Lernen wird digital: Am Schloss Heessen ist aus einem Projekt jetzt Realität geworden

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Mit Laptop „bewaffnet“ wurde jetzt am Schloss Heessen der digitale Unterricht gestartet.

Dass Lernen auf Distanz nicht so einfach ist, zeigt sich zurzeit an vielen Schulen. Im Schloss Heessen fand der Heimunterricht zwar Anklang bei den Schülern, den Eltern half das aber wenig weiter.

Heessen – Schüler und auch Lehrer erledigten ihre Aufgaben zeitunabhängig per E-Mail. „So kann sich keine Tagesstruktur aufbauen, und die ist sehr wichtig“, sagt Schulleiter Jürgen Heimühle. Bereits vor zwei Jahren begann der Prozess der Digitalisierung auf Schloss Heessen mit dem Projekt „Gute Schule 2020“ des Landes NRW, der Schülern und Lehrern nun zugute kommt.

Durch einen hauseigenen Server konnten die Verwaltung und die Schule zu Beginn der Corona-Krise direkt im Home Office weiter arbeiten. Doch auch auf dem Internatsgymnasium gab es noch Optimierungsbedarf. Eigentlich war das Projekt für den Regelunterricht ausgelegt, sodass das digitale Lernen nach den Sommerferien in diesem Jahr eine Ergänzung werden sollte.

Schulunterricht in den eigenen vier Wänden

Doch durch die coronabedingte Schulschließung beschleunigte sich dieser digitale Prozess, Lehrer und Schüler konnten auch von zuhause aus in Kontakt bleiben. „Alle greifen nun auf die gleichen Datenquellen zu, brauchen nur eine Anmeldung für virtuelle Klassenräume oder die sogenannte Schlossbox, die wie eine Dropbox funktioniert“, erklärt Oliver Schinkel, Lehrer und Medienkoordinator an der Schule.

Das Problem an Schulen ist, dass Whats-App und Zoom – die von vielen Schulen nun genutzt werden – nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eigentlich nicht für den Kontakt zwischen Lehrern und Schülern erlaubt sind. Die Fördermittel des Landes nutze das Schloss nun, eine digitale Infrastruktur zu schaffen, die DSGVO-konform ist.

Unterstützung von Außerhalb

„Eigentlich fehlt an jeder Schule ein Informatiker in der Verwaltung, der sich um die Digitalisierung kümmern kann und den Lehrern zeigen kann, wie man die Technik optimal nutzt“, spricht Schinkel ein weiteres Problem an. Deshalb habe die Schule Unterstützung von Systembau Cramer aus Hamm erhalten, die die Kabel verlegten und Technik anschlossen.

Jedes Klassenzimmer wurde mit einer sicheren Internetleitung versehen und mit der Lernplattform „Ilias“ der Heimunterricht verbessert. So können Gruppenarbeiten auch über Distanz stattfinden und nicht nur im Frontalunterricht angeboten werden. Mit dieser Lernplattform brauchen Schüler und Lehrer nur ein Endgerät, wie ein Handy oder ein Laptop und eine funktionierende Internetverbindung, um auf alle Lerninhalte zugreifen zu können.

Fortbildungen für Lehrer im Umgang mit digitalen Medien

Zudem erhielten Lehrer Schulungen zum Thema. „Es hat uns viel Energie gekostet, alle Lehrer zu schulen, aber jetzt ist die Zeit, um sich mit solchen Themen zu beschäftigen“, erklärt Stephanie Soller, stellvertretende Schulleitung.

Da der Unterricht nun in Teilen wieder in Schulen erlaubt ist, bietet die Digitalisierung an der Schule weiterhin einen großen Vorteil, der Lehrer entlastet und Schülern eine bessere Lernumgebung schafft: „Risikogruppen können so auch weiterhin am Unterricht teilnehmen, und ausfallende Lehrer müssen nicht durch andere vertreten werden“, erklärt Soller. Lehrer, die zuhause bleiben müssen, können dennoch für ihre Schüler weiterhin der erste Ansprechpartner sein.

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Auch für Schüler, die Präsenzunterricht haben, bedeutet es nicht, dass sie auf die neu geschaffenen digitalen Möglichkeiten verzichten müssen. Denn ist ein Lehrer beispielsweise im Home Office, lernen die Schüler gemeinsam mit dem Lehrer weiterhin über moderne Medien. Insgesamt sei der digitale Unterricht leiser als der reguläre, äußerten Lehrer ihre ersten Eindrücke.

Schüler würden mehr miteinander arbeiten, sich gegenseitig mehr ‘ran nehmen, sodass Lehrer quasi im Unterricht nur noch Hilfestellungen geben.

Während Soller hofft, dass bald auch die Klassen fünf bis neun wieder mit Präsenzunterricht beschult werden können, geht der kaufmännische Leiter, Renke Reichler, einen Schritt weiter und denkt bereits über die neuen Möglichkeiten nach: „Es wäre denkbar, dass der Unterricht, der manchmal für Schüler an kooperierenden Schulen stattfindet, bald virtuell möglich ist.“

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