Schlange stehen am Tag danach

Aus für Kaufhof für Angestellte ein Schock, für Kunden absehbar

Grabesstimmung vorm Kaufhof: Eine ehemalige Mitarbeiterin hat eine Rose und einem Grablicht vor der Hammer Filiale aufgestellt.
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Grabesstimmung vorm Kaufhof: Eine ehemalige Mitarbeiterin hat eine Rose und einem Grablicht vor der Hammer Filiale aufgestellt.

Der Kaufhof in Hamm wird geschlossen: Am Tag nach der Verkündung dieser Nachricht stehen die Kunden dort Schlange. Wir haben uns in der Bahnhofstraße umgehört - bei Kunden und bei geschockten Mitarbeitern.

Hamm – Eine Rose und ein Grablicht stehen am Samstag vor einem der Eingänge von Kaufhof, aufgestellt von einer ehemaligen Mitarbeiterin. „Ich will ein Statement setzen“, sagt sie. Selbst sei sie bereits bei der Fusion von Karstadt und Kaufhof „wegrationalisiert“ worden. Zum Schutz ihrer Familie will sie nicht, dass ihr Name genannt wird: Ihr Mann arbeite aktuell noch bei Kaufhof – bald wird aber auch für ihn Schluss sein.

Dass die Hammer Filiale geschlossen wird, wurde am vergangenen Freitag bekannt. Ein Schock, das ist der Frau anzusehen. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie drei Kinder, die versorgt werden müssen. Doch um ihre eigene Familie macht sie sich nicht die größten Sorgen: „Wir finden schon etwas Neues. Aber was ist mit denen, die 57 Jahre alt sind und wirklich noch nie woanders gearbeitet haben als hier?“

Für die Angestellten ein Schock, für die Kunden nicht überraschend: Dass Kaufhof schließen wird, sei abzusehen gewesen, meint René Blank. „Erst Horten, dann Ter Veen und jetzt Kaufhof.“ Früher sei der gebürtige Hammer häufig bei Kaufhof gewesen. Mit der Zeit sei das aber weniger geworden, obwohl er die guten Preise und die Auswahl zu schätzen gewusst habe. „Ich habe auch mehr online eingekauft, mit Corona noch stärker“, gibt er zu.

Lange Schlangen an den Kassen

Am Samstag jedoch zieht es viele Menschen in den Kaufhof. Der Parkplatz ist voll, es gibt Prozente, an den Kassen stehen die Kunden in langen Schlangen – so lang, dass manche auf dem Absatz umdrehen und das Geschäft wieder verlassen: „Da stehst du ja zwanzig Minuten an!“

Manuela Stiller hat die Schlange nicht abgeschreckt. Sie ist auf der Suche nach einem Strandtuch. „Ich war schon als Kind mit meiner Mutter hier einkaufen“, erzählt sie und kritisiert die Schließung: „Das Ganze wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen.“ Da sie nicht gerne online einkauft und die Beratung hier vor Ort geschätzt hat, stimmt die Schließung sie traurig. Auch, weil sie für den Standort keine Perspektive sieht. „Das wird doch eine weitere tote Ecke hier“, meint sie. Eine Tendenz zur Schließung habe allerdings auch sie gesehen: Über einen längeren Zeitraum sei das Sortiment stetig kleiner geworden.

Kunden auch von auswärts

Nicht nur Hammer kaufen am Samstag bei Kaufhof ein, auch aus den umliegenden Städten sind Kundinnen da: Irem Yildirim ist mit ihrer Mutter aus Ahlen zum Shoppen gekommen. Sie sind auf der Suche einem Geschenk für ihren Vater. Auch Marianne Kuschel aus Beckum kommt unter anderem wegen des Kaufhauses nach Hamm. Mit ihrem Mann war sie erst Kaffee trinken bei Turflon, nun steht ein Bummel durch die Hammer Innenstadt an. Wenn der Kaufhof weg ist, wird sie wohl vor allem in Beckum einkaufen. „Gut, im Allee-Center gibt es auch viele Geschäfte, aber einige davon haben wir auch in Beckum“, meint sie.

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