Schrott war gestern: Zu Besuch in den Neubauten der Waldenburger Straße

Eingang mit viel Glas: Die Firma Wilczek hat das Haus gebaut.
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Eingang mit viel Glas: Die Firma Wilczek hat das Haus gebaut.

Schön statt Schrott: Die Nachfolgebauten der Hochhäuser an der Waldenburger Straße in Hamm-Herringen sind fertig.

Herringen - Auf diesen Moment hat Erwin Reichert lange gewartet: Raus aus der kleinen Mietwohnung in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses, rein ins Adolf-Michael-Krippner-Haus ganz in der Nähe. Dort, an der Ecke Holzstraße/Waldenburger Straße, bewohnen Reichert, seine Frau und seine Tochter, die beide auf einen Rollstuhl angewiesen sind, zwei barrierefreie Wohnungen im Erdgeschoss. „Wir sind so glücklich. Endlich ist das Treppensteigen vorbei“, sagt Reichert wenige Tage nach dem Umzug.

Was sofort auffällt: Das Gebäude ist großzügig angelegt. Flure und Treppen sind sehr breit, es gibt einen Aufzug und große Gemeinschafts-Kellerräume für Waschmaschinen und Trockner sowie für Fahrräder und Rollatoren. Das Ehepaar Reichert und ihre Tochter sind hier zwei von 33 Mietparteien, die in dem von der Firma Wilczek errichteten Gebäude ein neues Zuhause gefunden haben. Nebenan befinden sich noch drei Seniorenbungalows. Insgesamt habe man, wie Geschäftsführer Dirk Wilczek sagt, sechs Millionen Euro investiert, das Land NRW habe den Bau mit 3,8 Millionen Euro gefördert.

Bis vor wenigen Jahren standen hier Hochhäuser, die schon mal als „Die Mutter der Hammer Schrottimmobilien“ bezeichnet werden. Die drei Hochhäuser an der Waldenburger Straße waren in schlechtem Zustand. Anfang 2014 wurde bekannt, dass sie an einen Investor verkauft werden sollten: Er hatte offenbar vor, sie an 300 Menschen zu vermieten, die in der Fleischindustrie arbeiten. Zu viert oder fünft sollten sie jeweils in einer Wohnung untergebracht werden. Die schlechten Wohnbedingungen und die kaum mögliche Integration dieser Arbeiter sorgten dafür, dass Politiker und Bürger die Hochhäuser für einen Problemfall hielten. Im Frühjahr 2014 beschloss der Rat, dass die Stadt das Gebäude aus einer privaten Insolvenzmasse für 2,3 Millionen Euro kaufen, abreißen und neu entwickeln sollte.

Bild von 2014: Der Eingang eines der drei Hochhäuser.

Durchbruch im Februar 2018

Im November 2015 wurden die Sieger eines Architekten- und Investorenwettbewerbs präsentiert. Da es nicht voran ging, trennte sich die Stadt im Spätsommer 2017 vom Sieger. Auch die Zweit- und Drittplatzierten des Wettbewerbs stiegen aus. Im Februar 2018 gelang der Durchbruch. Der Viertplatzierte, Wilczek Immobilien Management Hamm, kündigte den Bau von 33 Seniorenwohnungen, drei Bungalows und zwölf Miet-Einfamilienhäusern an. Die restlichen Grundstücke werden durch die Stadt vermarktet.

Öffentlich gefördert wurde der Neubau unter anderem, damit hier Wohnraum in einem vergleichsweise niedrigen Preisbereich entsteht. Nun sind die Mietpreise gedeckelt, sie liegen bei 5,90 Euro pro Quadratmeter. Die Bewohner verfügen alle über sogenannte Wohnberechtigungsscheine. Viele kannten sich bereits, wie Mark Jörrißen – er ist bei Wilczek für die Gebäudeentwicklung zuständig – berichtet. Dementsprechend groß sei das Hallo bei der Übergabe der Wohnungen und dem Einzugsbeginn Mitte Juni gewesen.

