Die Situation in Hamm

Schnelltests als Terminbremse: Friseure mit Umsatzeinbrüchen

Mundschutz ja, aber Schnelltest? Friseurkunden sind zurückhaltender geworden.
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Mundschutz ja, aber Schnelltest? Friseurkunden sind zurückhaltender geworden.

Für Geimpfte und Corona-Genesene in Nordrhein-Westfalen gilt die Schnelltestpflicht nicht mehr. Somit sind Friseurbesuche in Hamm nun wieder möglich, ohne zuvor einen solchen Test vorlegen zu müssen.

Hamm – „Aus Sicht der Friseure ist das eine Entwicklung, die einiges erleichtert“, sagt deren Hammer Innungsobermeister Ingo Lanowski. Er denkt dabei vor allem an die älteren, nicht mehr so mobilen Menschen, für die die Beschaffung eines 24 Stunden lang gültigen Nachweises mit einem hohen Aufwand verbunden war. Aber auch für die Salons bedeutet die Entscheidung einen Lichtstreif.

Anfang März war der Lockdown für die Friseure beendet. Die Menschen rannten ihnen förmlich die Läden ein – zu langen Haare, verblassten Tönungen und deutlich zu erkennende Ansätzen sei Dank. „Das waren Bombenmonate“, meint Susanne Herboth, die an der Ostenallee und im Seniorenheim an der Marker Allee Niederlassungen betreibt. Später, als alle Haare einmal geschnitten waren, kehrte wieder „eine leichte Normalität“ ein, wie es Sema Özmen Kilic, Inhaberin von „Schnittfest“ an der Hammer Straße, nennt: „Dann wurde es holprig.“

Durch die bundesweite Notbremse musste jeder zum Friseurtermin einen aktuellen, offiziellen und natürlich negativen Schnelltest mitbringen – Kundenbesuche und Umsätze gingen zurück. Zumal in Hamm die Friseure nicht selbst die Tests anbieten dürfen. Etwa 30 Prozent sei weggebrochen, schätzt Lanowski das Ausmaß für die Salons in Hamm und der Region. „Das ist existenzbedrohend“, sagt der Inhaber von „Ingo & Hair Team“ an der Soester Straße, der auch stellvertretender Vorsitzender im Landesverband ist.

Viel Aufwand vor allem für die reifere Kundschaft

„Wir haben viel Leerlauf“, sagt Özmen Kilic. Bei Susanne Herboth, die 23 Mitarbeiter beschäftigt, sitzen nur zwei Kunden, als sie darüber spricht, über eine Rückkehr zur Kurzarbeit oder eine Reduzierung auf eine Fünf-Tage-Woche nachzudenken. Sicher kein Einzelfall. „Manche nehmen es ganz locker und sagen ‚kein Problem‘“, hat Sandra Kudlek, Mitarbeiterin im Salon Schulte, Susanne und Team am Dasbecker Weg, in der Zeit nach der Einführung der Testpflicht beobachtet. Aber es hagelte eben auch Terminabsagen. „Das haben wir richtig gemerkt. Manche sind einfach gar nicht gekommen.“

Vielen sei der Aufwand zu groß gewesen. „Kunden sagen, dafür stelle ich mich nicht in Schlange“, erklärt Kudlek. Lanowski betont zwar, dass die Hammer grundsätzlich offen für die Regelung gewesen wären und der Testpflicht nachkämen. Auch gebe es in der Stadt mehr Testmöglichkeiten als anderswo. Aber „gerade für die reifere Kundschaft war es mit viel Aufwand verbunden“. Kudlek ergänzt: „Viele ältere Leute sind nicht so mobil, dass sie da an einem Tag hinkommen.“ Dazu käme die Unsicherheit, was gerade gelte, meint der Innungsobermeister. Manchmal muss ein geimpfter Kunden sogar wieder weggeschickt werden, weil er keinen Schnelltest dabei hatte, berichten die Friseure.

„Es sind ja kaum Leute vollständig geimpft“

Aktuell muss ein Kunde (etwas vereinfacht) eine vor 14 Tagen abgeschlossene vollständige Impfung oder eine Corona-Erkrankung (mindestens 28 Tage her, maximal sechs Monate) nachweisen. Maskenpflicht, Abstand und Hygienemaßnahmen gelten weiter. „Ich komme mir vor wie beim Arzt“, sagt Özmen Kilic leicht übertreibend dazu, was sie und ihre Kolleginnen nun am Eingang alles kontrollieren müssen. Grundsätzlich funktioniere das aber „super“, betont Lanowski, der zudem lobt, dass die Politik eine pragmatische Lösung für die Überprüfung gewählt hat. Nachweis vorzeigen reicht. Schade findet er allerdings, dass es seiner Innung nicht gelungen ist, die Friseure der Impfprioritätsgruppe 3 zuzuordnen. NRW-Gesundheitsminister Laumann habe das aus Kapazitätsgründen abgelehnt.

Die derzeitige Lösung für Geimpfte und Genesene wird derweil allgemein begrüßt. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass die Läden jetzt wieder schlagartig voll werden. „Es sind ja kaum Leute vollständig geimpft“, meint Herboth. In einigen Wochen könne das schon deutlich besser aussehen, glaubt sie.

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