Hotel statt Heimflug

Schloss Heessen schließt für die Ferien: Schüler weichen auf Hotels aus

Landschulheim und Internat Schloss Heessen
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Zwei Wochen Pause: Wenn das Landschulheim Schloss Heessen in den Osterferien geschlossen ist, müssen die Schüler in Ausweichquartieren unterkommen.

Das Landschulheim Schloss Heessen schließt für die Dauer der Osterferien. Die Schüler müssen für die zwei Wochen woanders unterkommen. In Corona-Zeiten mitunter eine Herausforderung. Zumal das Elternhaus der meisten Schüler einige tausend Kilometer entfernt ist.

Heessen – Internat – für Fans britischer Jugendbücher hat das immer einen Hauch von Abenteuer. In Corona-Zeiten haben auch die Internatsschüler des Landschulheims Schloss Heessen mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. Auch weil das Internat in den Osterferien geschlossen ist.

„Dass die Schülerinnen und Schüler während der Ferien auch eigene Erfahrungen machen und etwas reisen können, ist uns wichtig“, sagt Renke Reichler, Kaufmännischer Leiter des Landschulheims. „Es gehört zum Konzept und der Idee, nicht nur das deutsche Abitur zu erlangen, sondern auch den westeuropäischen Kulturraum zu erkunden. Im letzten wie in diesem Jahr sind weitläufigere Reisen selbstverständlich ausgesetzt.“

Von den rund 60 Internatsschülern kommen 40 aus Asien. Fünf bis sechs chinesische Schüler sind derzeit aber schon in ihrer Heimat geblieben. „Normalerweise würden die meisten Internatsschüler über die Ferien nach Hause fliegen, das können wir auch keinem verbieten, aber wir haben alle darauf hingewiesen, dass die Quarantänezeiten zuhause und auf dem Rückweg ein Problem sein können“, erläutert Reichler. Das Internat ist in den Osterferien geschlossen. „Die Kollegen haben gerade nach der aktuellen Beanspruchung auch Urlaub verdient“, nennt der Geschäftsführer den Hauptgrund. Außerdem: Die Gebühren, die die Eltern zahlen, bemessen sich nach der Schulzeit unter Ausschluss der Ferienzeiten.

Landschulheim Schloss Heessen: Ausweichquartiere in ganz Europa

Ein Teil der internationalen Schüler verbringt die Ferien bei Freunden oder Verwandten in Europa, wo es die Coronaregeln zulassen. „Wir haben einen Schüler aus Luxemburg, der fährt natürlich nach Hause.“ Für die anderen organisiert die Schule Aufenthalte in Hotels.

Dabei gelten die Schüler nicht als Touristen, sondern sind quasi Geschäftsreisenden gleichgestellt. Die Kosten für diese Unterbringung tragen die Familien. Organisiert wird dass durch eine Fachkraft der Schule für Internationalen Service und die Agenturen, die die Schüler nach Heessen vermittelt haben. Die Schüler, die in den Ferien im Land bleiben, sind eng an diese Vermittlungsagenturen angebunden. Über diese werden sie auch durchgehend betreut. Reichler: „Wir haben von allen Schülerinnen und Schülern genaue Angaben zu ihren Aufenthaltsorten und stehen auch während der Ferien mit ihnen und ihren Vermittlern in Kontakt.“

Nach den Osterferien wird – wie schon nach Weihnachten – von den Rückkehrern ein aktueller Negativtest verlangt. Schüler, die den vergessen haben, würden in freie Räume im Schloss kurz in Quarantäne gesteckt, nachdem die Schule selbst den entsprechenden Test durchführt. Bisher war aber eine solche Quarantäne nur in einem – folgenlosen Fall nötig.

