Schneechaos in Hamm

Zugefrorene Straßen und rutschige Flure: Hammer Pflegedienste kämpfen sich durch den Schnee

Hamm im Schnee: Sonja Maaß vom Pflegedienst Pflegeleicht muss trotz zugeschneiter Straßen weiter Patienten versorgen.
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Hamm im Schnee: Sonja Maaß vom Pflegedienst Pflegeleicht muss trotz zugeschneiter Straßen weiter Patienten versorgen.

Das Schneechaos hat in den vergangenen Tagen an einigen Stellen den Verkehr lahmgelegt. Doch nicht jeder konnte aufs Auto verzichten. Ambulante Pflegedienste müssen ihre Patienten bei Wind und Wetter versorgen - selbst, wenn sie während ihrer Tour mehrfach aus dem Schnee befreit werden müssen. Der WA hat eine Pflegedienstmitarbeiterin begleitet.

Hamm - Sonja Maaß arbeitet seit gut drei Jahren als mobile Altenpflegerin und ist es gewohnt, bei jedem Wetter auf den Straßen in Hamm unterwegs zu sein. Doch der Schnee hat auch sie überrumpelt. „Mein Chef hat mir am Montag eine Schaufel vorbeigebracht, weil mein Auto bis zum Kofferraum im Schnee steckte“, berichtet die 48-Jährige.

Es ist 7.32 Uhr als Maaß bei ihrem fünften Patienten ankommt. Sie hinkt leicht hinterher, das ist bei der mobilen Pflege aber gar nicht so unnormal. „Wir liegen immer noch gut in der Zeit“, sagt sie, als sie aus dem Auto steigt. Der weiße Dienstwagen parkt mit Warnblinklicht auf der Straße, denn Seitenstreifen und Parkplätze sind an den meisten Straßen noch nicht geräumt. „Bisher gab es damit noch keine Probleme. Die Leute haben Verständnis“, sagt sie. Und stapft durch den Schnee zu Haustüre.

Schnee und Kälte erschweren die Arbeit der Pflegedienste in Hamm

„Wegen der Kälte funktioniert der Türöffner nicht!“ - heißt es auf einem Zettel an der Eingangstür. Weil Maaß nicht zu jedem Haus einen Schlüssel hat, muss die ältere Dame im Nachthemd durch den rutschigen Flur kommen und öffnen. Die Gespräche mit den Kunden, wie Maaß ihre Patienten lieber nennt, haben alle dasselbe Thema. „Wie sieht es da draußen aus? Ist es immer noch so Glatt? Ich bin froh, dass Sie trotz des Wetters zu mir kommen“, sagt die Dame und schaut aus dem Fenster auf die weiße Pracht.

Dank der Schneeketten kommen die Pflegekräfte gut durch den Schnee.

Maaß ist entspannt, selbst, als sie den Dienstwagen über eine dicke Schneeschicht lenkt. Die meisten Kunden wohnen an Nebenstraßen und die sind größtenteils noch nicht geräumt. „Seit wir die Schneeketten haben, ist das wirklich kein Problem mehr“, erklärt sie.

Nachdem sich die Mitarbeiter am Wochenende häufig festgefahren hatten, hat Chef Fabian Ahlert am Montag Schneeketten besorgt. „Für vier unserer sechs Autos habe ich welche bekommen, sie waren fast überall ausverkauft“, sagt er. Damit kommen die Pflegekräfte ganz gut voran.

Nicht jeder traut sich, bei Schnee Auto zu fahren

Statt der weißen Stoffhose trägt Sonja Maaß heute eine Thermoleggins. „Das macht bei dem Wetter einfach mehr Sinn“, sagt sie. Und auch die Zeit kann sie wieder aufholen, denn bei den nächsten Kunden muss sie nur Tabletten geben und Strümpfe anziehen.

So entspannt wie Maaß sind allerdings nicht alle Mitarbeiter. „Wir haben auch eine Kollegin, die Angst hat bei Schnee zu fahren. Für sie haben wir die Tour so umgeplant, dass sie die Kunden zu Fuß versorgen kann“, erklärt Kollegin Lisa Kati. In anderen Fällen stellt Chef Fabian Ahlert seinen Wagen zur Verfügung.

Schnee-Eindrücke aus dem Hammer Westen

Schnee-Eindrücke aus dem Hammer Westen im Februar 2021.
Schnee-Eindrücke aus dem Hammer Westen im Februar 2021.
Schnee-Eindrücke aus dem Hammer Westen im Februar 2021.
Schnee-Eindrücke aus dem Hammer Westen im Februar 2021.
Schnee-Eindrücke aus dem Hammer Westen

Trotz der erschwerten Umstände ist die Laune im Pflegeteam weiter gut. „Wir halten hier alle zusammen und helfen uns gegenseitig“, sagt Kati. Und der Schnee hat auch zu schönen Situationen geführt. „Unsere Azubine hat ein Auto aus dem Schnee geholt. Das hatte sich auf einer Seitenstraße festgefahren und drei Männer haben versucht es zu befreien. Minutenlang passierte nichts. Da ist sie hin gestapft, hat sich ans Steuer gesetzt und in wenigen Sekunden war es frei. Da haben die Herren ganz schön doof geguckt“, erzählt die Pflegekraft lachend.

Gegen 13 Uhr hat Maaß es geschafft. Alle Patienten sind versorgt, niemand konnte wegen des Wetters nicht erreicht werden. Dank Schneeketten kam sie zügig voran. Trotzdem ist die 48-Jährige froh, wenn der Schnee bald wieder weg ist. Einen Vorteil hatte die chaotische Woche aber für die Pflegedienstmitarbeiter: „Corona ist mal ein bisschen in den Hintergrund gerückt“, sagt Lisa Kati.

Schneechaos in Hamm

Während die Pflegedienste tapfer weiter im Schnee unterwegs sind, hat der weiße Wahnsinn die Gastro-Lieferdienste ausgebremst.

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