„Wann fangen Sie endlich an, Schnee zu schieben?“

Hammer Schneechaos: Spediteur schreibt Wut-Brief an die Stadt

Die Lkw der Firma Köhler pendeln unter anderem zwischen Hamm und Werl.
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Die Lkw der Firma Köhler pendeln unter anderem zwischen Hamm und Werl. In der Nachbarstadt sind die Straßen deutlich besser befahrbar.

Die Lkw stocken, die Nerven liegen blank. Bei vielen Verkehrsteilnehmern ist der Ärger darüber groß, wie wenig die Straßen in Hamm geräumt waren beziehungsweise immer noch sind.

Hamm – Marcus Köhler, Verkehrsleiter beim Hammer Speditionsunternehmen Cargo Köhler, wandte sich am Mittwoch mit einem Beschwerdebrief an Oberbürgermeister Marc Herter und brachte seinen Frust über den Zustand der Straßen in Hamm nach den heftigen Schneefällen am Sonntag und Montag darin zum Ausdruck.

„Wann fangen Sie endlich an, Schnee zu schieben und Salz zu streuen?“, fragt er in seinem Schreiben und fügt hinzu: „Selbst Ihre Nachbargemeinden bekommen es hin, und vielleicht glauben Sie es kaum, aber auch im Rothebach sind die Bürgersteige schneefrei. Das erwarten Sie in der Ortssatzung. Leider werden die Gesetze nur für den Bürger und seine Pflichten gemacht, die Stadt darf mit den Achseln zucken, und das war es dann.“

Schnee-Wut in Hamm: „Wir fahren sogar mit Schneeketten“

So ist das Unternehmen des 47-Jährigen unter anderem für die Produktionsentsorgung eines Lebensmittelherstellers am Hafen verantwortlich und muss die Ware von Hamm in das Logistikzentrum nach Werl befördern. Unter normalen Umständen kein Problem, derzeit aber aufgrund der schneebedingten Situation auf der B63 ein mehr als schwieriges Unterfangen. „Wir fahren in zwei Schichten mit zwei Sattelschleppern, und selbst in der Nacht kommen wir nicht auf die übliche Taktzahl. Denn es ist nicht gestreut, nicht geschoben“, erkärt Köhler und betont: „Wir fahren sogar mit Schneeketten.“

Köhler wirft der Stadt dabei vor, dass schon am Freitag und Samstag präventiv hätte Salz gestreut werden können, damit der Schnee erst gar keine Chance gehabt hätte, auf den Hauptverkehrsstraßen der Stadt liegen zu bleiben. „Man hat zu spät reagiert. Als gestreut wurde, da war das Kind doch schon in den Brunnen gefallen“, erklärt er. „So bleiben doch jetzt auf dem festgefahrenen Schnee, der immer eisiger und rutschiger wird, an den kleinsten Steigungen Lkw liegen und bringen den Verkehr zum Erliegen.“

Schnee-Wut in Hamm: Stadt wehrt sich und nennt Gründe

Stadtsprecher Detlef Burrichter betont allerdings, dass das Salz, das die Stadt Hamm eingelagert hat, nur bei einer Temperatur von über minus fünf Grad funktionieren würde und daher den Mitarbeitern des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebs (ASH) die Hände gebunden waren. „Bei noch tieferen Temperaturen benötigt man sündhaft teures Spezialsalz, das an Flughäfen oder an Steigungen auf Autobahnen eingesetzt wird. Das haben wir in Hamm aber nicht eingelagert und das hat auch keine andere Kommune herumliegen. Unser Salz hat bei minus sieben oder acht Grad keine Wirkung“, sagt Burrichter, der versprach, dass bei einem Temperaturanstieg sofort gestreut werden würde (Red.: was seit Donnerstagmorgen offenbar doch passiert).

Lkw-Fahrer fährt beim Räumdienst mit

Trotz Schnee- und Rutschärger hat Marcus Köhler auch Verständnis für die Lage der Stadt und dass hier weniger Personal sowie Streu- und Räumungsfahrzeuge zur Verfügung stünden als zum Beispiel in Gemeinden im Sauerland. Daher hat Köhler das Angebot von ASH-Geschäftsführer Reinhard Bartsch angenommen, bei einer Räum-Schicht mitfahren zu dürfen. „Man darf sich nicht nur beschweren, sondern man muss auch mit anpacken. Und da ich nun mal einen Lkw fahren kann, bin ich dabei, mache aus der Not eine Tugend und werde mitfahren“, sagt Köhler.

„Natürlich wissen wir von der Problematik, denn gerade dann, wenn die Lastwagen leer sind und nicht mehr genug Druck haben, kommen sie an leichten Anstiegen ins Rutschen und blockieren die Straßen. Diese Probleme haben wir an der Brücke im Hafen Richtung Bockum-Hövel, an der Umgehung auf der B63 zwischen der Westfalen-Tankstelle und McDonald’s und auch im Gewerbepark Rhynern, wo die Lager von einigen Lebensmittelunternehmen sind.“

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