„Angst vor diesem Mann“

„Schleier des Alkohols“: Zeuge im Kat-Prozess gerät ins Stocken

Ein Katalysator am Auto.
+
Die Hammer Bande hatte es auf Pkw-Katalysatoren abgesehen.

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Katalysator-Diebe aus Hamm hat das Dortmunder Landgericht den Hauptbelastungszeugen vernommen. Der 57-Jährige kam sichtlich ins Schwitzen.

Dortmund/Hamm – Der Zeuge war im September 2020 bei der Polizei in Hamm erschienen, um Anzeige zu erstatten. Dann erzählte er, was er angeblich über den mit 47 Jahren ältesten der drei angeklagten Männer wusste. „Der fährt mit seinen Komplizen täglich durch die Gegend, um Katalysatoren aus Autos zu stehlen. Die Beute verkauft er anschließend in Hamburg.“

Als der 57-Jährige diese Angaben am Donnerstag vor Gericht wiederholen sollte, stockte ihm plötzlich die Stimme. Vorab wolle er noch etwas loswerden, teilte er den Richtern mit. „Ich wollte niemals Zeuge werden. Ich habe der Polizei gesagt, dass ich unbedingt anonym bleiben möchte, weil ich Angst vor diesem Mann habe.“

Die Richter blieben stur. „Die Veranstaltung hier heißt nicht Wünsch-Dir-Was“, sagte der Vorsitzende Alexander Donschen. Zeugen hätten generell die Plicht, zu sagen, was sie wüssten. „Ein Recht auf Anonymität gibt es nicht“, sagte Donschen.

Mit sichtlichem Unbehagen legte der Zeuge anschließend los, ohne dabei aber viel zu verraten. Urplötzlich waren seine Erinnerungen „unter einem Schleier des Alkohols begraben“. Eigentlich wisse er gar nicht mehr so richtig, wie er im Herbst 2020 an seine Informationen über den 47-Jährigen und dessen mutmaßliche Mittäter gekommen sei.

Bei der Polizei noch umfassend ausgesagt

Zum Glück hatte der Zeuge bei der Polizei noch umfassend ausgesagt. Und dieses Protokoll konnten die Richter anschließend mit dem Mann Stück für Stück durchgehen. Dabei bestätigte er schließlich, dass die Ehefrau des mutmaßlichen Hauptangeklagten seiner Ehefrau mal von den angeblich krummen Geschäften erzählt habe. Nach einem Streit in einer Kneipe, bei der der 47-Jährige mit einem dicken Bündel Geldscheinen geprahlt habe, will der Zeuge vor Wut am nächsten Tag zur Polizei gegangen sein.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklageschrift 56 Einzeltaten zusammengefasst. Die Angeklagten hätten Katalysatoren aus Gebrauchtfahrzeugen ausgebaut und gestohlen, pro Katalysator hätten sie bis zu 800 Euro erhalten. Der Grund: In den Bauteilen waren früher größere Mengen der wertvollen Edelmetalle Platin, Palladium und Rhodium verbaut.

Die Angeklagten haben sich selbst noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare