken wird. Doch die kultigen Vierbeiner muten nicht nur urig an, sie haben auch eine herausragende Bedeutung für die Renaturierung des 16 Hektar großen Areals westlich des Bahndamms. Damit aber nicht genug der Neuigkeiten. Die Pressestelle der Stadt Hamm hat Fragen der Redaktion beantwortet.

Wie viele Tiere werden auf der Fläche künftig weiden? Werden auch Jungtiere darunter sein?

Es wird zwei Herden mit unterschiedlichen Rinderrassen geben. Eine Herde mit Hochlandrindern, die eine etwa 16 Hektar große Fläche das ganze Jahr beweiden wird und eine Herde Fleckvieh, die eine etwa 4,5 Hektar große Fläche als extensive Sommerweide beweiden wird. Auf der Ganzjahresweide werden zwischen 10 und 15 Hochlandrinder sein, darunter auch Jungbullen), auf der Sommerweide sind es dann zwischen 5 und 10 Fleckvieh-Tiere (darunter auch Mutterkühe mit Kälbern). Die Herdengröße soll variabel an den Aufwuchs der Fläche angepasst werden.

Mehr Platz für Hunde schützt andere Tiere

Rund 30 Meter westlich der Hochlandrinderweide und noch im „Erlebensraum Lippeaue“ wurde die bestehende Hundeauslauffläche kürzlich um eine Hundeauslaufstrecke erweitert. Damit soll die neue Weidefläche geschützt werden. Die Erweiterung soll Hundebesitzern nach dem Willen der Stadt Anreize geben, vermehrt den Bereich außerhalb des Auenbereichs für den Freilauf zu nutzen.

Teilbereiche der künftigen Weidefläche wurden in der Vergangenheit nämlich sowohl von Spaziergängern als auch für den Hundefreilauf genutzt, teils auf wilden Trampelpfaden. Das ist vor allem während der Brutzeit (in der Frühlingszeit in der Regel bis etwa Juli) von gefährdeten Bodenbrütern wie dem Kiebitz oder der Feldlerche ein großes Problem.

„Spaziergänger sind mit angeleinten Hunden auf den Wegen in der Lippeaue auch weiterhin gern gesehenen Besucher“, betont ein Stadtsprecher. 

Woher kommen die Tiere? Wo und unter welchen Umständen sind sie aktuell untergebracht?

Der Pächter der „neuen“ Weidefläche ist ein Hammer Landwirt, der seit vielen Jahren Hochlandrinder in Hamm hält und züchtet, daher werden für die Beweidung im Rahmen des „Erlebensraum Lippeaue“ nicht extra Tiere angeschafft oder nach Hamm transportiert.

Warum wurden ausgerechnet schottische Hochlandrinder für die Beweidung in diesem Areal ausgesucht?

Schottische Hochlandrinder eignen sich durch ihre Robustheit besonders für die extensive Ganzjahresbeweidung. Die Rasse wird schon seit Jahrhunderten im schottischen Hochland gehalten und kommt deshalb auch mit schlechteren Witterungsverhältnissen zurecht. Für die Entwicklung und Pflege von wertvollen naturnahen Lebensräumen eignen sich Extensivrassen wie die schottischen Hochlandrinder aufgrund ihres speziellen Fraß-, Tritt- und Weideverhaltens. Sie schaffen dadurch ein Mosaik aus unterschiedlich strukturierten Kleinstlebensräumen, in denen viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum finden.

Weide im Westen: Unweit des Bahndamms (im Hintergrund) wurden die Zaunpflöcke für das 16 Hektar große Hochlandrinder-Areal gesetzt.

Auf der kleineren Sommerweide sorgt das Fleckvieh gerade durch die geringe Besatzdichte für eine naturverträgliche Entwicklung von Natur und Landschaft. Durch die andere Form der Weidehaltung und das etwas andere Weideverhalten (das Fleckvieh ist hornlos) wird sich hier ein etwas anderes Landschaftsbild ergeben. Sodass sich in Kombination mit den angrenzenden Mähwiesen eine hochdiverse offene Kulturlandschaft entwickeln wird.

Das Ziel auf beiden Weideflächen ist die Entwicklung von artenreichen Offenlandökosystemen.

Von wo aus werden sich die Tiere künftig am besten beobachten lassen?

Die beste Sicht wird man vom Flügeldeich Am Nienbrügger Berg und vom Fußweg der Eisenbahnbrücke am Friedhof Hamm-Norden aus haben, da man von dort einen Großteil der Weidefläche überblicken kann. Wichtiger Tipp dazu von Dr. Sebastian Hoppe von der Landwirtschaftskammer NRW: „An den Weiden sollte man sich gegenüber den Rindern immer ruhig verhalten und keine ruckartigen Bewegungen ausführen, um die Tiere nicht zu verunsichern und zu stressen.“

Kommt die neue Lippeschleife doch noch?

Die Verlängerung der Lippe durch eine neue Schleife um rund 700 Meter galt ursprünglich als größte „Erlebensraum“-Maßnahme westlich des Bahndamms beziehungsweise auf Bockum-Höveler Gebiet. Aus Planungs-, aber auch Kostengründen infolge fehlender Fördergelder des Landes wurde die Idee 2019 vom Lippeverband (er ist „Erlebensraum“-Partner der Stadt Hamm) aber vorläufig verworfen. Seitdem ist der „Rückbau“ der Lippe dort nicht mehr Teil des bis Ende 2022 fertigzustellenden Gesamtprojekts.

Komplett aufgegeben ist die Idee aber nicht, wie ein Stadtsprecher auf Nachfrage betont: „Alle Partner würden diese Maßnahme gerne zu einem anderen Zeitpunkt umsetzen.“

Umgesetzt werden die Maßnahmen für den „Erlebensraum Lippeaue“ gemeinsam vom Lippeverband und der Stadt Hamm. Das Projektgebiet erstreckt sich auf etwa 195 Hektar zwischen der Fährstraße im Osten und der Römerstraße im Westen. Der Umbau der Auenlandschaft erfolgt während der etwa sechsjährigen Projektlaufzeit in drei Teilabschnitten. Mit der Fertigstellung ist Ende 2022 zu rechnen.

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