Die ersten Mieter wohnen im Adolf-Michael-Krippner-Haus. Gebaut wurden Seniorenwohnungen.

Bis auf Kleinigkeiten sind die Arbeiten in der Seniorenwohnanlage abgeschlossen. Sie hat drei Gemeinschaftsräume, ein Raum hat eine Toilette sowie eine kleine Küchenzeile. Pandemie-bedingt habe die aber noch nicht eingebaut werden können, bedauert Jörrißen. Vor allem dieser Raum solle künftig für kleinere Feiern oder Beratungsgespräche genutzt werden.

Der Namensgeber

Adolf-Michael Krippner (1938 bis 2020) hat sich auf vielen Ebenen engagiert. Er war elf Jahre lang Vorsitzender der SPD und saß für sie in verschiedenen politischen Gremien. Als Architekt hat „Adi“ im Westen der Stadt Hamm viele Leuchttürme geschaffen, darunter das Hotel im Selbachpark, die Glückaufhalle, den Anbau der Arnold-Freymuth-Schule (damals noch Falkschule) sowie die Seniorenwohnanlage an der Fritz-Husemann-/Ecke Beverstraße.

Arbeiten im Quartier noch nicht beendet

Die Bewohner des Hauses können den Garten gemeinsam mit den Menschen der gegenüber liegenden Seniorenbungalows gestalten, teilen auch die Parkplätze. Hier müssten noch einige Anpflanzungen erfolgen.

Damit sind die Arbeiten in dem Quartier noch nicht beendet. Südlich der Seniorenwohnanlage entstehen in Kürze zwölf ebenfalls öffentlich geförderte Miet-Einfamilienhäuser, 97 beziehungsweise 112 Quadratmeter groß. Aktuell läuft im Auftrag von Wilczek und der HGB die Erschließung des Bereichs, der Baubeginn ist für das Ende des dritten Quartals geplant. Noch offen ist, wann die Häuser bezogen werden können. Denn das Hammer Unternehmen hat mit Problemen zu kämpfen – so wie die gesamte Baubranche. Eines davon ist der Mangel an Baustoffen. Hinzu kämen die gestiegenen Baukosten, pro Haus sind das etwa 20.000 Euro. Diese durch die Miete aufzufangen, sei an dieser Stelle nicht möglich. Man dürfe nur 5,90 Euro pro Quadratmeter nehmen, sagt Wilczek.

Bauherr: Wilczek Immobilien Management Hamm

Wohnungen: 33 mit 45 Bewohnern plus drei Seniorenbungalows

Wohnungsgröße: 49, 62 und 67 Quadratmeter

Baukosten: Rund 6 Millionen, davon 3,8 Millionen Landesförderung

Mietpreis: 5,90 pro Quadratmeter

Versorgung: Luft-Wasser-Wärme-Pumpe

Betreuung (niederschwellig): DRK

SPD spricht von einem „tollen Tag“

Dennoch sprach die SPD Herringen von einem „tollen Tag“. Mit dem Adolf-Michael-Krippner-Haus sei dringend benötigter, kostengünstiger Wohnraum für Senioren geschaffen worden, freut sich Ratsherr Franz Tillmann, der sich seinerzeit für das Projekt stark gemacht hatte. Der Wilczek-Entwurf sei für ihn und seine Parteifreunde von Beginn an der Favorit gewesen.

Warum der Architektenund Investorenwettbewerb erst andere Sieger hervorbrachte, erschließt sich ihm und Ratsherr Andreas Feike nicht. Nachdem die anderen abgesprungen waren, kam dann doch noch das Hammer Unternehmen zum Zuge. Hier sei wertvolle Zeit verschenkt worden, so Tillmann. Feike wertet das Haus als „Visitenkarte des Quartiers“. Was ihn und seine Parteifreunde besonders freut: Durch die Namensgebung habe Adolf-Michael Krippner eine späte Ehrung erhalten.

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