Schneeregen in der Wohnung: Wie der Kurz-Winter eine Hammerin quälte

Schüsseln und Töpfen: Sigrid Lettow hat alles aufgestellt, um den „Schneeregen“ in ihrer Wohnung aufzufangen.
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Schüsseln und Töpfen: Sigrid Lettow hat alles aufgestellt, um den „Schneeregen“ in ihrer Wohnung aufzufangen.

[Update] „Land unter“ herrschte bei Sigrid Lettow in Hamm: Was in der Wohnung der 64-Jährigen als Tröpfeln begann, fühlte sich für sie schon bald fast wie eine Sintflut an. Inzwischen tut sich etwas bei ihr.

Hamm - Die Ursache war schnell gefunden: Wahre Schneemassen hatten sich unter dem Dachgiebel des Hauses Ackerstraße 19 gesammelt. Sigrid Lettow hat die Wohnung direkt unter dem Dachgeschoss gemietet und stellte abends erschrocken fest, dass es durch die holzvertäfelte Decke tropfte. Da hatte der Schnee begonnen, zu schmelzen.

Zusammen mit Nachbarn versuchte Lettow in ihrer Not, den Vermieter zu erreichen – vergeblich. Zu Hilfe kam die Feuerwehr, die in einem knapp einstündigen Einsatz Schnee in Plastiksäcken vom Dachboden transportierte. Nur die ersten Säcke passten in Lettows Badewanne, den Rest schleppten die Feuerwehrleute ins Freie – „insgesamt rund zwei Kubikmeter“, teilte Stadtsprecher Tobias Köbberling mit.

Das Dach des Hauses an der Ackerstraße 19 ist nicht gedämmt. „Anscheinend durch den starken Wind während des Schneefalls wurde der Schnee durch die Lüftungspfannen und Ritzen zwischen den Pfannen in den Dachstuhl gedrückt“, so Köbberling. Für den „Service“ der Feuerwehrleute müsse Vermieter Manuel Dargel nichts bezahlen: „Es handelte sich um eine Hilfeleistung zur Vermeidung der Schadensausbreitung.“ Es sei darum gegangen, weitere Gebäudeschäden zu vermeiden.

Eine Wanne voller Schnee: Das war am Freitag nur ein Bruchteil dessen, was die Feuerwehrleute vom Dachgeschoss nach unten und schließlich ins Freie geschleppt haben.

Zweiter Akt durch steigende Temperaturen

Der zweite Akt des Dramas folgte Anfang der Woche, als mit zunehmend warmen Temperaturen zurückgebliebener Schnee schmolz. Am Dienstag dann „regnete“ es durch die Wohnungsdecke wie sonst nur im Freien. Sigrid Lettow hat überall Schüsseln und Töpfe aufgestellt und Plastikplanen ausgebreitet, um wenigstens einen Teil des Schmelzwassers aufzufangen.

Auch die Feuerwehr war am Dienstag wieder vor Ort, um sich den Schaden anzusehen. Die Helfer hatten allerdings nur den Rat, die Heizung nicht anzustellen, sonst komme noch mehr Schmelzwasser auf einmal in die Wohnung. Ob die überhaupt noch bewohnbar ist angesichts der Nässe und der Kälte, sollte ein Mitarbeiter des Bauordnungsamtes feststellen, das Lettow um Hilfe gebeten hatte.

Schnee auf dem Dach in der Ackerstraße: Sieht gar nicht so dramatisch aus, hatte aber üble Folgen.

Aktion Trockenlegung seit Dienstag

Mittlerweile hat sich Vermieter Manuel Dargel in der Redaktion gemeldet und mitgeteilt, dass er umgehend reagiert habe, als er von dem Schaden erfahren hatte. Bereits am Dienstag sei der Dachdecker vor Ort gewesen, und in Lettows Wohnung wurde ein Trocknungsgerät aufgestellt. „Es wird zeitnah alles instand gesetzt, sobald es die Witterung zulässt“, verspricht Dargel. Und zu den Schäden in Lettows Wohnung sagt er: „Wir werden eine Lösung finden.“

Anders als von der Stadt Hamm zunächst dargestellt hat es nicht bereits am Freitag Kontakt zwischen Manuel Dargel und dem Bauordnungsamt gegeben. „Da handelte es sich wohl um ein internes Missverständnis“, teilte Stadtsprecher Tobias Köbberling auf Nachfrage mit. Tatsächlich nahm das Amt erst am Dienstag Kontakt mit Dargel auf – der dann umgehend reagierte.

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