Lanschulheim Schloss Heessen: Hybridsystem im Unterricht

Nach dem Schulneustart am 15. März läuft der Unterricht auf Schloss Heessen übrigens fast wieder normal. Das ist der großzügigen Raumsituation und der relativ geringen Schülerzahl von 255 zu verdanken. Im Bereich der 5. und 6. Jahrgangsstufe findet kein Wechselunterricht statt, weil die Klassen so klein sind wie an anderen weiterführenden Schulen eine geteilte Klasse. In den Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 sieht das anders aus, um eine Durchmischung von verschiedenen Gruppen zu vermeiden. Das ist beispielsweise bei manchen Arbeitsgemeinschaften, etwa Latein, der Fall.

„Hier haben hier ein Hybridsystem mit Schülern, die im Klassenraum sitzen und einigen, die virtuell gleichzeitig dazu geschaltet sind“, so Reichler. In der Oberstufe sorgt die Raum- und Klassensituation wieder für einen normalen Unterricht. Erfreulich für Reichler: „Es sind auch alle Kollegen wieder an Bord.“

Wie erleben die Schüler des Landschulheims Schloss Heessen die Zeit im Internat? Wir haben mit drei Schülern gesprochen und lassen sie hier zu Wort kommen:

Landschulheim Schloss Heessen: Schüler erzählen von ihren Plänen

Sien Fan (19)

Sien Fan (19): „Ich komme aus China, aus der Stadt Guang Zhou. Ich halte täglich Kontakt zu meiner Mutter und meinem Vater über Wechat, das chinesisches WhatsApp. Wir reden miteinander und haben Sichtkontakt. Mit meinen Freunden rede ich auch täglich. Mit meiner Großmutter und meinem Großvater nehme ich einmal in der Woche über Wechat Kontakt auf. Ich versende dann Fotos von der Schlosskatze. Die Dauer des Wechat-Kontaktes ist unterschiedlich. Ich habe kein Heimweh. Meine Eltern sind oft umgezogen, entweder von einer Wohnung in ein Haus oder umgekehrt. Bereits mit 13 Jahren war ich in China in einem Internat und bin nur einmal in der Woche zu meinen Eltern gefahren. Vielleicht ist das der Grund, dass ich kein richtiges Heimatgefühl habe. Ich vermisse aber das leckere Essen in China. Ich bin in den Ferien in Dortmund mit meiner Freundin Yantong. Wir haben zusammen über Airbnb dort eine Wohnung für die zweiwöchigen Osterferien gebucht. Wir wollen dort für unsere bevorstehenden Abiturprüfungen lernen. Wegen der Corona-Situation können wir leider keine Unternehmungen wie Kinobesuche durchführen.“

Bowen Zheng (19)

Bowen Zheng (20): „Ich komme aus Peking. Ich rede mit meiner Eltern durch Videochat wöchentlich. Normalerweise am Wochenende. Ich komme gut mit dem Leben in Deutschland klar, hier fühle ich mich wie in meiner zweiten Heimat. Deswegen habe ich auch weniger oder fast kein Heimweh. Manchmal koche ich etwas Köstliches aus China. Das Essen erinnert mich an meine Heimat. In den Ferien halte ich mich an die Regeln oder bleibe allein oder mit einem Freund in einer Wohnung. Ich versuche, so wenig wie möglich rauszugehen und mache etwas zuhause – Sport oder Videospiele.“

Lucas Behnisch (20)

Lucas Behnisch (19): „Ich komme aus Sachsen und bin auch über die Wochenenden im Internat. Kontakt mit meiner Familie halte ich durch Telefonate und über Messenger wie WhatsApp. Im Gegensatz zu einem meiner Zimmernachbarn, der täglich mit seinen Eltern telefoniert, tue ich dies nur etwa einmal im Monat. Heimweh habe ich auch keines, da ich mich mittlerweile an das Internatsleben gewöhnt habe, aber auch als ich neu im Internat war, hatte ich damit keine Probleme, weil man sich schnell einlebt und im Normalfall auch jedes Wochenende nach Hause geht. Auch in meinem Freundeskreis, im Internat, habe ich niemanden, der mit Heimweh ein Problem hat, von daher kenne ich keine Strategien dagegen, außer Ablenkung.“

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